TC-Works, bekannt für ihre hochwertigen Mastering Plug-Ins, legen mit dem Mercury-1 einen klassischen monophonen Analogsynthesizer im VST 2.0 Format vor, ein Produkt also, mit dem man mittlerweile ja schon fast ganze Regale füllen kann. Benjamin Weiss sagt uns, ob die Anschaffung lohnt.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 43

TC Works Mercury-1
Monophoner VST-Synthesizer

Oberfläche
Die Oberfläche kommt als naturidentische Simulation eines OldSkool-Synths à la MS-20 oder Roland SH-09 mit nachgebildeten Dreh- und Schiebereglern, inklusive unnötigen Schnicks wie Tastatur und Schattenwurf. Zumindest farblich präsentiert er sich unauffällig in schwarz. Wie schon gesagt ist der Mercury eigentlich eine monophoner Synthesizer (= nur einstimmig nutzbar), allerdings besteht ein aufgerufenes Plug-In aus vier Exemplaren, die voneinander unabhängig editiert werden können (zusätzliche Parameter pro Exemplar: Transpose, Key Range, Velocity Range, Panning und Output) und über verschiedene MIDI-Kanäle ansprechbar sind.

Klangerzeugung
Die Klangerzeugung folgt dem klassischen System: pro Einheit besteht sie aus zwei Oszillatoren mit den üblichen Wellenformen, die gegeneinander verstimmt, synchronisiert und ringmoduliert werden können. Oszillator 1 kann dabei noch Rauschen erzeugen, während Oszillator 2 eine einstellbare Pulsweite besitzt, die über den LFO und die zwei Hüllkurven moduliert werden kann. Dazu gibt es noch einen Suboszillator sowie einen Oszillatormixer, mit dem die Signalanteile der drei Oszillatoren gemischt werden können. Der Filter ist resonanzfähig und bietet eine Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave. Er kann über den LFO oder eine der beiden Hüllkurven gesteuert werden und per Key Follow auf die Tonhöhe reagieren. Der LFO hat neben den Wellenformen Sinus, Sägezahn und Rechteck eine Sample / Hold Funktion, die Zufallsmodulationen erzeugt. Darüber hinaus kann er über MIDI – Clock oder Note-On Befehle synchronisiert werden, Rate und Delay sind auch noch einstellbar. Die zwei ADSR Hüllkurven können Tonhöhe, Lautstärke und Filterfrequenz steuern, eine davon ist auch per LFO triggerbar. Kurz: es ist alles da, was man von einem klassischen monophonen Synth so erwartet, nur komplett in allen Parametern per MIDI-Controller steuerbar.

Bedienung, Performance und Sound
Der Sound ist sehr gediegen und druckvoll und bietet alle Features, die man so mit analogen Synths verbindet: nichts neues, in der Ausführung aber doch sehr gelungen, was durch die 127 Presets eindrucksvoll illustriert wird. Die Bedienung hebt sich aber wohltuend von der Konkurrenz ab: das Display ist angenehm groß, alle Elemente sind übersichtlich angeordnet, die Werte einzelner Parameter auch per Tastatur einzugeben und ein grosser Pluspunkt ist der Program Browser: hier lassen sich alle Sounds bequem auswählen, kopieren, abspeichern und umbenennen, ohne dass man sich durch zahlreiche Directories wühlen muss. Das erleichtert die Übersicht enorm und sollte Vorbild für die Konkurrenz sein. Die Performance trägt dem guten Sound ein wenig zu sehr Rechnung und fordert mehr CPU-Power als bei vergleichbaren Synths, was bei langsameren Rechnern schon ein bischen arg einschränkt. Ansonsten ein grundsolides Teil.

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Elektronische Lebensaspekte.