Text: benjamin weiss aus De:Bug 27

MAM-SQ16 MIDI – Stepsequenzer Nein, Softwaresequenzer sind nicht der Weisheit letzter Schluss, und ja, manchmal nervt es, alles über eine Maus einzugeben. Dafür gibt es dann solche Geräte wie den MAM SQ-16, mit dem sich die Noten blitzschnell über sechzehn Steptasten eingeben lassen, deren LEDs bei Betätigung freundlich rot aufleuchten. Übersicht Der MAM SQ-16 ist in ein kleines graues Metallgehäuse eingebaut, auf dem sich 45 Tipptaster und 62 der eben erwähnten Leuchtdioden befinden. Sechzehn Spuren mit verschiedenen MIDI-Kanälen können über die sechzehn Steptasten programmiert und in vier Pattern Groups ˆ sechzehn Patterns abgespeichert werden können, was zusammen 64 Patterns ergibt. Dabei besteht ein Pattern immer aus allen sechzehn Spuren. Hört sich schonmal recht gut an, allerdings sind dreizehn der sechzehn Spuren auf eine Tonhöhe festgelegt, da der SQ-16 vor allem für die Programmierung von Drums gedacht ist. Strukturelles Die dreizehn für die Drum-Programmierung vorgesehenen Spuren können nur mit On/Off Daten und Accent (= höherer Velocitywert) versehen werden. Für die drei verbleibenden Notenspuren gibt es neben der Einstellung der Notenlänge noch Hold (Note wird gehalten), Slide (wirkt wie Length 100, löst aber bei gewissen Maschinen der Firma MAM wie z. B. MB33 einen Slide aus) und die Möglichkeit, ein oder mehrere Steps zu transponieren. Ausserdem lassen sich in der Patternsektion die Werte Scale (1, 2, 4tel, 8tel, 16tel, 32tel) und die Länge des Patterns in Steps zwischen 1 und 16 definieren. Die Grundparameter des Patterns wie Länge (zwischen einem und sechzehn Steps ist alles möglich) und Scale (1, 2, 4, 8, 18, 32) werden über die Pattern-Sektion gesteuert, hier wird dem Pattern auch ein entsprechendes MIDI-Set und ein Step-Set zugewiesen, ebenso die Zuweisung von Step- und MIDI-Sets für das Pattern, die weiter unten erläutert werden. Zusätzlich zu den Patterns gibt es noch die Chains (aneinandergehängte Patterns in der Reihenfolge der Speicherplätze, die nicht mit Wiederholungen versehen werden können) und Songs. Für die Definition der Song-Parameter sind die Song-Steps da, in denen Informationen über das angewählte Pattern, die Anzahl der Wiederholungen, die Mute- und die Rotateeinstellungen abgelegt werden. Effekte Wäre ja alles ganz nett, aber auf Dauer doch etwas statisch, hätte der SQ-16 nicht noch ein paar mehr Features, um die Patterns lebendiger zu gestalten. Mit einer Variationsfunktion namens Rotate kann die Abspielposition des Patterns oder der Chain geändert werden, und zwar in den Werten Shift, Delay, Reset, Destination und Modus. Die Wirkungsweise der Parameter Shift, Delay und Reset hängt dabei auch von der Auswahl des Modus ab. Die vier Modi besitzen unterschiedliche Charakteristika: einer dient der Erzeugung eher zufälliger Variationen, einer sorgt für grössere Pausen zwischendurch und die anderen beiden sind entsprechende Variationen. Dieses Feature mutet beim ersten Ausprobieren etwas abstrakt an, nach kurzer Einarbeitungszeit lassen sich aber wirklich interessante Verschiebungen programmieren. Aber das ist noch nicht alles, denn es gibt noch den Arpeggiator. Arpeggios müssen über ein externes Keyboard oder einen Sequenzer eingespielt werden, wobei der SQ-16 aus gleichzeitig gespielten Noten ein Arpeggio erstellt. Entsprechend einer Voreinstellung können zwei verschiedene Aufwärts-Arpeggios, ein Abwärts-Arpeggio und eines, das nur an den Stellen Noten setzt, die vorher bereits belegt waren, erstellt werden. Zusätzlich gibt es noch drei Variationen dieser Modi, zum Beispiel ein alternierendes Arpeggio. Prima für hoffnungslos retromässige Eighties-Basslines und semimelodisches Synthesizergegniedel. Mutes Um einzelne Spuren von Patterns stummzuschalten, gibt es sechszehn Speicherplätze für Mute-Einstellungen, wovon die ersten vierzehn selbst programmiert werden können, eine weitere die gerade editierte Spur auf Solo schaltet und die letzte