Ein Gang über die Frankfurter Musikmesse mit unserem Scout für alle Fragen. Der ganze Wahnsinn an Fakten zu Software, Hardware, Synthesizern und Samplern. Update im Sequenzer-Bereich bei Emagic und Steinberg, neues bei den Programmierern von Rebirth und ReCycle. Und jede Menge anderes lohnende Spielzeug. Doch nicht vergessen: Der Atari bleibt Public Enemy No. 1. Dope!
Text: Benjamin Weiss [nerk@de-bug.de] aus De:Bug 36

/musiktechnologie Auf der Frankfurter Musikmesse Was sich so tut: Musiktechnologie Alle paar Jahre zwinge ich mich dazu, die Frankfurter Musikmesse zu besuchen. Doch spätestens auf dem Weg vom Eingang zur Halle 9, der normalerweise die ersten zwanzig Minuten verschlingt, beginne ich, die Idee von ganzem Herzen zu bereuen. Damit die Qual aber nicht ganz umsonst war, hier ein kleiner Abriss von dem, was es dort zu sehen, betasten und hören gab. Ach so: Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, habe bestimmt einiges vergessen, aber Soundkarten habe ich mit Absicht ausgespart, denn dazu gibts demnächst ein kleines Special. Man verzeihe mir weiterhin meine Mac-Fixiertheit, die ich mit mehr oder weniger Erfolg im Zaum zu halten versuche. Software Zunächst mal sind die “beiden Grossen” unter den Sequenzern in die nächste Update-Runde gegangen: Emagic und Steinberg haben kurz nach der Vorstellung der mehr oder weniger funktionalen “Rocket”-Versionen von Cubase und Logic (fürs Jammen im Netz) neue Versionen vorgestellt. Steinberg haben nach sträflich langer Zeit endlich ein Bug-Update der aktuellen Cubase VST-Versionen für Mac und PC auf ihre Seite gestellt, dass kostenlos eine Menge Bugs beseitigt. Neuerungen in der für Juni angekündigten Version 5.0 von Cubase VST, die erstmals auf beiden Plattformen die gleiche Funktionalität zeigt, sind neben der Integration von Rocket unter anderem eine gründliche Überarbeitung der FX- und PlugIn Sektion, deren EQs jetzt auch grafisch editierbar sind, sowie eine Menge von Erweiterungen im Notationsbereich (Drag & Drop von Phrasen und Sequenzen zwischen Songs und mehreren Ebenen). Dazu kommen noch ein paar neue mitgelieferte PlugIns namens Flanger, Cubase Reverb, Tranceformer, Chopper 2, Metalizer und auch ein neues VST Instrument, der Sample Player Universal Sound Module mit 70 MB Samples, der vor allem für ein identisches Soundrepertoire beim Netzjammen sorgen soll. Darüber hinaus wurde die interne Auflösung auf 32 Bit erhöht, wodurch die Soundqualität ein klein wenig besser sein dürfte. Emagic lässt es da mit der Version 4.5 von Logic etwas ruhiger angehen: zwar werden hier in der neuen Version verschiedene Surroundformate unterstützt, ansonsten bestehen die Neuerungen aber eher in Dingen wie Direct I/O Support (für Digi 001) und der Möglichkeit, von Audiokarten einströmendes Audiomaterial in Echtzeit mit PlugIns bearbeiten zu können. Darüber hinaus beharrt man auf dem eigenen EASI-Standard, VST-Benutzern bleibt der ES1 weiterhin vorenthalten, dafür wird er sinnigerweise den TDM-Besitzern in einer kompatiblen Version zur Verfügung gestellt. Aber es gibt auch gute Nachrichten von Emagic: WaveBurner Pro wird die neue Version des CD-Brenn Programms WaveBurner heissen, neben den bereits bestehenden Features kommt hier voller VST-PlugIn Support dazu (einige Master PlugIns werden bereits beigelegt), ausserdem werden weitere Sound-Formate unterstützt (WAV und MP3). Schliesslich gibt es noch eine neue Version von SoundDiver (3.0), mit dem sich Midi-Geräte am Bildschirm editieren lassen: inzwischen werden über 500 Geräte direkt unterstützt, dazu kommen jetzt noch programmierbare Key-Commands sowie die Unterstützung diverser Faderboxen. Lange hatte man von den Programmierern von ReBirth und ReCycle nichts gehört, aber jetzt kommen sie wieder mit einer ziemlichen Überraschung: Reason ist eine komplette Musikproduktionsumgebung für Mac und PC. Im Prinzip entspricht Reason einem virtuellen Rackmount, in das sich alle möglichen Racks stecken lassen, angefangen bei Drumcomputern, Samplern, Analogsynths, Mixern, Effekten, Sequenzern und vielem mehr. Begrenzt wird die Rackorgie nur durch die Leistungsfähigkeit des benutzten Rechners. Alle Einstellungen werden mit den programmierten Songs abgespeichert, so dass man sich auch nicht mit langem Herumsuchen beschäftigen muss, ausserdem kann REASON über ReWire in Cubase integriert werden. Inwieweit es Sinn