Am hinteren Fenster im De:Bug Büro, da steht das iBook von Sascha Kösch. Seit neuestem lugt aus dem USB-Port ein kleiner Dongle mit blauer LED und auch das Handy gleich nebenan blinkt jetzt nicht nur im bekannten Grün, sondern auch in Blau. Wir präsentieren: Bluetooth. Jaguar, Wireless, SMS und Serial Ports. Ein Erfahrungsbericht.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 64

Wireless war ja so etwas wie eine Religion. Und ist es noch, wenn auch beim Platzen der Blase des IT Hypes der Energielevel der Begeisterung für neue Technologien verdächtig nah ins blutrote sank. Wireless war so etwas wie das Versprechen, die elektronische Erde mit all ihren stinkenden Kabelsalaten vorzeitig zu verlassen und digitale Kommunikation zu einer Frage von Gasen und Leichtigkeit zu machen, zu einem Sternenhimmel der glücklichen Performatives. Vor einigen Jahren gab es an diesem großen weiten Himmel der drahtlosen Kommunikation ein neues Sternchen. Bluetooth. Heilsversprecher all unserer kleinen Notwendigkeiten des Gebrabbels zwischen Handtaschen-Geräten und digitalen Schoßhündchen flüsterte Bluetooth einem folgendes ins Ohr: Ich bin klein, ich kann alles, ich mache das, ohne dass du es merkst, ich kitte die Lücke zwischen dem Netz aus Kabeln und den drahtlosen Netzwerken zwischen Handys und Wi-Fi, ich koste nix, ich passe überall rein, ich brauche keinen Strom, kaufe mich!

Ja, ich will

Kaufen ging ewig gar nicht, obwohl wirklich jede große Firma freudig verkündete, dabei zu sein und so war eigentlich die einzige Applikation, die einen Bluetooth Chip bekam, das Handy Headset. Die Resistenz des gemeinen Flaneurs gegen Headsets allerdings blieb aufgrund der ideellen Nähe zu Borg meets Callcenter-Girl Phantasmen. Das führte dazu, dass Bluetooth Headsets immer noch so aussehen, als dürfte das eigentlich nur ‘7 of 9’ von der Voyager mit Würde tragen, vermutlich auch auf Grund des Gleichgewichtsorgans in den Ohren, verständlicher Weise groß. Und so war Bluetooth ein seltener Vogel im drahtlosen digitalen Netz der Straßenszenerien und wir vergaßen das Heilsversprechen nahezu komplett. Bis…

…Guru Bauernfänger Nr.1 Steve Jobs auf seiner letzten Apple-Keynote die Bluetooth-Funktionen der neuen SonyEricsson Handys mit dem neuen Betriebssystem “Jaguar” vorstellte. In unserer darbenden Hirnregion für Bluetooth Phantasien reichte da schon ein kleines Popup Fenster auf dem Mac, das uns sagt, wer grade klingelt, einem ermöglicht 10Fingerblind eine Antwort-SMS zu schreiben oder einfach mit Mausklick aufzulegen. Ganze Träume von drahtlosen Universen lebten wieder auf. Gesehn, gekauft: Ich also wurde stolzer Besitzer einer masterplanmäßig organisierten Bluetooth-Infrastruktur, ein neues Handy war eh fällig. Acer Bluetooth Adapter, Mac OS X 10.2, ein gesponsortes T68 SonyEricsson Handy und flupps: Das Telephon sagt du. – Nö. Tat es nicht.

Warum geht das nicht? Kratz, kratz…

Trotz lustiger Errungenschaften wie Rendezvous (das Bluetooth wohl nicht versteht) war erst mal eine Konfigurationsorgie von Serial Ports notwendig. Mein blaulaserner kleiner Stecker im USB Port versteht jetzt also Dinge wie: Dial-up Networking, OBEX Object Push, IrMC Synchronization, Voice Gateway, Fax usw. auf je einzelnen Ports und ist mir damit offensichtlich weit voraus. Und was habe ich von der Zukunft? Ich kann meine SMS auf dem Rechner schreiben (FreeSMS liegt ja auf dem Dotcom Friedhof), brauche die Tasten meines Handys nicht mehr zu benutzen, wenn ich wen anrufen will, kann das Display des Telefons aus den Augen verlieren und trotzdem wissen, wer anruft, ja sogar das Piepen (mühsam komponiert) darf ich ausstellen, ohne einen Anruf zu verpassen. Ich kann auf die One-Click-Synchronisation meines Telefons mit dem Jaguar-Adressbuch hoffen und außerdem den grinsenden kleinen Startup-Mac, der bei Jaguar kassiert wurde, auf mein Handy als Hintergrund laden. Na toll. Vor allem aber umgibt mich eine flotte LED-Disco-Orgel dort, wo ich gehe und stehe, sowie die Gewissheit, dass da irgendwie noch mehr geht. Der eigentlich Grund aber, an Bluetooth zu glauben, ist ein ziemlich privater: Auf einer Vorlesung über Wireless hatte ein Techniker, der lange in Amerika war, sich mal drauf eingeschossen Bluetooth als Blutoot auszusprechen, weshalb ich das heute noch nur in Ausnahmefällen richtig schreiben kann und außerdem ständig diesen Namen in meinem Kopf herumtooten kann, wenn, wie so oft, grade mal intellektuelle Funkstille herrscht, die LEDs aber mächtig Bewegung vortäuschen.

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Elektronische Lebensaspekte.