Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 13

Business as usual Mercedes Bunz mrs.bunz@de-bug.de Definitiv sind Weltmeisterschaften besser als Loveparades. Massenhaft versammeln sich alle in kleine Grüppchen vor dem Fernseher, und das ist tausendmal angenehmer als wenn man sich als One World – One Future (???) im Fernseher versammelt. Außerdem dauern WMs länger und spannender sind sie auch. Und zumindest geht es noch um Fußball. An der Loveparade dagegen geht es schon lange nicht mehr um Techno. Oder Musik. Kann man alleine schon daran sehen, daß diejenigen, die das meiste Geld in das Event stecken, Zigarettenfirmen, Hoteliers oder Bundesverbände Junger Unternehmer sind, nicht Technolabel oder sonstige Aktivisten der Szene. Die bieten eher allen anderen eine Plattform zum Werben, inklusive der Jungen Union, die auch diesmal mit einem Wagen dabei sein wird. Andere Absurditäten: Die vielgeschmähten Berliner Verkehrsbetriebe biedern sich bei jungen Kunden mit fluoriszierenden Ticketarmbändern, Kondomen und dem Superslogan: “Nimm mich! . Benutz mich. Leg mich um” (???) an. Danach kann man sich mit dem duftigen Deo Impulse am Brandenburger Tor in einer Shower of Love reinigen. Ein paar Bier hinter die Binde, und man übersteht auch das. Trotz all dem schwitzenden Trubel, in denen man Menschen ungeniert auf Genitalien spritzen kann (jedes Jahr wieder widerwärtig) ein paar der Parties, die sich um das Paradieren vielleicht lohnen könnte: Nachdem Bukem gecancelt ist, fallen alle größeren Drum and Bass Partys, wie letztes Jahr die hardedged vs. Metalheadz Party aus. Was vielleicht zumindest noch heißen kann, daß Drum and Bass Musik ist. Die beiden Clubs, die in Berlin regelmäßig die Wochenenden mit Drum and Bass versüßen, betreiben dann auch eher business-as-usual, was der besseren Party überhaupt nicht im Wege steht: Am Freitag präsentiert die hard:edged Crew im WMF mit Innenhof in der Johannisstr. am Oranienburger Tor die Hanauer vom Label Precision kombiniert mit WMF-Resident und Tausendsascha-DEBUG-CaseInvaders-Wirbelwind DJ Bleed. Come in and find out! Am Samstag außerdem im Icon Mila-Ecke-Cantianstr. im Prenzlauer Berg die regelmäßige Recycle-Nacht mit den Residents: Apollo, Sebel, Bass-Dee, Prephax, N-Dee und so. Das richtige original-verstrahlte und trotzdem anspruchsvolle Raverfeeling erlebt man bestimmt im Tresor, Freitag etwa mit Blake Baxter und Neil Landstrumm, ab Samstag abend um 8 dann mit Außen-“Park”, Surgeon, Christian Vogel und Juan Atkins durchgehend bis Montag früh geöffnet. Von Sonnenbrillen umwimmelt kann man am Sonntag zwischen 11 und 22 Uhr wie jedes Jahr zu stundenlangem Sven Väth tanzen oder chillen. Die beste Labelparty allerdings findet man definitiv Samstag und Sonntag im WMF, da ist München zu Besuch. Samstag erwarten einen Disko B & Friends: Kirlian, I-f, Patrick Pulsinger, der quirligste aller Münchner: Upstart, the Labelmacher himself, Barbara Preisinger, sowie live: Robert Görl & Regis, Richard Barts (Kurbel), Festival, N-Dakar & Grinser, Hans Platzgummer sowie Pole. Sonntag findet man International DeeJay Gigolo Records mit: Hell, Rok, Jonzon, Naughty, Acid Maria. Live: David Carretta, Chris Korda (YEEEES!), Miss Kittin & The Hacker, Dynamic Bass System. Mal so zur Auswahl. An alle anderen guten Parties: Verzeihung für Nichtnennung. Es sind natürlich noch jede Menge mehr, mit etwa Richie Hawtin, DMX Crew, Electric Indigo, Anthony Rother usw. +++ Zu finden: http://www.lovedates.de. Zum Beispiel. Und mehr zu den newage-igen Intentionen der Parade: http://www.loveparade.de/lp98/nav/index-partners.html. Huh, jeh oh jeh. Fast wie bei Wahrer Liebe.

