Up, Bustle & Out haben ihr antikes Equipment und ihre antike Geisteshaltung von Ninja Tune zu Unique getragen. Weggesplifft in den naiv-linksten Träumereien seit Bob Marley-Postern in Teeniezimmern, vertonen sie mit illustren Gaststars ihre Revolution aus den musikalischen Quellen des All Time-Schurkenstaates Jamaika.
Text: René Josquin aus De:Bug 68

Dreadlocks des Grauens
Up, Bustle & Out

Nach fünf Alben und zehn Jahren Ninja Tune sorgen UB&O nicht nur durch ihren Wechsel zu Unique für Aufhorchen. Ihre musikalische Reise trug sie von Kuba nach Jamaika, wo sie neben den Spuren von King Tubby noch unbetretene Pfade fanden – und beschritten.

Der hyperaktive Kopf des Kollektivs DJ Rudy und der eher introvertierte Studioschrauber Clandestein Ein trugen also jede Menge antikes Equipment für authentischen Sound in ihr Studio und banden wieder ein paar Gäste in ihr Projekt ein. Die argentinische Latin-Percussionistin Eugenia Ledesma und der Flamenco-Gitarrist Cuffy El Guapo gaben schon den alten UB&O-Scheiben ein Flair, das sie bei Ninja zum erfolgreichsten Act in Spanien und Lateinamerika machte. Dazu DJ Dave Cridge, dessen Cuts nicht weniger exakt sind als seine klaren Aussagen. Für stimmliche Vielfalt sorgen zudem Ras Jabulani (Linton Quesi Johnson Style!), der roughe Jamaikaner DJ Mexican und der Portugiese Orlando Santos. Live begleitet UB&O MC Nicky Blaze, die sich hier im Gegensatz zu ihren Arbeiten mit Roni Size aller Freiheiten erfreut. Da gehen die Tablas von Nitin Sawhney, der Kontrabass von Portisheads Jim Barr und Andy Hagues Trompete fast unter.
Insgesamt eine Ansammlung von Charakteren, die unterschiedlicher kaum sein könnte und gerade erst deswegen zu funktionieren scheint. Fast alle Generationen und Menschentypen sind hier versammelt. Doch die Vielfalt wird durch das gemeinsame Gedankengut geeint. Revolution war und ist das Schlagwort, das schon bei ihrem hierzulande bekanntesten Track ”Revolutionary Woman Of The Windmill” auftauchte. „Ich möchte, dass unsere Musik für etwas Höheres gut ist“, sagt Rudy, der sich nicht umsonst selbst Don Quichote nennt. Und so reden alle im Endeffekt mehr gegen Konformität, Globalisierung, Liberalisierung und Windmühlen und für die Freiheit des Individuums, Kommunismus und Spiritualität als über ihre Musik. Die wollen sie viel lieber für sich selbst sprechen lassen.
Genrelos waren UB&O schon immer. Die für den Hörer sicher überraschenden Wechsel von jazzy zu kubanischem und jamaikanischem Flair waren in Wirklichkeit schon immer immanent. Auch auf ”Urban Evacuation” werden von Roots bis Protest und Hoffnung alle Facetten des jamaikanischen Streetsounds der 70er integriert. Damit war ein Wechsel weg vom Hipster-Label wohl auf Dauer nur zwangsläufig. Als dann auf die Demos, die sie verschickten, kein Feedback kam, entschieden sie sich für Unique, wo noch nicht das Business alles Ideelle zu überdecken scheint. Erst dann kamen Anfragen von eben denen, die zuvor keine Zeit gehabt hatten. Die dürfen sich dann gleich wieder ärgern, wenn das zweite, bereits abgeschlossene Album die Produktionsstätte 500cc Revolutionary verlässt.

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Elektronische Lebensaspekte.