Cheap bringt den Wiener Hotellobby-Sinatra Louie Austen jetzt mit
Text: Anton Waldt aus De:Bug 41

Das Cheap-Pack und der Pop
Louie Austen

Drei Universal-Senior-Bosse chillen im Jacuzi, paffen Zigarren, balancieren gigantische Cognac-Schwenker und feiern den Sex grauer Schläfen. “Nach ‘Sexbomb’ habe ich bei meiner Sekräterin und der PR-Praktikantin und dem MTV-Frollein gepunktet.” Die Sonne versinkt im persischen Golf, was vom 32. Stock aus wirklich gut kommt, und die drei versinken kurz in wohligen Erinnererungen an den dritten oder vierten Frühling. “Jawoll! Reife Männer und Disco sind das Ding, und in der Schweiz – oder war es Tirol – na scheiß drauf, haben wir jetzt einen neuen Sinatra entdeckt, grooved auch noch wie Drecksau.” Das Stichwort für den indischen Lakaien, die neue Louie Austen in den Bang & Olufsen zu schieben, woraufhin die drei richtig ins Schwelgen kommen: Vegas und ihr erster Deal als A&R-Assistenten mit einem abgewrackten Alkoholiker, der FAST zum Ratpack gehört hätte. Und dann die gute Zeit im Studio 54, da hatten sie schon ihre eigenen Nischen und das Koks ging noch ohne Kreislaufkollaps rein und Betty Ford lag noch VOR ihnen. Danach kamen die beschissenen 80er, musikalisch sowieso und der erste Bypass stand auch an.

Die Außentemperatur als Risikofaktor
Eigentlich hätte Louie Austens “Hoping” ein echter Billboard-Sommerhit werden sollen, aber ohne funktionierenden Maxi-CD-Vertrieb geht das nicht und der Universal-Deal verzögerte sich, zum Glück ist die Nummer unzerstörbar und sollte ihre Schuldigkeit auch im Herbst tun. Neben Mario Neugebauer hat bei “Hoping” auch Cheap-Boss Patrick Pulsinger seine Finger an den Reglern gehabt. Das Ergebnis ist ungemein angenehmer Disco-House, der Austen doch noch zum Popstar machen sollte. Dazu wird selbstredend auch ein Video abgedreht, das – wenn alles nach Plan läuft – nach 35 statt nach 8 mm aussehen soll. Cheap geht allerdings nicht soweit, das auch noch dem Major-Partner zu überlassen – Kontrolle ist gerade bei Sellern wichtig – aber man freut sich darauf, statt 30.000 Schilling mal 30.000 DM ins Budget zu bekommen und ein paar Sachen ausprobieren zu können, auf die man schon länger scharf war. Pulsinger: “Da können wir wenigstens irgendwelche Mädels anmieten.” Schwer fallen sollte denen der Auftritt mit Herrn Austen nicht. Louie ist ein Entertainment-Profi, der jedes Wochendende mit seiner Band das langweilige Pack im Wiener Mariott in den Griff und zum Johlen und zum Heulen kriegt, und sein Gesicht ist mindestens so Vegas wie seine Stimme. Austen steht für eine Art des Entertainments, in der es weder böse noch der letzte Haken des Selbstbewusstseins ist, das Gesicht für den Erfolg hinzuhalten. Die Konstellation ist demnach für den komerziellen Erfolg geradezu prädestiniert: Die Cheap-Produzenten können im Halbdunkel ihres geliebten Hintergrundes bleiben, während Louie weiter seine Bühnenshow gibt, nur eben nicht vor japanischen Rentnern und Geschäftsreisenden im Mariott sondern demnächst im hippen Club deiner Wahl. Da gehört “Hoping” auch hin, denn entgegen den Ergebnissen einer De:Bug-Kurzumfrage unter bedienten Discotänzern, nach deren Ergebnissen es in dem Track um wahrhaft religiöse oder weltumspannende Hoffnung geht, handelt “Hoping” von den kleinen Sensationen auf der Tanzfläche. Auf nichts weiter als ein Lächeln und einen Augenaufschlag wird hier gehofft, von dem schönen, anmutigen Wesen im Nebel. Dass das trotzdem nicht peinlich wird, ist wiederum Louie Austens Stimme zu verdanken, die aus diesem Microereignis ein Erdbeben macht, und vielleicht auch ein bisschen dem flockigen, zurückgelehnten Discosound. Die nächste Nummer des Produzenten-Duos Neugebauer/Pulsinger [das sich “Streetromance” nennt] soll Austen dann noch weiter in den Popkosmos katapultieren. Dem Vernehmen nach wird dabei auf Latino-House-Sounds gesetzt, und entgegen sonstigen Überzeugungen freuen wir uns darauf. Pulsinger: “Richtig brutal kommerziell, Alter!”

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Elektronische Lebensaspekte.