Text: Gregor Wildermann aus De:Bug 17

Lost in Creatures Lost In Space , das Kino-Remake der 60s Fernsehserie, sagt als europäisches Produkt der amerikanischen Special Effects-Branche den Krieg an. Gregor Wildermann gregorw@snafu.de Luft anhalten. Einen fernsehenden Schritt zurück. Wir schreiben das Jahr 1965. Irvin Allen kettet mit seiner TV-Serie “Lost in SpaceÒ Abertausende von Amerikanern an ihre Bildschirme. Erzählt wird die Geschichte der Familie Robinson, die, ähnlich dem gleichnamigen Inselbewohner, durch einen Unfall im Weltall verloren geht und den bei Hänsel & Gretel entliehenen Weg nicht mehr zurück findet. 83 Folgen lang gilt es eine Menge Abenteuer zu bestehen, die Serie schlägt ein wie eine Bombe und leutet einen SpaceBoom ein, der kurze Zeit später durch StarTrek noch weiter gepushed wird. Nicht nur Schweine im Weltall Etwas zeitversetzt arbeitet Jim Henson an den Puppen für die Sesamstraße und die Muppet Show. Doch wer Henson lediglich als den Erfinder des Krümelmonsters und der zwei Opas mit Logenplatz sieht, ignoriert sein künstlerisches und zugleich technisches Vermächtnis: Über die Jahre waren aus einfachen Handpuppen extrem komplizierte, im Fachjargon Animatronics genannte, Wesen geworden, die alle möglichen Gesichtsausdrücke imitieren konnten und damit zu fast realen Personen bzw. Tieren heranwuchsen. Für seinen Kinofilm “Der dunkle KristallÒ, in dem erstmalig nur Puppen eingesetzt werden, gründete Jim Henson 1979 in London die Firma Creature Shop. Neben eigenen Projekten, wie etwa zahlreiche Muppet-Spielfilme, waren es besonders die Auftragsarbeiten, die den heute auch in New York und Los Angeles beheimateten Creature Shop in der Filmbranche zur ersten Adresse von Animatronics machte: die Kostüme der Ninja Turtles, alle Tiere aus der Verfilmungen der “Unendlichen Geschichte 1-3Ò und der “FlintstonesÒ, oder aber ein reichlich gealterter Wiliam Dafoe im “Englischen PatientenÒ. In so ziemlich jedem Tier aus “Ein Schweinchen namens BabeÒ steckte die Technik und das Feingefühl vom Creature Shop, und ohne die Künste der Schaumstoffabteilung wäre man kaum auf “101 DalmatinerÒ gekommen, die so artig den Befehlen von Glenn Close gehorchten. Die Neuverfilmung von Irvin Allens TV-Serie Lost in Space mit Gary Oldman, William Hurt, Mimi Rogers, Heather Graham und Friend-Star Matt LeBlanc wurde für die Truppe vom Creature Shop zu einer Art Feuerprobe ihrer noch recht jungen CGI-Abteilung, die mit einem eigens entwickelten Performance-Control-System neue Computer- und bewährte Animatronicstechnik kombinierte und für den Film außerdem die beiden mannshohen 225 Kilo-Roboter baute und mit Blawp ihr erstes komplett im Computer animiertes Wesen umsetzte. All Effects Made in Britain Gleichzeitig ist Lost In Space ein Meilenstein der europäischen Filmindustrie. Denn obwohl der Film mit amerikanischem Geld finanziert wurde und mit NewLineCinema auch einen große, unabhängige Vertriebsfirma hat, sind noch nie für eine 70-Millionen-Dollar-Produktion alle 767 Effectshots (Jurassic Park hatte 170, Godzilla hat 400 und Starship Troopers 550) komplett von englischen Firmen umgesetzt worden. Selbst der als europäische Antwort aufs Blockbusterkino gesehene Luc Besson-Film “Das Fünfte ElementÒ verließ sich in dem Bereich noch auf amerikanisches Know-How. In London sprach De:Bug mit Special Effects Supervisor Angus Bickerton und dem Co-Supervisor Steve Begg. De:Bug: Angus, sie arbeiten beim Creature Shop.. Welche Rolle hat ein Special-Effects-Supervisor bei solch einem Projekt wie Lost In Space? Gab es stylistische Vorgaben in Bezug auf die alte Fernsehserie? Angus Bickerton: Ehrlich gesagt, fand ich Lost In Space damals zu brav. Ich schaute damals viel lieber “ThunderbirdsÒ oder “Star TrekÒ. In der Kinofassung sollte daher alles realistischer und moderner sein, wobei wir einige Hauptmerkmale der alten Serie wie z. B. die Drehscheibe beim Roboter in Anlehnung übernommen haben. Als ich das Drehbuch bekam, bin ich zunächst in die Staaten gefahren und arbeitete etwa 4 Wochen an ersten Designs, einem Budgetentwurf und einer Übersicht aller Effektshots, die ich dann unter den mir bekannten Firmen nach ihren Fähigkeiten verteilt habe. Dabei war mir wichtig, daß Filmsequenzen immer komplett von einer Firma erstellt werden sollten. Zuerst hatte ich kalkuliert, etwa 40% der Effekte in den Staaten machen zu lassen. Das wäre aber zu teuer geworden. Wenn man sich jetzt einige der alten Folgen anschaut, merkt man, daß das Team von damals einige sehr gute Effekte gezaubert hatte. Sie hatten große Modelle, die zwar an Drähten hingen, aber trotzdem gut aussahen. Es mußte also auch mit weniger Geld möglich sein. De:Bug: Waren denn das Geld der einzige Grund für die Wahl diverser Londoner Firmen? Angus Bickerton: Zu den Zeiten der Dreharbeiten war der Wechselkurs zwischen Pfund und Dollar extrem ungünstig, und somit war es kostengünstiger, einen Großteil der