macht, reale Geräte als Rackmounts pseudorealistisch im Computer nachzubilden, ist eine Frage, die sich wohl erst mit dem Erscheinungsdatum von Reason (geplant ist hier auch der Juni) klären wird. Auch einen Schwung neuer VST-Instrumente gibts: da wäre zunächst mal das Synthesizer PlugIn PPG Wave 2.V von Waldorf, basierend auf dem allerersten Synthesizer mit Wavetablesynthese von 1982, dem PPG Wave 2.3. In 2.3 kommt die virtuelle Version mit 700 Presetsounds und der Möglichkeit, bis zu acht Mal in einem Host Programm mit bis zu 64 Stimmen pro Stück verwendet werden zu können. Bis zu 32 Wavetables ˆ 64 Wellenformen sind möglich. Auch Native Instruments haben sich zur Messe ein Retro PlugIn gegönnt: B4 ist die originalgetreue Nachbildung der Hammond B3, inklusive zwei Manualen mit je 9 Zugriegeln, 91 Tonrädern, Pedal-Tastatur, Percussion Begleitung und den obligatorischen Rotary Speakern. Erscheinungsdatum ist Anfang Juni. Auch Mixman Studio von Steinberg, ehedem eher mal Richtung Spielzeug tendierendes Soundprogramm mit Plattenspieleremulation, kommt jetzt als VST 2.0 PlugIn: 16 Loops, die sich automatisch an das Sequenzertempo anpassen und als Dreingabe dazu bis zu fünf Effekte pro Looptrack, nicht schlecht. Ausserdem gibts jetzt auch eine Macversion von Mixman Studio. TC Works haben ebenso nachgelegt: nach der neuen Spark Version XL, die auch TDM Systeme unterstützt, gibts jetzt Spark Modular, mit dem sich in Spark aus verschiedenen Modulen ein Analogsynthesizer basteln lässt, der als VST-PlugIn gespeichert werden kann. Womit wir bereits bei Sample-Editoren wären: Nach langer Ankündigung ist die neue Version von Prosoniq SonicWorx 2.0 endlich da: neben einer umfangreichen Politur der Oberfläche werden nun VST-PlugIns unterstützt und die internen Module sind jetzt frei konfigurierbar. Auch Peak kommt mit einer neuen Version: in Peak 2.5 werden ebenfalls VST PlugIns unterstützt, weiterhin wurde die eh schon sehr präzise Metering Funktion erweitert, die Tempoerkennung verbessert und einige kleinere Unstimmigkeiten beseitigt. Womit wir auf die PC-Seite umschwenken: Acid Pro hat ein neues Update mit der Nummer 2.0 bekommen; neben Verbesserungen der Oberfläche können jetzt auch CDs direkt aus Acid gebrannt werden, dazu hat sich der Lieferumfang um einige PlugIns erweitert. Die französiche Firma Arturie kommt mit einem Programm, das vom Ansatz her weitestgehend Reason entspricht: Storm ist eine komplette modulare Produktionsumgebung mit Patternsequenzer, Synthesizern, Effekten und Samplern und lässt sich als Stand Alone, aber auch als VST PlugIn benutzen. Hardware Bevor es jetzt in die Untiefen neuer Synthesizer und Sampler geht, möchte ich mit dem Hardwaretool anfangen, das meiner Meinung nach das interessanteste der diesjährigen Messe war: der Kingston Dubplate Cutter von Vinylium, der in Zusammenarbeit mit Mixmachines entstanden ist. Mit ihm kann jeder, der einen Technics 1200 / 1210 besitzt, seine eigenen Dubplates schneiden. Dazu wird der Plattenspieler mit einem Schneidekopf versehen und los gehts. Die Rohlinge werden auch bei Mixmachines erhältlich sein und so um die 15 DM kosten, das Gerät selbst wird für unter 9000 DM zu haben sein, Das ist natürlich noch viel, im Vergleich zu professionellen Schnittplätzen aber sehr günstig. Die ersten lieferbaren Geräte werden im Juni erwartet. Interessant-skurril auch die Keyboardstudie Stage Frame One von Creamware: in einem wahlweise kanariengelben, marsroten oder königsblauen Keyboardgehäuse, das etwa der Grösse und Dicke dieser Endsiebziger Keyboardmonster (habe ich neulich in einem Totovideo gesehen) entspricht, wurde ein PC untergebracht, auf dem Pulsar installiert ist, dessen Oberfläche über einen Touchscreen und mit ein paar rechts und links angebrachten Drehreglern bedient werden kann. Funktioniert auch recht flüssig, ist jedoch ein wenig gar klobig, aber ja auch nur eine Studie, denn insgesamt sollen erstmal nur 25 Stück gebaut werden. Synthesizer Der Edelanalogsynthesizer Sunsyn (siehe De:Bug 01/00) von Jomox ist jetzt endlich fertig, die ersten Exemplare bereits ausgeliefert, ausserdem hat man den Vertrieb des Schweizer Analogherstellers Technosaurus übernommen, der gerade eine Midi-Version des Microcon vorgestellt hat. Von Clavia gibts die neue Nord Lead Generation (Nord Lead 3) und den Synthesizer Nord Electro, der im Prinzip genau das tut, was