Regie führen, statt High-Scores jagen
Text: Ellen Jünger aus De:Bug 117

Aus Computerspielen generierte Filmchen, Machinimas, waren lange belächeltes Nerd-Zeugs. Aber ein Premium-Machinima wie “Illegal Danish” und eine Southpark-Machinima-Folge wie “Make Love, not Warcraft” geben dem Genre neuen Aufwind.

aaaaaaa.jpg

“The democratization of animation”, wie Philip Debevoise, Admin von Machinima.com, die Machinima-Revolution auch gerne bezeichnet, begann vor etwas mehr als zehn Jahren mit dem Ego-Shooter “Quake“. Seitdem hat sich einiges geändert. Zum einen ist die Aufnahmetechnik so unkompliziert wie nie. Mit Programmen wie “Fraps“ lassen sich Spiele, die mit DirectX oder OpenGL arbeiten, relativ mühelos abfilmen.

Eine leistungsfähige CPU und ausreichend Speicherplatz vorausgesetzt, kann eine Videosequenz doch schnell eine Größe von mehreren Gigabyte erreichen. Zum anderen werden Machinimas längst nicht mehr nur von einer kleinen Gruppe Nerds produziert und rezipiert. Vor allem bei Spielen, die per se über eine große Community und Fanbase verfügen, ist ein großer Zuspruch vorhanden. Dies trifft im Besonderen Maße für Blizzards Online-Dauerbrenner World of Warcraft zu.

illegal_danish_003.jpg

So erweisen sich die WoWler als äußerst produktiv – allein das Online-Portal WarcraftCinema.com verzeichnet über 1000 Videobeiträge. Darunter ist so ziemlich alles zu finden, was das MMORPG-Gamerherz begehrt. Neben Quest-Guides und der Zurschaustellung spektakulärer Kämpfe und Schlachten finden sich auch ambitionierte und aufwendig produzierte Kurzfilme und Musikvideos, die sich einer weitaus größeren Beliebtheit erfreuen.

Geschickterweise hat Blizzard die WoW-Engine mit zahlreichen Gimmicks wie per Konsolenbefehl abrufbaren Gesten, Emotionen (lachen, weinen, drohen, jubeln, etc.) sowie Tanzmoves ausgestattet. Letzter Aspekt erklärt denn auch die Affinität der WoWler, diverse Musikvideos nachzuspielen oder zu kreieren. So inspirierte vermutlich gerade die tänzerische Performance der männlichen Nachtelfen einige Machinima-Künstler zu einer Adaption des Michael Jackson Klassikers “Billy Jean“. Nicht ganz originalgetreu ist dabei allerdings der Songtext: Besungen wird – mit dem entsprechenden Augenzwinkern – eine WoW-Questreihe und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Das Ergebnis kann im Video “Billy Maclure“ bestaunt werden.

illegal_danish_001.jpg

Kultfilme und –videos gibt es mittlerweile innerhalb der Community viele, doch einer setzt sich klar von den anderen ab: der von Dementia/Myndflame produzierte Blockbuster “Illegal Danish: Super Snacks!“. Dabei überzeugt weniger die überzogene Story als vielmehr die pointierten und witzigen Dialoge – oftmals gespickt mit Insiderwitzen, was bei WoW-Laien zuweilen zu verständnislosem Kopfschütteln führt – sowie die professionelle handwerkliche Umsetzung. Insbesondere die Kamerafahrt durch Undercity, der Hauptstadt der Untoten, zu Beginn des Filmes ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus in bester Tim-Burton/Danny-Elfman-Manier.

Überhaupt gilt für dieses Machinima: Die Schnitttechnik ist atemberaubend, die Koordination der darstellenden Charaktere ausgezeichnet, wobei Sound, Musik und Synchronisation der Stimmen das Ganze abrunden. Nicht umsonst brachte “Illegal Danish“ den Autoren diverse Nominierungen und Preise ein, so z.B. beim ersten Xfire Blizzard Movie Contest 2006 in den Kategorien Best Comedy, Best Editing, Best Original Music, Best Dialogue und Best Action Scene. Mit Sehnsucht wird daher seit geraumer Zeit die angekündigte Fortsetzung “Illegal Danish: Escape from Orgrimmar“ erwartet.

south1.jpg

Nicht zuletzt aber haben WoW-Machinimas den ersten Schritt in eine Richtung eingeschlagen, von dem viele Machinima-Visionäre träumen: den Brückenschlag zwischen kommerziellem Film bzw. Fernsehen und Machinima und zwar in Form der Southpark-Episode “Make Love, Not Warcraft“. Hier engagierten sich allerdings ausschließlich Blizzard-Mitarbeiter und Southpark-Macher bei der Produktion der entsprechenden Machinima-Sequenzen – die Independent-Profis ließ man außen vor.

south2.jpg

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.