Der Nachwuchs entert die Belle Etage des Drum and Bass. Logistics schießt sein Debüt-Album ganz hoch in den Pophimmel über dem Drum-and-Bass-Schlachtfeld.
Text: Philip Ketzel aus De:Bug 107

Drum and Bass

Weder zu deep noch zu heavy
Logistics

Nach den Gebrüdern Quinn, die unter den Namen Optical und Matrix mit ihren verdreht darken Rave-Tracks seit einigen Jahren in der Champions League der Drum-and-Bass-Produzenten spielen, schwingt sich seit einiger Zeit ein weiteres Brüderpaar auf, es sich in der Belle Etage der Breakbeat-Forscher gemütlich zu machen.

Nachdem Dan Gresham, der ältere der beiden Greshams, vor einiger Zeit als Nu:Tone mit seinem Debüt-Album ”Brave Nu World“ und einigen gefeierten Maxi-Hits vorgelegt hat, ist jetzt sein kleiner Bruder Matt dabei, es ihm nachzumachen. Nachdem Matt es mit seinem ersten Track ”Replay“ auf London Elektricitys Label Hospital noch neben dem Etikett ”kleiner Bruder von Nu:Tone“ auch das des potenziellen Wunderkinds angeheftet wurde, konnte er mit dem kurz darauf erschienenen ”Together“ gleich beweisen, dass er in der Lage ist, dieses Potenzial auch voll auszuschöpfen. Ein fester Platz in Andy Cs Rewind-Heavy-Rotation war neben noch mehr aufgeregten Lobpreisungen seines Namens der Lohn.

Mit ”Now More Than Ever“ hat er sich jetzt der nächsten großen Herausforderung gestellt: dem Debütalbum. Und das ist mit 24 Tracks auf zwei CDs zu einem Mammutwerk herangewachsen. ”Ich glaube, ich schreibe einfach zu viele gute Stücke“, sagt Matt dazu ganz unschüchtern. Für die Vinyl-Version ließ sein Label Hospital, auf dem auch sein Bruder Dan gesignt ist, übrigens unter den Fans im Netz abstimmen, welche Tracks es auf die schwarzen Scheiben schaffen sollten.

”Now More Than Ever“ setzt bei Hospital den soundtechnischen Trend fort, der mit Cyantifics Album ”Ghetto Blaster“ im Mai diesen Jahres seinen Anfang nahm und geprägt ist von eindeutigen Verweisen in die 80er. Drum and Bass in seiner eingängigsten, poppigsten Ausformung. Ob es irgendwelche Vorgaben seitens des Labels gab, will ich wissen. “Nein nein, sie sagten, mach’ einfach die Musik, die du machen willst, und wir nehmen dann das Zeug, was wir rausbringen wollen … Ich hab’ so viel Verschiedenes auf meinem Rechner, aber da ich ein Album für Hospital schreibe, wusste ich, dass ich nicht zu deep oder zu heavy oder zu dies und das werden kann.“

Jetzt, wo das Werk vollbracht ist, muss es natürlich auch ordentlich promotet werden, und was bietet sich da besser an als MySpace. “Es gibt dir einen viel größeren Zugang zu einem völlig neuen Publikum und es ist verrückt, wie Leute und Labels versuchen, ihr Zeug da zu verkaufen. Das ist halt dieses Recordlabel-Ding. Das bringt dich dazu, auch all das mit allen Extras haben zu wollen.“ Allerdings muss sich der gute Matt noch mit einem unliebsamen MySpace-User, der sich als Logistics ausgibt und unter dem Namen einen Musik-Account betreibt, herumschlagen. Das Ergebnis ist, dass er bis jetzt lediglich einen Member-Account hat. ”Ich kann keine Musik hochladen, solange er nicht gelöscht wurde. Wir hatten ein Profil mit vier aktuellen Tunes gemacht, um das Album zu promoten, aber es wurde gelöscht, weil MySpace wohl wieder dachte, dass ich nicht ich selbst bin.”

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Elektronische Lebensaspekte.