Text: alle aus De:Bug 24

PARK & RIDE Hiphop sei dank weiss man heutzutage ja schon, daß es hippe Mode auch jenseits der Frauenzeitungen gibt. Aber existiert zwischen Vogue und Allegra in Deutschland deshalb schon eine Medienlücke? Ja, ja,ja, dachten sich ein paar Menschen in Hamburg und starteten Park & Ride. Park & Ride hiess ursprünglich mal Park, bis Literaturprofessor Dr. Michael Speier dahinterkam. Der hatte sich nämlich den Titel für ein Lyrikheft gesichert. Ein Konkurenzgedanken, den wir nicht verstehen können, denn – wie Oliver Tepel so treffend bemerkt hat: Park ist so locker wie Max Frisch und so hip wie Hegel. Schließlich behandelt das Heft Pop, Politik und Produkte, wovon Produkte mit luftige Fotos bestechen und auch die Intro-Seiten durchgerührt Leute aus Kunst, Kino, Musik und was es sonst noch auf der Welt gibt, vorstellen. Der stilsichere Zugriff findet mit Politik jedoch ein jähes Ende. Unter dem leckeren Motto “Das letzte Abendmahl” PKK Chef Öcalan darüber jammern zu lassen, dass sein Krieger bei der ersten Versuchung wieder zu Fleischessern mutieren, geht einfach am Takt gegenüber allen Beteiligten – den Kurden, dem Öcalan und der Türkei im allgemeinen – um Lichtjahre vorbei. Megavermixt sozusagen. Trotzdem hoffen wir das beste. Für Öcalan, die Kurden, die Türkei und nicht zuletzt für eine erste Revolution zugunsten einer neuen Politikredaktion in der Park. Ernsthaft. And Ride. Alle zwei Monate am Kiosk erhältlich für 6 DM MB IQ NewYorker Bremerhaven guten Tag Ð macht ihr jetzt einen auf international oder was? Musiq|Mode|Fun|Real Ð die Themen vom neuen Magazin des Berliner Friedrich Knapp-Verlags, unter der Schirmherrschaft von NewYorker, das da heißt IQ. Klingt doch ganz nett und sieht auch gut aus, ganz bunt, und im Wettstreit um das beste Format spielt IQ auf jeden Fall um den Titel mit. Schon vor dem Aufschlagen fragte ich mich allerdings, was ich wohl unter dem Stichwort Fun erwarten darf. Auch mir ist ja nicht verborgen geblieben, daß Fun das Nummer eins Thema der Jugendkultur zu sein hat, die Werbung lehrt uns das jeden Tag, aber was ist das bunt auf weiß? Und was um Himmels willen meinen die mit Real? Nicht nur mit diesen Schlagworten, auch mit der Themenauswahl liegt IQ voll im Trend Ð und das ist gewollt und es ist aus der Retorte. Wie kreiere ich ein ganz flippiges Magazin Ð genau, einfach alles schief abdrucken, das sieht total locker aus. Den Sprachstil wähle ich natürlich aus dem Bereich “Jugendsprache”, die aber leider nur in den Köpfen vierzigjähriger Kreativdesigner existiert und dann suche ich mir noch eine Reihe von Themen, die für jeden was hat, ein bißchen Aphex Twin für die, die es verstanden haben, etwas Moses P. für die, die es nicht verstanden haben und Fanta 4 für die dazwischen. Ich habe mich beim lesen richtig geärgert. Erhältlich bei den gängigen New Yorker Filialen oder für 2.50 am Kiosk JC STARSHIP Die spannendste Kunstzeitschrift im Moment ist: STARSHIP. Starship ist eine groschenheftgrosses, unregelmässig erscheindendes Heft, das abseits von institutionalisierten bunten, grossverlagigen Kunstmagazinen und schwarzweiss gestifteter Kunstkritik, nicht darauf reinfällt, was hip ist, oder kluge Distanz zu den Dingen einnimmt, sondern lieber vorstellt. Guten Tag, hier ist das Kunstwerk von Michaela Eichwald. Starship reibt seinen Lesern nicht besserwissend unter die Nase, was man kennen und denken sollte, sondern macht sich Gedanken, die man teilen, weiterführen oder verwerfen kann: Gunnar Reski läuft durch den Themenpark der Kunstgeschichte und denkt über den Pictorial Turn nach; Judith Hopf besucht das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe; Diedrich Diedrichsen beobachtet Photographie und Gedenken zwischen Hans-Peter Feldmann und Martin Kippenberger. Zum Beispiel. Obwohl Kunst als Thema im Heft überwiegt (was sich logischerweise aus dem Umfeld der Macher ergibt), vermeiden sie trotzdem, Kunst als Mittelpunkt von Kultur zu denken, von dem der Rest der anderen Welt erschlossen werden kann und räumen anderen Feldern – wie Musik, Kameraführungen oder Spekulantentheorien – ebenso einen eigenständigen Platz ein, von dem aus andere Sichtweisen und Geschehnisse erklärt werden können. Was für eine Kunstzeitung schon neu ist: Gegenseitige Annäherung. We like it. MB Starship kostet 5 DM und ist in Kunstbuchhandlungen erhältlich. Oder zu bestellen bei: Starship Griebenowstraße 23 10435 Berlin. Fax: 030 449 1683 Mail: hallo@starship.org. http://www.starship.org — How to spend it – Wochenendsupplement der Financial Times U.K Wow! Was für ein Claim!!!! Das kann man sich nur so auf der Zunge zergehen lassen: How to spend it, das Magazin des englischen Börsenblattes Financial Times. Standartwitz in Yuppiekreisen hierzu: How to spend it? As if I didn’t know! So was können sich definitiv nur Engländer ausdenken, die den Alltag der Londoner City aus dem ff kennen. Wochentags bevölkern sie um 9 Uhr die Waggons der Londoner Central Line, um dann wie die Aufziehmännchen an der Liverpool Street auszusteigen und in ihre Büros zu eilen. 