Ein bisschen Rave Für Mensch und Hund
Text: Jan Wehn aus De:Bug 152

Auf den ersten Blick unterscheidet Matt Cutler nicht viel von seinen Produzentenkollegen aus dem Schlafzimmersegment: Die Samplesausen von J Dilla feiert der 26-jährige genau so ab wie die verspulten IDM-Kaskaden eines Aphex Twin. Als Lone seziert er den HudMo-Wonky und den GlitchHop eines Flying Lotus und schaltet noch eine gehörige Portion Dance dazu. Um den sehnsüchtigen Samplesound spinnt Lone verspielte Melodien zum perfekten Nostalgie-Soundtrack in bester Boards-of-Canada-Manier. Nach zwei Alben, viel Szenegerede und einer immensen Entwicklung erscheint jetzt sein Debüt auf R&S.

Musikalisch startete Lone recht klassisch. “Obwohl in meiner Familie niemand sonderlich kreativ ist, habe ich als Kind sehr viel gemalt. Als ich dann Musik hörte, die mir gefiel, ließ ich die Malerei sein und begann selbst Musik zu machen. Zuerst auf dem Schlagzeug, dann mit Spielzeug-Keyboards.“ Lone mixte eigene Tapes mit diesen Sounds bis er seinen ersten Computer, Bootlegs von 90er-Ravetapes und das Altern8-Album “Full On… Mask Hysteria“ in die Hände bekam. Zeitgleich bildet sich Lones Affinität zum HipHop immer weiter aus. Gemeinsam mit Kumpel Andy Hemsley, firm in Sachen Turntablism, schließt man sich zu den Kids in Tracksuits zusammen – ein naiver und rougher MashUp aus glasklarer Elektronika und vor allem staubtrockenen HipHop-Beats:
Ich war ein richtiger Geek! Bands fand ich nie sonderlich spannend und habe mich schon immer für Sample-beeinflusste Musik von Eigenbrötlern wie Madlib oder Dilla interessiert. Ich mag diese handgemachten Sachen, die nach Lo-Fi klingen. So habe ich auch schon immer produziert – ohne viel Equipment und Schnickschnack. Es geht einfach um den Vibe.“

Mit dem Ziel, so viel Musik wie möglich zu produzieren und dabei möglichst immer auch etwas Neues zu schaffen, steht Lone sicherlich nicht alleine da. Trotzdem ist der Discographie des Nordengländers eine fast schon unheimliche Diversität anzuhören. Sei es der skizzenhafte Erstling “Lemurian“ aus dem Jahr 2008 oder “Ecstasy & Friends“ ein Jahr später, eher geprägt von einem organisch-nostalgischen Vibe. Die Titelnamen strotzten vor Sehnsucht, die Melodien erzählen von Melancholie. “Ich versuche durch die Musik schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit wieder aufleben zu lassen.“

Lone ist mittlerweile aber mehr als nur der schusselig-sehnsüchtige Breakbeat-Bube, der verstolperte Drumloops mit allerlei Waberndem und Flirrendem anreichert. Spätestens auf “Emerald Fantasy Tracks“ gesellte sich eine 4/4-Ästhetik zu den radikal zurechtgetrimmten Copy&Paste-Konstrukten. Frei nach dem Motto: raus aus dem Schlafzimmer, rauf auf den Dancefloor. Und vor allem auch direkt in Richtung R&S. Wie kam’s? “James Holden wurde von den R&S-Leuten gefragt, ob er nicht einen Golden-Girls-Remix machen wollte. Er hatte aber keine Zeit und schickte ihnen meinen Track “Taking Off And Landing“, der ja “Kinetic“ von den Golden Girls sampelt. Sie waren sofort begeistert und ich schickte ihnen noch ein paar mehr Tracks.“

Entstanden ist darauf jetzt die “Echolocations“-EP, die das Tempo noch mal deutlich angezogen hat. Ein Fakt, der auch dem Umstand geschuldet ist, dass es Lone im letzten Jahr aus einem verträumten Vorort von Nottingham mitten in die Stadt zog. “Seitdem ich in Nottingham wohne, gehe ich definitiv mehr aus“, lacht Lone. “Außerdem bekomme ich hier ein direkteres Feedback für meine Sachen und es ergeben sich Kontakte. Dennoch ist die Szene nicht sonderlich groß und alles ist sehr familiär – das gefällt mir.“

Lone, Echolocations ist bei R&S erschienen.

http://www.myspace.com/lonemusic