Dreharbeiten in England zu realisieren. Der Regiesseur Stephen Hopkins ist aber gleichzeitig großer Fan der Ästhetik einiger britischer Werbespots. In den Staaten muß ja alles in 15 Sekunden verkauft werden, in England sind die Werbespots dagegen länger, und dies führt dazu, daß richtige Geschichten erzählt werden. Hopkins wollte im Gegensatz zur alten Serie den Kinofilm wie ein Drogenerlebnis sehen, das durch sein Tempo eine Art ‘Legal High’ erzeugt! Na ja, letztendlich waren 16 verschiedene Firmen involviert, und das hat auch überraschend gut geklappt. De:Bug: Bei so vielen verschiedenen Firmen müßen doch einheitliche Systeme und gleiche Arbeitsweisen gewährleistet sein. Steve, sie waren zum Beispiel Modell-Effects-Director bei Alien 2. Gibt es ein Computersystem, was alle benutzt haben? Steve Begg: Wir haben mit dem Domino-System gearbeitet, das genauer gesagt ein “Film-Resolution-Real-Time-Compositing-Animation-SystemÒ ist. Der jeweilige Supervisor einer Szene oder einer ganzen Filmsequenz kann dabei die verschiedenen Elemente einer Szene in Echtzeit zusammenfügen und dann in Höchstauflösung anschauen. Früher mußte man erst auf den belichteten Film warten und konnte erst dann die Szene beurteilen. Dank Domino konnten wir also deutlich schneller arbeiten. Bei Lost In Space waren immerhin zehn Stück im Einsatz. Rund 400 Effektshots haben wir damit verarbeitet. De:Bug: Gibt es Dinge, die im fertigen Film nicht so geglückt sind? Angus Bickerton: Natürlich! Ich würde sagen, viele Dinge sind gut gelungen, aber nur sehr wenige sehr gut! Probleme gab es besonders bei der Umsetzung des Blawp-Charakters. Da mußten wir am Ende vieles rausschneiden. Ursprünglich sollte es noch ein großen häßlichen Blawp geben. Das Wesen war vor allem für das Merchandising interessant und wirkt nun im Film etwas aufgesetzt. Der kleine Blawp, der jetzt im Film auftaucht, hatt nun natürlich keine wirkliche Berechtigung mehr, technisch gesehen aber eines der interessantesten Projekte im Film. Blawp, haben wir bei Creature Shop entworfen. Dabei wurden einige revolutionäre Techniken verwendet, die so noch nie ausprobiert worden sind. Das Performance-Animation-System hatten wir bislang immer nur für Modelle und Puppen benutzt. Es besteht aus zwei Handgriffen, von denen einer die Mundbewegungen steuert und der Operator sozusagen mit den Fingern spricht. Der andere Pistolengriff ist mit fünf Drähten verbunden, die man frei und völlig individuell programmieren kann. Ursprünglich sollte Blawp zu 60% als bewegliche Puppe (für Kopf und Schultereinstellungen) und zu 40& digital (in der Totalen) umgesetzt werden. Nach ersten Aufnahmen mit der Puppe wurde aber schnell klar, daß sie im Film nicht glaubwürdig rüberkam. Also mußten wir auf 100% CGI umstellen. Das hat uns sehr viel Arbeit eingebracht! Die Renderingzeiten lassen sich oft nur schlecht kalkulieren: Mal dauert ein Frame zehn Minuten und danach rechnet man als Supervisor sein Timeschedule aus. Gibt es aber Probleme oder muß in einer Szene noch mehr eingefügt werden, kann ein Frame schnell eine Stunde brauchen. Spätestens dann ist jeder Zeitplan unnütz. Dagegen sehr gut gelungen sind die Hologramm-Effekte im Film, die von der Firma Framestore gehandelt wurden. Besonders gut finde ich die Szene, wenn der junge Robinson im 3-D-Roboter gegen die Spinnen kämpft. William wurde live gefilmt und Framestore hat dann die CAD (Computer Aided Design)-Zeichnungen des Roboters mit den Augen- und Körperbewegungen von William synchronisiert, was man im Fachjargon “match-moved-itÒ nennt. Steve Begg: Bei Blawp hat man deutlich gemerkt, daß Creatureanimation noch immer sehr schwierig sind, und da haben die Amerikaner einen Vorsprung, wobei eben die Software nicht das Entscheidene ist. Anyone can buy a computer, but it is the artistic person who makes the image look good! Wer die technische Entwicklung in der Filmindustrie verfolgt, wird aber auch den Trend aus dem Bereich von Musik/Audio bemerken, wo Hard- und Software billiger geworden sind. Diese Entwicklung passiert in der Filmindustrie nun im Zeitabstand von 5-10 Jahren, und dann wird man Filme wie Lost In Space fast zu Hause machen können! ——————————————————————————————————- Kasten Netzseiten: Offizielle Seite zum Kinofilm > http://www.lostinspace.de Episodenführer der TV-Serie > http://www.ozemail.com.au/~idak/lis/index.htm Jim Henson’s Creature Shop > mbolingbroke@henson.com Magic Camera Company > info@magic-camera.com Domino/Quantel > http://www.quantel.com Cinesite > http://www.cinesite.com ———————————————————————————————————— Zitat: Lost In Space ist ein Meilenstein der europäischen Filmindustrie, denn noch nie wurden alle Effectshots einer 70-Millionen-Dollar-Produktion komplett von englischen Firmen umgesetzt. Anyone can buy a computer, but it is the artistic person who makes the image look good!

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Elektronische Lebensaspekte.