Wenn "Hello From Planet Earth", das Debütalbum von Luna City Express ein Plädoyer wäre, dann eins für die Offenheit von House.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 138

Wir haben alles durchlebt. Die Anfänge, die Divengesänge, die diversesten Stationen durch US-Metropolen als House-Zentren, Detroit, Chicago, New York, San Francisco, die Reduktion in minimaleren Gefilden, die Rückbindung auf Disco, der Purzelbaum in Richtung diverser Oldschool-Nuancen, House als Band, House als Festival-Act, House als Nation. Um all diese Nuancen wissen Luna City Express. Und anstatt eine Position einzunehmen, schwelgen sie lieber in der Bandbreite. Wenn ihr Cover comicartig einen galaktischen Ausflug andeutet, dann ist ihr Ziel nicht die Präsentation einer elektronischen Zukunft, sondern eher das Entern der Mondbasis Alpha 1 Solarium durch die Tanzcrew des Raumschiff Orions.


Luna City Express sind Norman Weber und Marco Resmann. Seit fast 5 Jahren veröffentlichen sie von Berlin aus zusammen House, der einfach zeitlos bleibt. Resmann kennt man nicht zuletzt auch unter seinem Pseudonym Phage, als Gründungsmitglied von Pan Pot oder – zusammen mit Marcus Meinhardt und Hawks Grunert – als Macher von Upon You. Aber wichtiger als ihre Nebenbeschäftigungen ist immer House als Posse. Der Luna City Expressbus ist voll. Auf dem Album helfen Matthias Tippner, Aaron Palmer, Yoon Lee, Paul Griesbach mit Instrumenten und Stimmen, aber die Gäste werden hier nicht geladen, wie auf so vielen Feature-Alben, sondern gehören dazu.

Die Studiotür scheint immer offen zu stehen. Wie auch bei ihren DJ-Sets ist das Album ein auf und ab, etwas dass viele Richtungen kennt. Den schlichten aber immer geerdeten Funk, die musikalischen Ausschweifungen, die flüsternden Untertöne, die elegische Deepness und die pure Lust zu tanzen. Flow ist nicht wenn es immer geradeaus geht, sondern genau diese Brechung der Genres, immer die Tür offen zu halten für Unerwartetes. Beliebigkeit? Nie. Denn den Flow bestimmt der Dancefloor.

Erdung. Musik. Spielen können. Das ist immer wichtig bei den Tracks von Luna City Express. House ist keine Musik, die ihr Leben aus den Kästchen in Logic schöpft. Das ist ein Dabeigewesen-Sein, bis zu den Anfängen von Blues, Jazz, in den Kellern, mit den E-Pianos und Orgeln, dem Open-Mike und den Bläsern. Immer wieder taucht dieser Zusammenhalt von Musikern und Studio auf “Hello From Planet Earth” auf.

Im Roundabout-Orgel-Karneval von “Parish Fair” mit Seitenblick auf Chicago, im deep-elegischen “Plata” und seinen sandig-sonnigen Saxophon-Passagen, auf den fluffigen Orgelsprengseln im souligen Sommerdubflair von “Diamonds & Pearls”, den verträumten Vocals von Yoon Lee auf “Dream in Berlin” oder dem puren Jackgroove mit der Stimme von “Aaron Palmer”, der fast unheimlichen Deepness von “Celebration Of Life” oder den uferlosen Saxophon-Grooves auf “MS Gera”.

Auf seine Weise ist “Hello From Planet Earth” das amerikanischste aller House-Alben die je aus Deutschland gekommen sind. Eine Ode an die Musikalität, das Zusammenspiel, die Party als den Ort, an dem sich nicht etwa ein paar Knöpfchendreher und Technikbesessene zum Drogenkippen treffen, sondern der Ort, an dem Musik aus allen Richtungen zusammen kommt um sich selbst zu feiern.

Luna City Express “Hello From Planet Earth” ist auf Moon Harbour Recordings erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.