Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 07

MC Flux Mercedes Bunz mrs_bunz@de-bug.de Sie haben es nicht ganz einfach, an ihnen scheiden sich die Geister. Sie reden zuviel, heißt es gerne, sie stellen sich zuviel in den Vordergrund. Außerdem kann jede Party ohne MC, nicht aber ohne DJ stattfinden und damit sitzen sie klarerweise bei Drum’n’Bass in der zweiten Reihe, ganz im Gegensatz zu HipHop. Flux kümmert das alles mittlerweile nur noch wenig. Er ist zulange im Business, um sich immernoch ins rechte Licht rücken zu müssen und die Leute von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, außerdem viel zu beschäftigt, vor allem seitdem er Cleveland Watkiss als Metalheadz MC offiziell abgelöst hat. Trotz dieser Verpflichtung hat er sich weiter vorgenommen, auch mit anderen zusammenzuarbeiten, schließlich gehört er zu den wenigen MCs, die mittlerweile auch ohne englischen DJ nach Europa gebucht werden. Außerhalb dem Bluenote ist beispielsweise einer seiner festen Plätze Resident bei Hard:Edged im Berliner WMF, aber auch wenn DJs Kemistry & Storm oder Live Acts wie Adam F mit MC auf Tour gehen, gehört er zu ihrer ersten Wahl. Flux verdankt seine Popularität unter DJs und Veranstaltern der besonderen Aufmerksamkeit, die er jeder Party schenkt. Es ist niemals der englische DJ oder ein bestimmter DJ, den er begleitet. Es ist nichteinmal eine bestimmte Musik. Es ist die Atmosphäre der Party, die für ihn im Vordergrund steht. Es war Flux, der an der Loveparade auf der Metalheadzparty die Leute aus ihrem Warten auf die Engländer herausgerissen hat, in dem er auf die Bühne ging, den gerade spielenden Kölner DJ X-plorer aufforderte, den Tune zu stoppen und in einer langen Ansprache den Leuten erklärte, daß hier ihr DJ spiele und er jetzt einigen Respekt sehen wollte. Do you know what you are listening to? Danach war alles wie verwandelt. Es sind Sachen wie diese, die die Wichtigkeit von MCs ausmachen. Sie sind das i-Tüpfelchen der Party, sie bündeln die Aufmerksamkeit von allen pointiert auf die Musik und weg von Namen. Flux sieht diese Möglichkeit Aufmerksamkeit und Vibe zu kreieren nicht zuletzt in seinem Style begründet. Er klinge wie ein “Englishman” meint er, man kann verstehen, was er sagt, bei raggalastigen MCs wie Navigator sei das schwieriger. Auf diese Weise könne er direkt mit den Leuten reden, das sei wichtig. Es gehört zu einem seiner Tricks, auf Partys immer wieder jemanden von den Gästen und Tanzenden direkt anzusprechen. Wichtig ist auch, natürlich, die Stimme, mit der er konstant kämpft, erzählt er, vom ersten “Kss, Kssss…” an dem man sofort erkennt, daß es Flux sein muss, der das Mikrophon austestet, bis zum letzten “Thank you”. Trainieren ist bei sovielen Gigs zwar überflüssig, aber die Lautstärke seiner Stimme, die Intonation und die Einbindung in den Track beobachte er ständig. Flux kommt eigentlich, witzigerweise, von Jump Up und galt bis zu seinem Metalheadz Signing in England auch immernoch als Jump Up MC. Leute wie Hype oder Frost hat er jahrelang begleitet und erst durch die immer zahlreicher werdenden Auslandsbookings von Drum’n’Bass DJs wie Kemistry & Storm, Grooverider oder Doc Scott kam er dazu, mehr mit darken Sets zu arbeiten. “Viele dieser DJs kannten mich nur von meiner Arbeit in Europa. Als ich letztes Jahr im Yaam in Berlin Kemistry & Storm begleitet habe und vom nachfolgenden DJ Micky Finn der MC ausfiel, habe ich auch wieder das gemacht. Und alle wunderten sich plötzlich: ‘Wie, das kannst du auch?’ Darke Sets sind schon ziemlich anders zu begleiten, als Jump Up Sets. Easier, but harder. Leichter, weil man nicht soviel chatten muss, aber schwieriger, weil man sich konstant darauf konzentrieren muss, wann man etwas sagt. Es gibt meistens einen bestimmten Moment, in dem man hineingehen muss, den man auf keinen Fall verpassen darf. Meine persönlichen Lieblingsproducer? Ich mag die Sachen von V-Recordings, sie rollen, aber sie sind dabei niemals simpel und auch Grooverider, Dillinja und Hidden Agenda. Zur Zeit macht jedoch wohl Optical den frischesten Kram.” Ob er selber nicht mal eine Platte in Zusammenarbeit mit einem Producer machen möchte, frage ich ihn, so wie Conrad mit Adam F zum Beispiel. Gerne, meint er, weist aber darauf hin, daß Projekte wie diese eigenartigerweise eine komische Rolle in DJ-Land spielen würden. “Die Sache mit Adam F und Conrad war z.B. symptomatisch. Man hätte die Seite mit MC Conrad ohne weiters im Club spielen können, aber unter DJs galt das als uncool. Alle spielten immer die andere Seite ohne Vocals.” Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt für MCs, der Übergang auf die Platte. Ihre Rolle scheint live, auf die Party festgeschrieben, auf Vinyl haben sie irgendwie nichts zu suchen, obwohl Producer mittlerweile relativ oft mit Vocals arbeiten. Vielleicht kommt ja in Zukunft mal eine Metalheadz Compilation begleitet von Flux heraus, wie es Bukem mit MC Conrad getan hat, im Grunde ist Flux gegenüber einer festen Zuordnung zu einer Gruppe eher skeptisch, vielleicht weil sein eigenes Projekt, Intacrew sich nach längerem Brachliegen aufgelöst hat. “Intacrew, das ist eigentlich eine sehr traurige Story von Jungs, die die Show Biz Welt erobern wollten. Die Crew bestand u.a. aus Grooverider, Fabio, Killa, Danny B, Pete Nice, Bailey, mir und noch einigen anderen. Es hat sich einfach irgendwann zerlaufen. Irgendwann hat sich eben doch jeder eher selber um seinen eigenen Kram gekümmert. Es ist ziemlich traurig, es war ganz gut, für jemanden dazustehen und jemanden repräsentieren zu können.” Seitdem hält sich Flux eher raus aus Gruppenzugehörigkeiten und allen Politics zwischen den Fronten, für einen MC wäre das sowieso eher mal das gefährlichste, was passieren könnte. “It blows you apart.” Vielleicht wäre ein bißchen mehr von dieser Einstellung besonders in London für alle besser. Und ein wenig Flux kann schließlich jedes Set gebrauchen. Stay Tuned.

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Elektronische Lebensaspekte.