für Songs dient. Womit wir bei einem weiteren kleinen Wermutstropfen sind, denn im Song-Modus kann nur diese eine Einstellung benutzt werden, die zwar frei programmierbar ist, aber eben keine Mutewechsel innerhalb eines Songs erlaubt. Aber wer programmiert schon Songs? Patternwechsel sind über die Steptasten ja auch zu machen. Step-Sets und MIDI-Sets In den Step-Sets lässt sich das Reagieren der einzelnen Spuren auf Accent und das MIDI-Delay definieren. Drei verschiedene Delay-Modi stehen zur Verfügung: ein Vorwärts-Delay (das Delay wird pro Wiederholung leiser), ein Rückwärts-Delay (das Delay wird pro Wiederholung lauter) und ein alternierendes Delay. Zusätzlich können die Anzahl der Wiederholungen von eins bis sechzehn sowie der Abstand der Wiederholungen in Steps voneinander in einer Bandbreite von 1 bis 16 eingestellt werden. In den MIDI-Sets werden die MIDI-Kanalzuweisungen (Empfangskanäle für die Drumspuren, Empfangs- und Sendekanäle für die Instrumentenspuren) der einzelnen Spuren abgelegt, wobei für die dreizehn Drumspuren zusätzlich noch die Tonhöhe definiert wird. Die MIDI-Sets können wahlweise global für alle Patterns oder individuell zugeordnet werden. Midiseitig bietet der SQ-16 ansonsten noch einen MIDI-Dump des Blocks, der sich im Arbeitsspeicher befindet, ausserdem lässt sich das Gerät mit MIDI-Clock als Master oder Slave zu anderen Geräten synchronisieren. Schön ist der Sync-Out, der es erlaubt, ältere Drumcomputer wie zum Beispiel TR 808 oder CR 8000 mitlaufen zu lassen. Speicher Etwas eigenartig mutet das Speicherkonzept an, denn alle Einstellungen und Veränderungen müssen aktiv abgespeichert werden, ansonsten sind sie beim Ausschalten unwiderruflich verloren, da sie sich nur im Arbeitsspeicher befinden. Ausserdem muss der Sequenzer zum Speichern angehalten werden. Platz ist dafür für alle speicherbaren Parameter mehr als genug vorhanden: Patterns: 8 x 64 Songs: 8 x 8 Step-Sets: 8 x 16 MIDI – Sets: 8 x 16 Rotates: 8 x 16 Mutes: 8 x 15 Handling Der SQ-16 ist klein (so etwa wie eine 505) und handlich, übersichtlich strukturiert und alles in allem auch recht einfach und schnell zu bedienen, bestens geeignet zum ziellosen Rumjammen und Ausprobieren, aber auch zum Livespielen. Ergonomisch gibt es also eigentlich nichts auszusetzen, ausser vielleicht , dass die kleine Kiste in kein 19″ Rack passt. Aber wenn man sie wirklich benutzt, wäre sie da ja auch eher fehl am Platz. So? Eine nette Maschine, schön klein, funktionell und mit sehr gutem Preis/Leistungsverhältnis, die sich dem Benutzer schnell erschliesst. Auch diese ganzen Expander und Keyboards ohne internen Sequenzer mit entnervend kryptischer Oberfläche machen mit dem Teil auf einmal wieder Sinn und zeigen ungeahnte Qualitäten, ebenso lassen sich problemlos alte Drumcomputer einbinden. Für alle, die keine Lust haben, mit dem Computer zu arbeiten, aber auch der definitive Ausgleichssport für die, die sonst beim Musikmachen nur vor der Röhre sitzen. Und gut geeignet fürs Livespielen, denn beinahe alles ist editierbar, während der SQ-16 läuft. Ausgenommen davon ist ab und zu die Rotate-Einstellung, die manchmal erst aktiv wird, wenn der Sequenzer einen Start/Stop-Befehl erhält. Ein wenig unverständlich ist die Festlegung auf die dreizehn Drumspuren deren, Tonhöhe nicht veränderbar ist. Aber wenn man mehrere gleichzeitig auf den gleichen Kanal legt und die Melodie / Bassline in einzelne Noten aufteilt, kann man sie auch für Synthsequenzen benutzen. Nützlich wären ausserdem ein oder zwei frei definierbare Controller, sowohl für die Drumspuren als auch für die Notenspuren. Schade auch, dass es keinerlei Groove/Shuffle Funktion gibt. Dagegen sind Features wie Rotate und der Arpeggiator echte Pluspunkte und der Preis ist ein schlagendes Argument für den SQ-16. **** Preis: 765,- DM info: http://www.music-and-more.com Anschlüsse: MIDI In, MIDI Out, MIDI Thru, Sync Out

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Elektronische Lebensaspekte.