Text: Jörg Follert aus De:Bug 17

Lucky Kitchen Jörg Follert saucer@koeln.netsurf.de Ich bin in New York, um Daniel Raffel von Lucky Kitchen zu treffen. Lucky Kitchen…was für ein freundlicher Name, denke ich, als ich das erste mal davon höre. Ich kenne Daniel nur vom Internet. Wir haben CDs getauscht. Karaoke Kalk gegen Lucky Kitchen. Irgendwie ist mir die Musik sehr schnell vertraut gewesen. Vielleicht würde ich nicht interessiert gewesen sein, wenn ich sie nur im Laden gehört hätte, aber so war es eben nicht. Wir haben eine tolle Zeit im East Village. Wir gehen essen, sind lange wach und teilen tonnenweise Worte. Daniel scheint von allem permanent überrascht und auf eine Art überfordert zu sein. Aber ich mag diese Art von Unsicherheit. Also was ist Lucky Kitchen? Daniel Raffel und Aeron Bergman, die Labelgründer, sind nicht wirklich nur an Musik interessiert. Das wird einem schon klar, wenn man die Auflage der einzelnen Releases betrachtet. LK001 suetsu and underwood – find the hits and use them ist in einer limitierten Auflage von 40 in Pyjamastoff und Sandpapier verpackten, selbstgebrannten Doppel-CDs erschienen. Somit ist availability nicht wirklich eine Priorität für LK. Es geht mehr darum, etwas zu entdecken, sich kurz, aber intensiv damit zu beschäftigen und dann schnell weiterzuwandern. Business deprimiert, genauso wie Gleichförmigkeit oder Konzepte und timetables. Am liebsten wäre es LK, wenn sie all die selbstgebrannten CDs schnell und persönlich verteilen könnten. LK001 enthält einerseits eine Sammlung von, Daniel nennt sie field recordings, Aeron sagt pieces of geography dazu, Dataufnahmen an den verschiedensten Orten, andererseits deren “Weiterbearbeitung”. Also minutenlange Samples + Remixe. Leute, die betrunken am Lagerfeuer sitzen und Banjo spielen, Dinerrestaurants, Typen beim Videogamen, Klavierübungen, kids in der Schule. Es sind keine auffälligen Situationen, aber sie so aufgereiht abzuhören, erzeugt völlig neue Situationen. Es geht darum, geografische Audiorecordings in einem anderen Environment (z.B. deinem Zuhause!) erneut wiederzugeben und um die Situation, die dabei entsteht. Es geht um das Bild im Bild oder darum, was mit diesen Bildern anzustellen ist. Alles sehr entspannt und die remixten Versionen sehr lustig. Also ein weiteres Beispiel, warum sampeln in jeder Form immer noch super und wichtig ist. LK002 Jake Mandell – The Midwest EP – ist etwas komplett anderes. Sehr beatlastige, dynamische Breaks versetzt mit elektroartigen, manchmal 80er mässigen Synthiesounds. Allen Tracks gemein ist eine merkwürdige Grundstimmung, die irgendwie kalt aber nicht einfach nur “dark” ist. Gelayerte, teils psychotische, aber durch extrem dynamische Beatpräsenz sich selbst multiplizierende Atmosphären sind Jake Mandells Ding. Es ist eine neue, schöne Architektur in der D&B Nachbarschaft. LK003 Blip Bleep Soundtrack for imagenary Videogames ist wieder anders. Ein Soundtrack zu imaginären Videospielen. Eigentlich eine Kompilation, ist durch das Thema ein derart dichter Zusammenhang hergestellt, daß ich zuerst dachte, alles wäre von einer Person allein gemacht. Ohne Rücksicht auf irgenwelche Hipness oder sonstige Attitüden ist dieser verspielte Soundtrack immer nah am gestellten Thema. Ein großer Spaß für jeden, egal ob man Playstations liebt oder Computer haßt. weitere Infos zu Lucky Kitchen unter http://www.luckykitchen.com oder mail an lucky@luckykitchen.com

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Elektronische Lebensaspekte.