Emagics Midi / Audio-Sequenzer Logic wird mit einem umfangreichen PlugIn-Paket ausgeliefert. Das komplexe Programm ist zwar sein Geld wert, führt aber auch gerne mal zu Wutausbrüchen oder Ratlosigkeit. Für den Audioteil gibt es im Wizoo Verlag die dazu passende PlugIn-Presetsammlung.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 37

/musiktechnologie Hilfe beim Frickeln Ein Buch über Logic Audio An dunklen, grauen Tagen denke ich oft an einen guten alten Bekannten. Atari hiess er und war lange Zeit mein bester Freund im Studio. Immer da, freundlich grau, steuerte er meinen ersten Sampler und einen kleinen Synthie. Tolles Set-Up, tagelanges Rocken garantiert. Doch ich wurde untreu, stellte meinen kleinen grauen Kumpel in die Abstellkammer. Modern wollte ich sein und wandte mich den Apfel-Computern und der Logic Audio Software zu. Was folgte waren schlaflose Nächte, Wutausbrüche, totale Ratlosigkeit, Panikkäufe und die Erkenntnis, dass man ja auch nicht ständig Musik machen muss, sondern auch mal ein Buch lesen kann. Gut, all das ist lange her, und mittlerweile habe ich dieses verrückte Programm (ansatzweise) auch verstanden. Für Hilfe bin ich aber nach wie vor dankbar, und ich habe das Gefühl, dass ich nicht der einzige bin. Tausche Preset gegen Drei-Zimmer-Wohnung Beim Audio-Teil zum Beispiel, der seit der Version 4.0 über ein umfangreiches Plug-In Paket verfügt. Mit der Kombination mehrerer Effekte kann man einerseits im Nullkommanichts seinen Rechner in die Knie zwingen und so die hausinterne Hierarchie nochmal unterstreichen stotternde Rechner nimmt man einfach nicht so ernst (bei einem G3 Powerbook mit 266 MHz empfehle ich die Kombination aus Spectral Gate, Enverb, Tape Delay und einem Schuss Vocoder. Ein gefährlicher Cocktail). Andererseits durchschaut man seine musikalischen Helden und muss sich ständig kneifen. Dass ein Sound so leicht herzustellen ist Ésehr desillusionierend und aufbauend zugleich. Manchmal aber muss es fix gehen. Man sucht ein ganz bestimmtes Preset, einen ganz speziellen Hall-Algorithmus, dieses getappte Delay oder jenen rauschigen Chorus. Rumprobieren geht immer, aber meistens verfusselt man sich irgendwo, findet Gefallen am so leicht zu erzeugenden Krach und, naja, dann ist der Tag vorbei und der Track immer noch nicht auf Band. Ein paar vorgefertigte Konfigurationen, die nur noch minimal an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden müssen, sind also alles andere als überflüssig. Das hoffte auch Ralf Kleinermann, der mit seiner Preset-Kollektion zumindest bei mir offene Türen einrennt. Aber der Reihe nachÉ Let there be rock Die Presets sind schnell installiert. Man benennt seinen alten Plug-In Folder kurz um und kopiert dafür den Preset-Folder auf die Festplatte. Für alle Logic-Versionen (Platinum, Gold und Silver) gibt es spezielle Folder. Ich habe die Platinum-Version getestet. 21 Audiofiles kann man als Anschauungsmaterial gleich mitinstallieren. Die ziehen einem zwar die Schuhe aus, so furchtbar und rockig wie sie daherkommen, eine Installation ist aber dennoch sinnvoll, da der Autor sich im Handbuch auf eben diese Audiospuren beruft. Darüber hinaus reichen sie für einen ersten Überblick völlig aus. Nun heisst es rumprobieren, am besten immer mit einem Auge in der vorzüglichen Dokumentation. Ralf Kleinermann fängt ganz von vorne an, erklärt zunächst die grundsätzlichen Funktionen der einzelnen Effekt-Parameter (sehr angenehme Auffrischung von Studiogrundwissen), bevor er anhand einzelner Presets in Verbindung mit bestimmten Audiobeispielen die Möglichkeiten der Plug-Ins exemplarisch vorführt. Einen kleinen User-Guide für eventuell auftretende Probleme gibt es ebenfalls dazu. Bei den Delays, die ja eigentlich leicht zu handeln sind, da sich das Tempo des Songs automatisch auf das Plug-In überträgt, kann Kleinermann mit interessanten Delay-Verknüpfungen auftrumpfen. Bei den Filter- und Modulationseffekten, wo Erfolg und die totale Katastrophe oft haarscharf beieinander liegen, bieten seine Presets eine hervorragende Basis um weiterzuarbeiten. 70 Mark kostet das Paket mit Buch und CD. Ein stolzer Preis. Musiker aber, die den schnellen Zugriff auf bestimmte Effekt-Konfigurationen dem Frickeln vorziehen, werden ihre Freude an der FX Collection haben.

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Elektronische Lebensaspekte.