Interviews sind immer nur so gut wie die Antworten der Befragten.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 130


Max Dax
Dreißig Gespräche
edition suhrkamp

Interviews sind immer nur so gut wie die Antworten der Befragten. Große Namen helfen da noch lange nicht. Vielleicht der Auflage eines Magazins, aber nicht, wenn sich Tête-à-Tête an Tête-à-Tête reiht. So wie in diesem Fall, in dem Dax 30 seiner über die Zeit geführten Interviews in einem Suhrkamp-Band zusammenfasst. Da macht sich ziemlich schnell Langeweile breit, aus den unterschiedlichsten Gründen. Da wäre zunächst die Auswahl.

Die ist so breit und divers, dass es einfach zu viel verlangt ist, sich für alles, pardon, alle, zu interessieren. Aphex Twin ja, Kim Gordon auf jeden Fall, Nana Mouskouri unbedingt, Blixa Bargeld von mir aus, David Bowie na gut, Bernhard Sumner aber sowas von, Helge Schneider, Roger Waters oder Arto Lindsay aber schlicht und einfach überhaupt nicht. Das ist eine ganz subjektive Wahrnehmung, die bei anderen Rezensenten ganz anders ausfallen mag, zugegeben. Schwerwiegender aber: Die Konzentration dieser intimen Momente, der transkribierten Zweisamkeit auf über 300 Seiten ist dafür verantwortlich, dass nicht nur die Statements der Interviewten plötzlich austauschbar scheinen, auch die vielleicht pointierten Schlussakkorde, die geschickt komponierten Gesprächsabläufe bedeuten rein gar nichts mehr.

Am Ende heißt es wieder: Interviews sind immer nur so gut wie die Antworten der Befragten. Und die sind in “Dreißig Gespräche” oft weniger erhellend oder bedeutsam, als man sich gewünscht hätte. Es ist ein Sammelband für Feuilleton-Profis, die über Helge Schneider lachen und gleichzeitig mit Diedrich Diederichsen streiten, Pop nicht ohne Rock verstehen und keine Sorte Kunst aus ihrem Selbstverständnis ausklammern können und wollen. Diese Sorte Mensch war mir immer suspekt, ihr Lebensentwurf nie plausibel. So bleibt der schale Nachgeschmack des Namedroppings. Er wiegt schwerer als alles andere.

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Elektronische Lebensaspekte.