Style-Faschisten auf Party-Anschlag im Disneyland
Text: Jan Joswig aus De:Bug 119


Endlich gibt es das Berlin-Magazin für Leute, die nichts mehr fürchten, als im Vice Mag in der Don’t-Rubrik aufzutauchen. Der sperrige Futura-Dickschädel Paul Snowden (Wasted German Youth) und die aufgekratzte Betriebsnudel Liz McGrath (Electronic Beats Magazin) haben ein vierteljährliches Fanzine gestartet, das vor allem eins sagt: Berlin ist das Disneyland der Style-Faschisten auf Party-Anschlag. Snowden verpasst dem Heft eine kantige, ruppig ausgerissene Postpunk-Ästhetik, die aber sehr aufgeräumt wirkt, und Liz McGrath powert den Sound des Heftes gleich auf dem Cover raus: “So geil! Voll krass!! In Partystimmung! Hammer!“

Wie klingt das? Genau, wie die Jahrgangsabschlusshefte von der Schule, zu denen alle ihr irrestes und aufgekratztestes Foto beisteuern, so überlegen fühlen sie sich den spießigen Lehrern. Die Schule heißt hier Bar25, Youth Club, Broken Hearts Club, Berlin Hilton. Von den Macher-Porträts über die Afterhour-Fotostrecken bis zu den Partyreports verengt BangBangBerlin die Stadt auf die Welt von “Logan’s Run“: Halligalli bis dreißig, dann verpufft man. So dekadent, so retarded.
Völlig aus dem Heftzusammenhang fallen die Kurzporträts von grundbiederen Berliner Nachwuchsschauspielern. Da hat wohl jemand mit Verfügungsgewalt darauf gedrängt, dass man nicht ganz die Promi-Blättchen-Standards aus dem Blick verliert? Aber Paul Snowden ist clever genug, die Strecke gleich als steifen Fremdkörper zu layouten.

Die nächste Ausgabe schmeißt sich in die Kunstwelt Berlins. Ich freue mich schon auf die Fotostrecke zu Terence Kohs Schwanzlutscher-Performance im Perez Project. Und dann wird für die “bitchy“ Modestecke bestimmt auch ein Dom Perignon statt des schnöden Veuve Cliquots spendiert.
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