Rotterdam 3024 geht ab
Text: Philipp Bullwein aus De:Bug 124


Erst zwei Veröffentlichungen und schon sorgt das junge Label 3024 von Martyn aus den Niederlanden mächtig für Furore. Im Dubstep gleichermaßen wie im Techno- und Housebereich findet man seine Stücke, die sich musikalisch irgendwo zwischen eben diesen Stilen bewegen, dieser Tage in den Playlists von Skream, Ricardo Villalobos, Marcel Dettmann und vielen anderen.

Vor zwei, drei Jahren sorgte Martijn Deykers, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, schon in der Welt von Drum and Bass für Aufsehen: Seine Veröffentlichungen auf Marcus Intalex’ Revolve:r, DJ Flights Play:Music und Bassbin erfrischten mit ihrer detroitigen, dubbigen, minimalen und dabei deepen Note, die so gar nicht nach irgendetwas klang, was man davor schon mal gehört hatte. Drum and Bass war überhaupt eine Konstante in Martyns Werdegang.

“Seit ich begann, Anfang der 90er in Clubs zu gehen, habe ich elektronische Musik gehört. Als ich dann 94/95 Drum and Bass entdeckte, spürte ich, dass das Musik war, zu der ich gehören wollte. Also begann ich aufzulegen. Ich liebte das, aber nach ein paar Jahren habe ich etwas vermisst. Und obwohl ich schon Equipment hatte, dauerte es bis etwa 2004, bis ich ernsthaft mit dem Produzieren begann. Und zwar alle Styles, die ich mochte. Die ersten Sachen, die dann aber veröffentlicht wurden, waren Drum-and-Bass-Tracks.” Seine deepe Dubstep-Nummer “Broken” mit dem housigen “Shadowcasting” auf der Rückseite (erschienen auf Revolve:r) ließen dann DJs aus den verschiedensten Genres aufhorchen.

Seither sind Geschwindigkeit und Beats seiner Veröffentlichungen da, wo Dubstep stattfindet, die Zutaten und Einflüsse eben die, die auch schon seinen Drum-and-Bass-Stücken ihren einzigartigen Stil gaben. “Die Leute können das nennen, wie sie wollen. Ich habe schon einige wirklich kreative Genrenamen gehört!”, erzählt Martyn. “Meine Tracks müssen ein bestimmtes Gefühl erzeugen und man soll sie sowohl anhören als auch auflegen können.”

Das Korsett eines Stils ist Martyn auch beim Auflegen zu eng. “Ich versuche immer, auch Sachen zu spielen, die die Leute entweder noch nie gehört haben oder nicht erwarten. Entscheidend dabei ist, dass es Musik ist, hinter der ich persönlich stehe. In einem Club geht es um den Vibe, nicht unbedingt um Genres. Wenn die Leute, die zuhören, sich gegenüber dem Vibe öffnen, hast du die Chance, die Styles zu wechseln, ohne sie zu verlieren.”

Rotterdam, wo Martyn und ein befreundeter Grafiker, Erosie, eine Zeit lang lebten, war eine wichtige Station für beide, um ihre kreative Arbeit voranzubringen. “Wir hatten mit der Idee eines eigenen Labels gespielt, auf dem wir Ideen verwirklichen konnten, die so nicht zu bestehenden Labels passten. Wir wollen die gleiche Vermischung von Genres wie die Musik in meinen DJ-Sets oder in Erosies Kunst, die Cartoons-, Street-Art-, Graffitieinflüsse und klassisches Grafikdesign vermengt.

Weil Rotterdam der Startpunkt für uns beide war, beschlossen wir, dass 3024, die Postleitzahl von Rotterdam, der Name des Labels wird.” Die ersten beiden Veröffentlichungen sind von Martyn selbst und es sollen auch Produktionen, Remixe oder Kollaborationen anderer Künstler folgen. Wer das sein wird, möchte Martyn aber noch nicht verraten. Was von ihm zu erwarten ist, dagegen schon: “Ich habe ein paar Remixe für Shut Up And Dance, Black Pocket (Steve Spacek, der Bruder von D-Bridge), Ican und Flying Lotus gemacht, die alle demnächst erscheinen werden. Die dritte 3024 gibt es dann nach dem Sommer und bis zum Ende des Jahres sollte mein Debütalbum fertig sein.” Und das soll auch auf 3024 veröffentlicht werden, lässt sich Martyn zum Schluss noch entlocken.
http://www.myspace.com/martyndnb

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Elektronische Lebensaspekte.

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