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Text: paul paulun aus De:Bug 01

Loveparade
the same procedure as every year…
von Paul Paulun

Acht Jahre Loveparade und kein Ende in Sicht. Alles wird immer größer und jedes Jahr ist es wieder anders. Nachdem das ganze einmal als privates Amusement begann, kurz darauf Tausende ihren Spaß hatten und sich innerhalb der Familie kollektiv in Pfützen wälzten, kamen schnell die ersten Ausverkaufsvorwürfe. Seit mittlerweile zwei Jahren befindet sich die als Demonstration angemeldete Veranstaltung in ihrer vierten Phase, die durch eine solche Größe geprägt ist, daß das, was sich dort abspielt, niemanden mehr so wirklich betrifft, sich vielmehr ein gewisser Gleichmut angesichts dieses Mammutspektakels breitmacht. Was nicht heißen soll, daß es an diesem Wochenende nicht lustig zugehen kann…
In erster Linie natürlich durch die Heerscharen verpeilter Raver, die sich an allen Ecken der Stadt auf dem Weg zur nächsten Party rumtreiben, auf Torbögen sitzen und Rasenflächen schlafen. Wenn die Polizei dann noch den Verkehr für sie umleitet, wie letztes Jahr vor dem Tresor, als sie dort auf der Straße zu tanzen wünschten, verleiht das dem Stadtbild schon eine anarchische Komponente, die Berlin zur Abwechslung ganz gut zu Gesicht steht.
Ein wenig merkwürdig mutet angesichts der Größe jedoch an, daß sich der Senat der Stadt nach wie vor aus der Organisation der Parade heraushält und das immer noch gänzlich PlanetCom. überläßt. Immerhin gab es dieses Jahr im Vorfeld keine Scheingefechte bezüglich des Müllaufkommens. Offensichtlich haben die Verantwortlichen nachgedacht und realisiert, daß Menschen nun einmal Müll produzieren, und daß, wo viele zusammenkommen, eben viel mehr davon anfällt. Und daß sich das auch relativ schnell wieder aufräumen läßt, hat man ja letztes Jahr gesehen.
Bleibt nur noch abzuwarten, was aus der Klage der 1-jährigen Philine Partsch v. Bismarck wird, die, vertreten durch Eltern und den BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz), versucht den Ravern den Spaß zu verderben. Sie hätte von der letztjährigen Love Parade durch die Lautstärke bedingte, bleibende Schäden zurückbehalten und möchte nun vor Gericht eine Routenverlegung erzwingen lassen. Interessante Frage eigentlich, ob es in der Stadt eine Gegend ohne 1-jährige gibt.
Aber noch viel interssanter ist natürlich die alljährlich wiederkehrende Frage, welche Parties dieses Jahr floppen. Aspiranten gibt es genug und verdient hätten es einige. Noch nie gab es eine solche Menge an durch Mittelmäßigkeit inspirierten Line-Ups, so daß hier an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingegangen wird und wir uns der Einfachheit halber darauf beschränken, die Metalheadz-Session zu empfehlen, die eigentlich nicht enttäuschen kann. Eine Übersicht der übrigen Parties entnehme man bitte den Heften, die spätestens nach der Parade überall am Boden herumliegen werden.
Wir freuen uns allerdings schon darauf im Fernsehen zu sehen, was die Akteure der als Sponsor auftretenden Sendung ‘Marienhof’ im Innern der Siegessäule mit Dr. Motte anstellen und werden dabei genüßlich an Zigaretten der Marke mit dem Wüstenschiff saugen, ohne deren Unterstützung die Durchführung der Love Parade vermutlich gescheitert wäre.

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