das B4 PlugIn von Native Instruments auch macht: er emuliert die Tonerzeugung einer Hammond mit all ihren “Fehlern” und schliesst die Percussion Sektion ein. Darüberhinaus können auch Fender Rhodes Pianos naturidentisch reproduziert werden. Der Nord Lead 3 läuft unter erweiterter Produktpflege: neben einer gründlichen Überarbeitung der Benutzeroberfläche (z. B. Drehpotis mit LED Anzeige, die den gegenwärtig eingestellten Wert repräsentieren) wurden die Oszillatorelemente, die Modulationsmöglichkeiten sowie die Filtersektion erweitert und die Polyphonie auf 20 Stimmen erweitert. Eine Luxus Version des Access Virus, der Access Virus Indigo mit kleiner (2 1/2 Oktaven) Tastatur im schmucken Alugehäuse mit blauen LEDs und Daten wie sechzehnfacher Multimode, vier Oszillatoren pro Stimme, sechzehn Arpeggiators und 82 gleichzeitig verwendbaren Effekten sorgte für begehrliches Staunen, eher unscheinbar dagegen die Rackversion des Virus, die gerade mal eine Höheneinheit benötigt. Ebenfalls eher unscheinbar ist der kleine Bruder des Q von Waldorf als Rack: der Micro Q (erscheint im Spätsommer) bietet (fast) alle Features des grossen Bruders, auf allzu ressourcenfressende Funktionen wurde aber verzichtet, dafür wird der Preis auch deutlich unter dem des Q liegen. Wie auch die anderen Hersteller virtuell-analoger Synths hat Novation sich dem Hochtunen bestehender Modelle gewidmet, allerdings mit zum Teil weitgreifenden Änderungen: die Supernova ist als Supernova II erheblich aufgerüstet worden; neu sind drei verschiedene Versionen, von denen das Spitzenmodell mit 48 Stimmen aufwartet. Neben den technischen Erweiterungen wie neuen FM-Algorithmen, einem Drum Mode, einem 42 bandigen Vocoder und neuen Filtertypen kommen die neuen Supernovas mit mehr Realtime-Eingriffsmöglichkeiten: 61-Tasten Keyboard, acht Fader, 135 Tasten und 43 Drehregler sowie acht Einzelausgänge. Auch die Novaserie wurde entsprechend aufgerüstet. Insgesamt fällt auf, dass fast alle Hersteller wieder dabei sind, neue Luxusmodelle mit entsprechenden Preisen vorzustellen, obwohl oder gerade weil ihnen die Softwaresynthese immer eindringlicher Konkurrenz macht. Ausserdem stehen Firmen wie Jomox mit ihrem Sunsyn, der von vielen wegen seines Preises und der analogen Bauweise zuerst als programmierter Misserfolg gewertet wurde, auf einmal als Trendsetter da: neben dem TBS Mephisto, der noch immer nicht ganz fertig war, und dem Alesis Andromeda hat jetzt auch Peavey einen rein analogen Synthesizer vorgestellt. Der Peavey Paradox ist ein Rackgerät in Pultform, dessen Eckdaten sehr klassisch analog sind: monophon, zwei Oszillatoren pro Stimme, 2 LFOs, Audioeingang und Arpeggiator. Interessant ist aber die Bedienung: so können mit einer Fernsteuerung alle Parameter bedient werden, ausserdem gibts als Controller einen Ribboncontroller und eine Thereminantenne. Sampler Bei den neuen Samplern geht die Entwicklung eher in zwei Richtungen: neben sehr billigen, aber leistungsfähigen Phrase Samplern und den günstigeren Versionen der grossen Sampler von EMU, Akai und Yamaha gibt es von Roland einen neuen Sampler der Superlative: der VP-9000 mit dem sogenannten VariPhrase Prozessor. Anders als bei den heute so üblichen Realtime Timestretch Verfahren wird ein Loop nicht zerschnitten, sondern in ein anderes Format umformatiert, viel mehr von dem Verfahren habe ich bisher nicht verstanden, das Ergebnis klingt aber sehr, sehr gut und überzeugend. Neben normalem Timestretching können mit dem VariPhrase Verfahren auch Formantänderungen, Tonhöhen und Tonlängen (!) verändert werden, alles in Echtzeit versteht sich. Dafür kostet das gute Stück dann auch so um die 6000 Mark. Auf der anderen Seite gibt es die neuen Phrase Sampler von Yamaha und Korg. Der SU 200 von Yamaha ist so etwas wie eine stark abgespeckte Version des SU 700: 42 Sekunden maximale Samplingzeit bei 44,1 kHz, automatische Tempoanpassung per Sample Split, acht Effekte (die auch auf externe Signalquellen angewendet werden können), Resampling, alles speicherbar auf SmartMedia Karten, Samples können auch als WAV im- und exportiert werden. Korg kommt mit dem Sampler der Electribe Serie: der Electribe S hat 95 Sekunden Samplezeit bei 44,1 kHz, einen internen Stepsequenzer, bis zu 100 Samples und 11 Effekte inklusive Filter.

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Elektronische Lebensaspekte.