Irgendwie ist Max Turner Europa: halber Schotte, in Deutschland aufgewachsen, lebt in Barcelona und hat sein Debütalbum "The Purple Pro" in Stockholm aufgenommen und in Berlin gemastert. Fehlt eigentlich nur noch ein östliches Beitrittsland, um das Bild rund zu machen.
Text: Jan Kage aus De:Bug 108

HipHop

Max Turner // Irgendwie Rap

Auch sein Sound ist ein seltsamer Bastard: Klar ist er irgendwie Rapmusik, aber eben auch nur irgendwie, denn hier hört man wenig klassisches Sampling, eher einen Spaziergang durch die elektronischen (europäischen) Clubs der letzten Jahre: Hier ein paar grimey Bässe, dort ein bisschen twosteppige 32tel-Shuffle-HiHat und das Ganze immer schön langsam abgehangen durch die Dubmühle gedreht. Im Presseinfo wird das Ganze Krauthop genannt. Auch nicht schlecht, wird doch die ganze Elektronika durch live gespielte Gitarren oder Rasseln ergänzt. Auch Max Turners Raps sind eigentlich eher Poetry als HipHop. Und über all das ist der Rapper, Produzent, Labelmacher und Promoter MT selbst höchst reflektiert. So reimt er: “I’m alien to rap but rap ain’t alien to me / Still i alienate rap for aliens to see / The state of rap music is a no place to be for me.“ Max Turner bedient sich ungeniert verschiedenster Stilmittel und macht sein eigenes Ding daraus. Und das ist durchaus vielschichtig und filigran, nicht so direkt auf die Fresse wie viele der Stile, aus denen er sich bedient.

Das Wort Purple taucht bei dir im Albumtitel und immer wieder als Metapher in deinen Texten auf. Was hat es damit auf sich?

Purple heißt Lila, wie du wahrscheinlich weißt. Purple prose = lila-farbene Prosa bedeutet : farbige Wortspiele, aber kann auch Lügen bedeuten: “He was talking purple prose.” Mir wurde der Name von einem Berliner Undergroundkünstler gegeben, als ich 2001 in Berlin ankam und meine Babyschritte zum Reimen machte. Der Name entsprach mir aber damals nicht allzu sehr und darum wurde ich Max Turner the Pro genannt. Erst letztes Jahr kam ich auf den Gedanken, meine Platte so zu nennen, weil ich mit dem Album wieder an einem Punkt ankam, der mich an meine Babyschritte im Reimen erinnerte. Ursprünglich wurde die Farbe Lila aus einer Seeschnecke gewonnen und sie ist auch ein Zeichen für Spiritualität.

Ich hör so’n bisschen Grime in deinen Bässen. Was sind deine Einflüsse?

Jamaica ist schon ein großer Einfluss, und Grime hat auch viel mit Jamaica zu tun. Lee Perry ist ein großer Einfluss von mir. Ich hab’ gerade viel “Blackboard Jungle” gehört – aber auch mein Umfeld beeinflusst mich, zum Beispiel Schneider TM, der auch auf dem Album featuret.

Dein Label, auf dem du nun dein Debüt rausgebracht hast, heißt Metabooty. Was heißt das?

“Meta“ ist griechisch und bedeutet “über“ oder “dahinter“ und “booty“ heißt auf Deutsch “Beute“ oder aber auch “Hintern“. Das ist doch perfekt!

Wo lebst du und warum?

Ich lebe seit fünf Jahren mehr oder weniger aus mehreren Rucksäcken, mit längeren Zwischenstopps im Süden und im hohen Norden Europas. Aber mittlerweile wieder (wie zu Zeiten des Bandprojektes “Meteorites“) in Barcelona. Ich gedenke hier auch länger zu bleiben. Habe ein paar gute Leute hier, bin von der Architektur und vom Klima inspiriert und Wein gibt’s hier auch billig und gut. Neulich habe ich einen lila-farbenen Wein getrunken, der war nicht billig. Ich mag Deutschland, aber ich liebe die Welt.

Na, dann kann man Max Turner nur wünschen, dass Thomas Mann in Felix Krull Recht hatte, als er schrieb: “Liebe die Welt und die Welt wird dich lieben.“ Oder so ähnlich. Irgendwie.

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Elektronische Lebensaspekte.