Wie bekommt man einen leistungsstarken Computer? Natürlich mit absturzsicherem Betriebssystem, das ist klar. Dazu noch ein schniekes Gehäuse, auch gut. Das aber hilft alles nichts, wenn die Software-Anwendungen zu schlecht, zu selten oder zu spät für das Rechner Modell gemacht werden. Die Abhilfe: Ein Computer, auf dem sich Programmierer und Heimanwender zu Hause fühlen. Ganz einfach.
Text: marcus hauer yuko@schoenerwissen.com aus De:Bug 50

Die Strategie von Mac OS X
Freundlich sein zu Programmierern

Das Applet
Macintosh Benutzer wissen sofort, wenn ein Java-Applet zu starten beginnt. Dann geht meist eine Minute gar nichts mehr. Application Snipplets (Anwendungsschnipsel) sind zwar von der Firma Sun speziell für das Internet entwickelt worden, aber bisher war der Java–Interpreter, der zwischen System und Java Code vermittelt, nicht auf dem neuesten Stand. Sun war nicht in der Lage, eine “Virtual Machine” als Übersetzer für das Mac OS zu schreiben. So kann man sich wohl den Erfolg des Sun-Konkurrenten Macromedia erklären, der mit seinen Authoring-Tools “Director” und “Flash” den Markt der visuellen Browser Plug-Ins beherrscht. Da die meisten Designer jedoch mit dem Mac arbeiten, war es für sie auf Grund der Schwierigkeiten bislang nicht interessant, in Java zu programmieren. Lieber griff man auf Flash oder Director zurück und machte schnell aufgepustete Webseiten.

Der Retter
Apple ist jedoch an der Misere nicht ganz unschuldig. Während zwar die Designer auf ihrer Seite waren, brachten sie die Programmierer nicht auf den Geschmack, mit Mac OS zu arbeiten. Um sich wohlzufühlen, brauchen die nämlich ein textbasiertes Interface, wie sie es von Linux her kennen und dem die Open Source Community bislang blind vertraute. Mittlerweile benutzt das natürlich kein anständiger Heimanwender mehr, weil selbst Windows einfacher zu bedienen ist. Nun wissen wir aber, dass Apple bzw. Steve Jobs (als Chef dahinter) ein ziemlicher Stratege ist und mit dem Linux-Betriebssystem Mac OS X in den nächsten Jahren den Markt aufmischen wird. Denn bei Mac OS X lässt sich ein textbasiertes Terminalfenster öffnen, in dem jeder Hacker sein Heim einrichten kann. Denn Mac OS X basiert auf UNIX bzw. auf BSD (Berkeley Standard Definition). All die Freaks können jetzt ihre merkwürdigen PC-Desktops und Notebooks gegen sleake iBooks und iMacs eintauschen. Außerdem gibt’s das Herz von OS X, namens “Darwin”, als Open Source Projekt zum Mitmachen.
Viel wichtiger jedoch: Das hat zur Folge, dass plötzlich eine Menge an Applikationen den Mac-Markt überschwemmen, an die man nicht mehr geglaubt hätte. Maya, ein 3-D-Modelling Programm, das in Hollywood auf jedem ernst zu nehmenden Filmrechner läuft, gibt es beispielsweise bald für Mac OS X. Apple sind damit neue Käufer garantiert. Bill Gates wird sich also bald überlegen, was er mit seinen stillen Anteilen macht, die er an Apple hat. Das neue Betriebssystem “Windows XP” zeigt schon wieder beeindruckende Ähnlichkeiten zu Mac OS X. Gut studiert, die Beta Version, Herr Gates?

Und jetzt alle
Und die Programme werden mehr werden: Nicht nur Sun stellt Java kostenlos jedem zur Verfügung, auch Apple legt jedem Mac OS X Paket eine Developer Tool CD bei. Auf ihr ist eine komplette Entwicklungsumgebung enthalten, mit der man Objective-C und Java-Programme schreiben kann. All die netten OS X Features bekommt man gleich dazu. Das bedeutet zwar im Falle von Java, dass Applikationen, die die Entwicklungsumgebung von Mac OS X “Carbon Features” nutzen können, nicht auf anderen Betriebssystemen laufen. Aber mit geringem Aufwand kann man den Code portieren.

Diese kleinen Schwierigkeiten lassem sich jedoch mit links erfassen. Wenn man will. Viel wichtiger: Der eigentliche Clou dieser Umgebung ist, dass nun auch kleine Programmierteams den großen Firmen wieder Konkurrenz machen können. Also z.B. ein Office-Paket, das uns allen endlich den Microsoft Assistenten fern hält, der bei Word öfter mal rechts unten in der Ecke rumlungert. Bezeichnend für diese Entwicklung ist auch, dass Open Source Veteran O’Reilly sich nun wieder um den Mac kümmert. Gerade erschienen sind zwei empfehlenswerte Titel: Ein Buch beschäftigt sich mit “Carbon” (der Bibliothek aus Mac OS X Funktionen). Das andere ist für die Entwicklungsumgebung “Cocoa” konzipiert.

Wer also Macromedia Konkurrenz machen will, oder einfach nur kleine Applets schreiben möchte, dem kann man auch noch die legendäre “Java in a Nutshell”-Serie empfehlen. Also ran an die Keyboards und hacken, was die Tastatur hergibt.

Weiß jemand, warum das “X” auf neuen Apple Tastaturen so sensibel ist?

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Elektronische Lebensaspekte.