Stuttgarts Eyerer ist der Benz auf dem Dancefloor. Schwäbische Präzsion, Mut zum Massiven, und einer dekadenlange Laufbahn als DJ.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 122


Das erste Mal aufgefallen ist Martin Eyerer mit seinen Produktionen zusammen mit Chopstick. Dann aber kamen Schlag auf Schlag immer mehr Produktionen von ihm und seinen Labeln, Session Deluxe und Kling Klong, die für einen Sound stehen, der klang, als wäre das alles sehr lange vorbereitet. Und mit seinem Album befindet sich dieser Sound für mich auf seinem Höhepunkt.

Dabei hat Martin Eyerer eine sehr eigene Stellung. Von tiefstem Herzen DJ und in den Tracks immer vor allem auf den Dancefloor ausgerichtet, sind seine Produktionen doch so ausgereift, dass man ihn auch für einen absoluten Studiotüftler halten könnte: Musik, die den Unterschied zwischen Tools und purer Faszination am Klang kaum noch kennt.

De:Bug: Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Auflegen und Produzieren?

Eyerer: Für mich hängt das sehr eng zusammen. Was ich produziere, ist immer sehr stark vom Auflegen abhängig. Früher habe ich ja alles mit Oliver Lieb zusammen gemacht, arbeite aber seit sechs Jahren komplett alleine im Studio, was natürlich etwas ganz anderes ist. DJing ist aber nach wie vor mein Hauptding.

De:Bug: Du arbeitest aber schon lange an Tracks.

Eyerer: Ich bin leider nicht so schnell, was vor allem bei Remixen schon mal ein Problem sein kann. Wenn noch jemand anders im Studio ist, geht das schneller. Ich brauche mindestens eine Woche, für manche Albenstücke hab ich auch drei Wochen gebraucht. Ich kann eben schon mal Stunden an einem Snaresound rumschrauben. Ich gebe auch nichts mehr raus mit dem ich nicht 100%ig zufrieden bin.

De:Bug: Du bewegst dich schon wieder mehr Richtung Techno, oder?

Eyerer: Es ist interessant, dass du das sagst. Ich persönlich finde das gar nicht so. Es hat aber, von den Groove-Programmierungen her, viele housige Einflüsse, viele geshuffelte Sachen. Im Ausland fragen mich die Leute oft: “Was für Musik machst du eigentlich? Minimal?” Die meisten, die das fragen, haben auch noch nie Minimal gehört, glaube ich. Für mich ist es schwer zu sagen, was es ist. Es ist beeinflusst von Minimal, House, Techno.

De:Bug: Ein paar Tracks blicken schon weiter zurück. “Memento” z.B. und “Cave Canem”.

Eyerer: Da gebe ich dir Recht, die Acid-Geschichten sind schon sehr Techno.

De:Bug: Der 3/4 Bass erinnert mich immer an F.U.S.E.

Eyerer: Ja. Das sind Platten, die ich früher auch gespielt habe. Angefangen habe ich mit Techno. Da wurde aber auch noch nicht so zwischen Unterschubladen getrennt. Dann war ich im Trance drin, mehr UK-Trance, und als mir das alles zu gleich wurde, bin ich über Progressive-House zu dem zurückgekommen, wo ich herkam.

De:Bug: Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

Eyerer: Ich wollte ja ein Album machen, bei dem alle zehn Stücke auch eine Single hätten sein können. “Furthermore” ist aber doch irgendwie mein Lieblingsstück.

De:Bug: Du magst es, wenn die Energie von hinten kommt.

Eyerer: Total, da habe ich mich in den letzten Jahren auch hin verändert. Lange Sets zu spielen und die Leute erst nach einer Weile so richtig mitzureißen. Das hört man auf dem Album auch.

De:Bug: Ja, das will beim besten Willen nichts erzwingen.

Eyerer: Da hat mich z.B. Josh Wink beeinflusst. Es ist unglaublich, wenn er auflegt. Das ist immer alles sehr subtil.
http://www.martineyerer.com

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Elektronische Lebensaspekte.