13 Uhr. Lunchbreak, man sieht die supermarktgroße Sandwichbude vor lauter rosa Zeitungen nicht. Um 5 ist der Spuk dann auch wieder vorbei. Ist schon eine fiese Routine, der White Colar Blues. Wurde in den 80er Jahren in der City noch solide gesoffen und gekokst, informiert man sich heute eher über die neuesten Streiche des Design-Gastronomiepapstes Sir Terrence Conran, lauschige Hotels, in denen man das Spesenkontingent korrekt verprassen kann oder Krawattenknotenvariationen mit denen man die Kollegen vor Neid erblassen läßt. How to spend it berichtet kompetent und stilsicher, vor allem aber humorvoll. Funky Sozialdarwinismus als Printmedium: Der Klassenfeind holt auf! FD How to spend it! In der Wochenendbeilage der Financal Times an Kiosken mit ausländischer Presse erhältlich. Die Beute Neue Folge Linke Zeitungen sind ja gerne mal ebenso schnarchig wie die Zeit, weil man schon genau weiss, was einen erwartet und das ist vor allem die feste Überzeugung der Autoren, auf der richtigen Seite der Welt zu stehen. Gähn, Glückwunsch. Das ist mit der dritten Ausgabe der neuen Beute jedoch anders. Die Beute, das ist eine Halbjahreszeitschrift für Politik und Verbrechen, die sich thematisch in ihrer neuen Ausgabe “Politikbegriffen in der Popkultur” widmet und das tut sie überraschend vielstimmig. Es sind mehr als wohlwissend verurteilende Kritiken, die da zu Wort kommen. Es sind neue Linien, andere Stimmen, und mag man von Ulf Poschardt halten, was man will, so zeugt doch die Aufnahme seines Textes über Deutschlandtum bei Kraftwerk, Laibach und Rammstein von offenen Köpfen in der Redaktion. In der Tat geht es denn auch in der gesamten Beute wohl weniger darum, eine einzige Position zu finden, die man als “links” in Beschlag nehmen könnte, an der man linkes Verhalten in der Popmusik festmachen könnte. Die beruhigende Insel einer abgesteckten linken Identität wird verlassen, zugunsten der schlagkräftigeren Tatsache, viele und verschiedene Ansätze, die in eine gemeinsame Richtung zielen, aufnehmen zu können. Und das wurde ja auch mal Zeit. So findet man neben klassischen linken Texten (die immernoch Kapitalismus als Politik verwechseln) bspw. Christiane Rösingers witzige Annäherung an die eigene Lebensgeschichte zwischen dem Acker in BadenBaden und den 80ern in Berlin, neben Renee Martens Analyse des Popstandorts Deutschland, oder Tania Martinis Protokoll eines einfallsreichen Überlebenskampfs der kleinen Clubs in Frankfurt. Und viele Bildarbeiten. Kluge Ausgabe, die sich zu haben lohnt. MB Die Beute Neue Folge 3 ist im Buchhandel erhältlich für 28,- DM. ”brett – das Magazin für Wellenreiter, Schnee- und Rollbrettfahrer” Früher, da gab es für den urbanen Freestyler nur ein Sprachrohr, und das war Trasher, ein kalifornisches Fanzine, dessen Rezeption den wahren Skater von der Spreu trennte. Dann wollte Marc Fiebelkorn sein Kommunikationsdesign-Studium in Kiel abschließen. Und weil Marc ein smarter junger Surfer ist, verband er das Angenehme mit dem Nützlichen. “Visualisierung eines Sportmagazins über Wellenreiten, Schnee- und Rollbrettfahren”, so lautete der Titel seiner Diplomarbeit. Heraus kam die Printperle “Brett”. Der Junge hat das Richtige studiert, das Layout ist klasse: Eins mit Sternchen. Schicke Bilder, teils unscharf und verschwommen (trash-Bonusfaktor), gekonnte Photomontagen und darüber hübsche farbige Bordüren, da lacht das Auge. Inhalte bietet die Leidenschaft: der Sport. Und wie das so ist, wenn aus Jungen Männer werden, die ihre Ängste konfrontieren, sich über die eigenen Grenzen hinwegsetzen und daran wachsen, dann wollen sie sich mitteilen. In Brett gibt man ihnen diesen Raum. Und stellt fest, daß es wenig Surferinnen gibt. Neben spannenden, unterhaltsamen Reisetagebüchern findet sich z.B. die – radikal subjektive Geschichte des Horrorfilms oder Seiten zur Berufskunde Teil 2: Rettungsschwimmer. Ein großer Spaß, sogar mit Nachrichtenwert. 94 Seiten auf richtig gutem Papier, da blättert man auch gerne über gruselige Lyrik hinweg. Die Hefte locken mit so ironischen und verheissungsvollen Titeln, wie “Mädchen und Motoren”, “Angst”, oder die aktuelle Ausgabe “Natur und Technik”. Über allem schwebt der Wunsch nach der Welle des Lebens, Freiheit und Meer. Aloha Freunde, tide’s up! Ja, Surfer müsste man sein. Brett erscheint viermal im Jahr. Das Magazin kostet DM 7.- und ist im Bahnhofsbuchhandel und in ausgewählten Shops erhältlich.

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Elektronische Lebensaspekte.