Seit rund einem Jahr angekündigt, hat Emagic nun endlich ihrem Sequenzer-Schlachtschiff Logic Audio ein Rundum-Update spendiert. Mit neuem Kopierschutz, neuen Plugs und Instrumenten, von Grund auf renovierter Automation und einer neuen Hardware Control in der Hinterhand, muss sich Konkurrent Steinberg zukünftig noch viel wärmer anziehen.
Text: benjamin weiss aus De:Bug 58

Ein slicker Panzer

Eigentlich sollte es natürlich schon früher kommen, und eigentlich sollte ich dazu gleich noch Logic Control testen, aber die vollmundigen Ankündigungen der Marketingabteilung bei den großen Softwarefirmen speisen sich anscheinend größtenteils aus Wunschträumen.
Schließlich kam Logic 5 ohne Logic Control, aber mit fast allen angekündigten Verbesserungen, was ja auch schon mal nicht schlecht ist.

Automation
Eine der Hauptneuerungen ist die deutlich erweiterte und verbesserte Automationsfunktionalität von Logic 5. Hier wurde fast alles neu programmiert, was sich sehr positiv bemerkbar macht: die Automationsfeatures der intern mit 32 Bit rechnenden neuen Engine sind nicht nur umfassend (alle Parameter, VST PlugIns eingeschlossen, können jetzt automatisiert werden), sondern auch, im Gegensatz zum bisherigen Automationswust in Logic, übersichtlich und logisch aufgebaut. Alle Automatisierungen werden direkt im Arrange Fenster dargestellt und können wahlweise unabhängig oder mit den dazugehörigen Spuren verschoben und kopiert werden. Zur Editierung stehen neben den Automationsmodi Read (lesen der bisher vorhandenen Automation), Write (Schreiben der Automation), Touch (nur wenn ein Regler bewegt wird, werden neue Automationsdaten hinzugefügt), Latch (wie Touch, nur das der letzte veränderte Wert beibehalten wird) noch komfortable Funktionen zur grafischen Bearbeitung bereit. Neben den üblichen Werkzeugen wie Pfeil, Stift und Radiergummi können auch vier Kurvenvarianten auf die Automation angewendet werden, was auch mit mehreren Automationspunkten möglich ist. Weiterhin werden die Parameter mit Namen und Werten dargestellt, so dass immer klar ist, was automatisiert wird.

Neue PlugIns
Natürlich, wie sich das bei einem größeren Update eines Softwaresequenzers gehört, gibt es auch eine ganze Reihe neuer PlugIns. Als Effekte sind neu dazugekommen: MultiBand Compressor, Stereo Spread, Denoiser, Exciter, Limiter, adaptiver Limiter, DeEsser, Phase Distortion, Clip Distortion, SubBass und Tremolo. Der MultiBand Compressor ist ein echtes Highlight und arbeitet mit vier Bändern, vergleichbar mit dem C4 von Waves. Er ist logisch aufgebaut, klingt druckvoll, ohne das Originalsignal zu verfälschen und arbeitet erstaunlich prozessorschonend. Auch die anderen neuen sind größtenteils überzeugend und haben, verglichen mit den in der letzten Version vorhandenen Plugs, einen zum Teil deutlich besseren Sound.

Ein paar neue Instrumente gibt es auch und zwar drei Varianten eines Synthesizers: ES M (monophoner Basssynthesizer), ES E (achtstimmig polyphoner Synthesizer für Pads) und ES P (ebenfalls achtstimmig polyphon). Sie sind im Klang alle recht gut, brauchen verhältnismäßig wenig Prozessorleistung, alles in allem aber auch recht unspektakulär und nicht viel mehr als eine absolute Basisausstattung.

Neue Dateiformate
Neben einem komplett neuen Songformat, das naturgemäß nicht nur Vorteile bringt (so können ältere Logic Versionen Logic 5 Songs nicht öffnen, es gibt zwar die Möglichkeit im alten Format abzuspeichern, was aber wegen der Neuerungen nicht als verlustfrei bezeichnet werden kann) ist auch die Unterstützung von Fremdformaten erweitert worden: Logic 5 kann ReCycle 2.0 Files sowohl direkt ins Arrange Fenster als auch in den EXS24 laden und unterstützt im Gegensatz zum Konkurrenten Cubase das OMF Format (wer viel mit Leuten zusammenarbeitet, die andere Audioplattformen haben wird es zu schätzen wissen: mit ihm können Audioarrangements zwischen verschiedenen Programmen getauscht werden, bisher unterstützt von Nuendo und ProTools). Darüber hinaus wird auch Open TL unterstützt, was die Kommunikation mit diversen Tascam HD Rekordern ermöglicht.

Alles in allem hat Emagic beim Update etwas zustande gebracht, was man sich gemeinhin von einem Update erhofft, aber in den seltensten Fällen bekommt: viele Unstimmigkeiten (Automation, halbherzige Integration von VST Instrumenten (auch hier sind alle Parameter automatisierbar)) sind ausgeräumt worden, dazu gibt es als Sahnehäubchen eine Handvoll neuer PlugIns, die zum Großteil auch noch wirklich gut klingen, ohne dass ein Schwall neuer Bugs hinzugekommen wäre. Das einzige wirkliche Problem was ich hatte, war die Benutzung meiner Motu 828, deren ASIO Treiber von Logic schlicht nicht erkannt wurde. MacOS X Kompatibilität gibt es weiterhin nicht, die hat die Konkurrenz (mal abgesehen von den kleinen, aber effizienten Softwareschmieden wie Ableton) bisher aber auch noch nicht auf der Pfanne. Die Integration von Logic Control soll so schnell wie möglich nachgeliefert werde, was wahrscheinlich zur Musikmesse in Frankfurt passieren wird.

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Elektronische Lebensaspekte.