Text: Orson Sieverding aus De:Bug 101

Steve Goodman aka Kode 9 gehört zu den wichtigsten Produzenten und DJs der Dubstep-Szene in London. Mit seinem Online-Portal und Plattenlabel ”Hyperdub“ baut er entscheidend am Fundament der Szene mit. In seiner wöchentlichen Radio-Show auf dem Londoner Piratensender ”Rinse FM“ und eigenen Produktionen schafft er es wie kein anderer, aktuellste Qualitäten von Grime und Dubsteps Subbass-Energie auf den Punkt zu bringen. Zusammen mit The Spaceape hat er den dritten Mix der ”Dubstep Allstars“-Serie auf Tempa aufgenommen. Wir haben ihn um eine Genre-Definition gebeten.

Dubstep, wie geht’s denn so?

Kode 9: Vor Jungle haben wir alles aufgelegt, HipHop, Funk, Reggae, House etc. Dann kam Jungle und ich habe für die nächsten sieben Jahre nichts anderes mehr gehört. 1994-1996, ”early Metalheadz“, diese Kombination aus Jamaika und Detroit hat mich am meisten beeinflusst. Gleichzeitig habe ich eine große Begeisterung für Jan Jelinek. Ich höre nicht viel Micro- oder clicky Glitch-House, aber Farben, Pole und Rhythm & Sound ist toll. Genauso Dub, Reggae und Lovers Rock. Ende der 90er bin ich nach London gezogen und ich fing an, mich für die eher dubbige, Jungle- und Reggae-orientierte Seite von Garage zu interessieren. Dubstep fing für mich so um 1999 an, frühe Groove-Chronicles- und El-B-Stücke, Zed Bias, Dem-2-Instrumentals, die minimalen 2Step- und darken Garage-Sounds. Mit dem ganzen Breakbeat-Kram konnte ich nie richtig was anfangen, ich meine, ich war begeistert von der ganzen frühen Breakbeat Science, ”fucked up Breaks“ und so, aber deren Breaks waren im Vergleich langweilig. Selbst der kommerziellste Garage hatte dagegen damals wunderschöne Synkopen und Swing. Kurz danach ging’s mit Garage den Bach runter, zurück in den Underground. Ich habe es wie verschiedene Wellen empfunden, es gab eine erste mit Ghost, El-B, Zed Bias und später Horsepower. Für mich persönlich waren es Digital Mystikz, die den nächsten Schritt gemacht haben, ihr Sound entfernt sich von den Garage Roots. Sie kommen eher aus einem Jungle Background, haben aber trotzdem diesen gewissen Swing im Rhythmus.

In deinen Sets beschränkst du dich nicht nur auf Dubstep …

Ich finde das Beatprogramming von einem Grime-Produzenten wie Terror Danjah absolut unglaublich. Ich versuche, die besten Grime- und Dubstep-Riddims zu finden, die Cutting Edge Sachen aus beiden Bereichen, denn auch wenn es viele Schnittpunkt zwischen den Sounds gibt, sind es doch voneinander getrennte Szenen. Grime hat das jüngere Publikum. Beide Szenen sind aber multikulturell.

Bilden sich schon Untergenres bei Dubstep aus?

Half Step, 2Step, Soca Step, die Liste ist lang. Wenn sich alles um einen Style drehen würde, wäre das totlangweilig.

Über welche Kanäle wird Dubstep promotet?

Kode 9: Piratenradio ist weiterhin wichtig. Ich lege regelmäßig bei Rinse FM 100.3 auf. Die Leute, die Rinse FM machen, haben auch Labels, die sie über den Sender promoten können, aber am wichtigsten ist, dass sie der Szene im Allgemeinen helfen. Rinse ist ein verblüffendes Unternehmen. Es gibt unzählige Pirates in London, Rinse ist allerdings der einzige Sender, der Dubstep featured. Sie haben die besten Grime-Crews, wie Roll Deep, Ruff Squad, Essentials, Newham Generals mit D Double E und Footsie, DJs wie Slimzee etc. und Hatcha, Youngsta und mich, die Dubstep spielen. Breakstep gibt es auch noch. Für mich sind es allerdings die Grime-Crews und der subbassy South London Dubstep Style, das finde ich spannend.

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