Im Ring des Rumpel-House
Text: Friedemann Dupelius aus De:Bug 170

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Endlich erscheint Wendelin Weißbachs erstes Album auf Musik Krause, der coolen kleinen Schwester von Freude am Tanzen. Der Jenaer bringt darauf seinen Genre-Boogie und seine Homeboys mit ausgefeiltem Schreinertalent zusammen, und krönt so die Fans der Beatarena.

Text: Friedemann Dupelius

“Ich find das geil, wenn ein junger Kerl in die Arena steppt, bei den alten Hasen aneckt und sagt: ‘Ey, ich will hier jetzt was machen!'” – “Warst du auch so?” – “Wahrscheinlich …”, lacht der Metaboman schelmisch, als er seine Erinnerungssynapsen aufwärmt. Es ist schon ein gutes Jahrzehnt her, dass er zusammen mit Stefan Carl alias Carlson Basu als Krause Duo die Tanzsportplätze Jenas betrat, um erst dort, dann in der ganzen Welt gehörig Staub aufzuwirbeln. Ins Bild kommt das von Wendelin initiierte Label Musik Krause: der kleine, verzottelte Bruder von Freude am Tanzen und mittlerweile ein fester Bestandteil der grünumhügelten Saalestadt.
Auf dem eigenen Label erschien 2002 auch die erste Platte von Metaboman; auch so ein Duo-Ding: “Zwei Männer im Split” lieferte je einen Track von ihm und Robag Wruhme plus jeweils den gegenseitigen Remix. Bis 2006 folgten fünf weitere EPs, dann war erstmal Funkstille. Jetzt releast Musik Krause das erste Metaboman-Album ever; Anfang Februar ging ihm bereits die “Pechno EP” voraus. Warum sieben Jahre Pause? “Da war halt das Krause-Duo. Aber jetzt hab’ ich einen Haufen Stücke, die aus Jams mit Freunden entstanden sind”, erzählt der Ur- Jenenser. So findet man auf allen zehn Tracks mindestens einen Gastmusiker, von Sax und Klarinette über Vocals und Raps bis zu DJ-Cuts. Neben lokalen Homies tummeln sich da auch der kalifornische Producer Dave Aju, San Proper aus Amsterdam, Jonathan Illel von den Franzosen dOP und Ian Simmonds, walisischer Grenzgänger zwischen Jazz und Elektronik – interessanterweise alle an den Vocals. Keyboarder Large M von Feindrehstar spielte für sieben Titel Spuren ein. Mit ihm hat Metaboman – übrigens inaktives Gründungsmitglied von Feindrehstar – jetzt einen Live- Act aufgebaut, mit dem “Ja/Noe” durch die Clubs zieht.

Es mag viel zu platt klingen, Metabomans Musik in Zusammenhang mit Bohrern und sonstigem Werkzeug zu stellen (“Die Bohrmaschine war nicht im Kopf, als ich mir den Namen ausgedacht hab’.”). Aber irgendwie will das einfach passen, so wie der Sound rumpelt und wackelt. Es wird geschraubt und gefräst. Man kann fast zusehen, wie da einer mit seinen Kumpels in mehreren Sessions etwas Rohes, aber doch sehr Stabiles zusammen-zimmert. Meist “latscht die Bassdrum durch”, um sie herum tummeln sich jazzige Licks, verschrobene Samples, bouncende Bassläufe – und Seltenheiten wie Raps (von FlowinImmO in “Hot Shit”) auf 4/4. “Warum gibt es das eigentlich so selten, was ist denn mit Hip House? Ich finde das geil, wenn da jemand rappt”, gibt Wendelin sein Statement. Und: “Ich mag Platten total, die außergewöhnlich klingen. Wenn man denkt: ‘Huh? Das ist doch keine Bassdrum!’ Es ist Zeit, dass man das wieder auffrischt. Die Zeiten sind gut dafür, wenn ich an Dubstep und Wonky denke, oder Labels wie Cómeme – killer! Sowas kann man heute auflegen! Genres sind mir ehrlich gesagt auch Boogie. Ich mag es, wenn Musik abwegig ist, durch die Hintertür kommt. Und lange Sets mag ich – auch, sie selber zu spielen!” Diese Freigeistigkeit geht auf Wendelins musikalische Sozialisation im Kassablanca, der zentralen Rave-Arena in Jena zurück: “Der Trick ist, nicht so viele DJs einzuladen! Wenn diese Ruhe in einem langen Set entsteht, wo die Leute dann irgendwann auf einem anderen Gefühlslevel sind.” Zwar gibt er zu, dass das Auflegen zu einer gewissen funktionalen Sicht auf die Musik führt, versucht sich als Produzent aber möglichst frei von Zwängen zu halten: “Vielleicht habe ich immer die Mixbarkeit im Kopf, bei dem, was zwischen den Übergängen passiert, da denke ich aber deutlich freier.” Dass die Hörer über Metabomans Musik urteilen sollen, wird schon im Albumtitel vorweggenommen: “Ja/Noe”. Wendelin kehrt noch mal zurück in die Arena und erklärt: “Ich stell’ mir da einen Kaiser vor, der den Daumen hoch oder runter bewegt. Das ist der Hörer, der soll entscheiden, ob’s ihm gefällt!”

Metaboman, Ja/Noe, ist auf Musik Krause erschienen.

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Elektronische Lebensaspekte.

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