Köln wird immer mehr zur Metropole des Technos der dritten Generation: Sub Static und Sender wurden hier gegründet, das Traum-Imperium erzeugt einen unvergleichlichen Output und bei Areal hat nach Ada Metope das zweite Artist-Album am Start: "Kobol“.
Text: Alexis Waltz aus De:Bug 95

Dunkler dank Country

Seit in der Debug im Herbst 2002 die erste Geschichte über Areal erschien, hat sich einiges verändert. Damals erzeugte das Label gegenüber den Standards des harten Technofloors auf der einen Seite und des gerade durchgesetzten Minimal-Sounds andererseits eine Abgrenzung und überraschte zusammen mit Sender die genügsam und friedfertig gewordene Szene mit einem materialistischeren, roheren Umgang mit den Sounds, der heute in verschiedensten Hybrid-Stilen elektronischer Tanzmusik immer wieder auftaucht. Mittlerweile hat das Label einen Backkatalog von mehr als dreißig Releases und alle Musiker sind als Live-Acts sehr präsent. Ada hatte einen Crossover-Erfolg, war zweimal Debug-Titelheldin. Metope: ”Wir sind durchaus überrascht, wie erfolgreich wir mittlerweile sind.“ Dabei ist der innere Kreis von Areal derselbe geblieben: Basteroid, Konfekt, Metope: ”Von Anfang an ging es darum, etwas Gemeinsames zu machen – uns hat es sehr gefreut, dass wir auch auf Sender wieder zusammen vertreten sind.“ Wie hat sich die Situation des Musikmachens in den drei Jahren insgesamt verändert? ”Der Einfluss von außen ist größer geworden, wir haben viel mehr Leute kennen gelernt. Unbewusst wird man kompatibler“, vermutet Metope. Zu Beginn haben er, Basteroid und Konfekt aus einer gewissen Isolation heraus gearbeitet, jetzt gibt es einen regen Austausch mit der jüngeren Kölner Szene, Pan/tone Sheldon Thompson etwa ist ein Nachbar. Die zahllosen Konzerte wirken in die Produktionen herein: ”In das Album sind auch Sachen eingeflossen, die sich aus den Live-Sets entwickelt haben: Da gibt es mittlerweile ein Feedback.“ Das im letzten Winter entstandene Album ”Kobol“ ist in eine deepere und eine straightere Phase geteilt: ”Obwohl ich auch das hypnotische Zeug liebe, will ich ganz weit weg von Loop-Techno. Die Stücke sollen eine durchgängige Struktur haben.“ Und die Erforschung neuer Sounds, die zwischen und jenseits bekannter Klänge stehen, steht weiterhin im Focus. Metope: ”Ich kaufe immer wieder neue Geräte – bis ich darin in einem Berg versinke. Die Bass-Sounds sind mir dabei am wichtigsten: Da ist es am schwierigsten, eine Eigenständigkeit zu erreichen. Für das Album war der Clavia Nordlead wesentlich.“
Jenseits des Outputs von Freunden hört Metope mittlerweile wenig elektronische Musik. Neuerdings ist er von so genanntem dark country fasziniert, unter anderem von Matt Sweeney und Bonnie Prince Billys Album ”Superwolf“. Diese Musik ist für einen emotionaleren, dunkleren Sound Bezugspunkt, der expliziter in Richtung Song gehen soll. Diese Linie wird besonders in den Releases auf Sender verfolgt: ”Mit den Produktionen für Sender tauche ich in düstere Gefilde ab. Ich hinterlasse da etwas Neues und Eigenes, aber auch das Label mit seinem Katalog und dem dunklen Design ist ein gefühlsmäßiger Einfluss.“
Die regelmäßigen Live-Acts haben Metopes Leben umorganisiert: ”Um eine Stunde live zu spielen, ist man 24 Stunden unterwegs. Wenn ich am Freitag und am Samstag gespielt habe, würde ich mich am liebsten die ganze Woche erholen.“ Wie ist das ständige Reisen, mit was für Leuten kommt man in Kontakt? ”In der Regel ist für alles gesorgt; die Szene wird von Leuten dominiert, für die nicht das Geld im Zentrum steht: Vielmehr wollen sie den Leuten in ihren Städten etwas schenken.“ Bei einem Gig in Nürnberg gab es aber eine Schlägerei auf dem Dancefloor: ”Da habe ich den Break weiterlaufen lassen, bis sie die Typen rausgezogen haben. Aber dann habe ich die Bassdrum wieder kommen lassen und die Leute sind auf den Dancefloor zurückgekehrt und haben weitergetanzt.“

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Elektronische Lebensaspekte.