Im Vorbeigehen aus dem dreckigen Club-Ärmel geschüttelt
Text: Benjamin Dannemann aus De:Bug 117

Michal Holy aka Michal Ho hat auf seinem neuem Album “Screw the Coffeemaker“ den funkigen und eleganten Spagat zwischen minimalem Erbe und Soundreflexion im lässigen Vorbeigehen aus dem dreckigen Club-Ärmel geschüttelt. Angefangen hat die musikalische Laufbahn von Michal Holy als Bassist in einer Punk-Band, eine “Teenie-Angelegenheit“, ehe sich Michal mit Samim zu Hause verschanzte und mit Samples und Sequenzen zu arbeiten begann. Samim & Michal waren geboren.

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Nachdem sie getrennte Wege eingeschlagen haben, startet der eine mit seinem Hit “Heater“ durch die Charts, während der andere mit seinem Album die verschiedenen Sound- und Groove-Richtungen von London bis New York und von Zürich bis Berlin auslotet. Michal startete eine Laptop-Tour, aus deren Live-Sets sich nach und nach der vielschichtige Sound von “Screw the Coffemaker“ entwickelte. Bevor das Album releast wurde, gab es aber noch eine schleppende Hängepartie. Der Vertrieb wurde gewechselt und das Veröffentlichungsdatum wurde von Frühling auf Herbst verschoben.

“Es gab im letzten Jahr bereits vierhundert Doppelvinyle in den USA als Promo. Und ich hatte die Tracks schon in meine Live-Sets eingebaut und wenn mich jemand nach neuen Sachen gefragt hat, als MP3s rausgeschickt.“

Drum and Bass-Grabgesang

Doch Michal hat die Tracks nicht nur in seine Sets eingebaut, sondern das Live-Spielen in den Produktionsprozess einfließen lassen. So konnte er, dank Ableton, während des Sets bestimmte Elemente reinnehmen oder rausbouncen. Dass “Screw the Coffemaker“ nicht ein einziger Riesen-Track wurde, liegt am konzeptuellen Entwurf, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die unter der Vorgabe der 125 BPM machbar erschienen, und an dem ausschweifenden musikalischen Horizont von Michal. Drum basst House und techt breakig zurück.

Überhaupt: Unter dem Pseudonym Mijatoho produziert Michal, obwohl er es nicht mehr auflegt, noch immer Drum and Bass. Zu den Hochzeiten in Zürich, so um 2000 herum, schaffte es Michal sogar mal Mathematics von Social Scene New York in ein besetztes Haus zu buchen, in denen die Szene Unterschlupf gefunden hatte. Dass sich die Kids Drum and Bass als bang-baren Heavy-Metal-Ersatz gesichert haben, ist für Michal auch nur eine Fußnote im anstehenden Grabgesang.

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Auch wenn sein Hintergrund sehr vielfältig ist, geht es ihm weniger um Crossover oder eine Fusion. Es geht viel eher um das Ausloten verschiedener Einflüsse. Über die unbegrenzten Möglichkeiten eines wie auch immer gearteten Hipster-New-Rave kann sich Michal denn auch zünftig aufregen: “Ich hab echt die Schnauze voll von diesem generischen Clash-Disco-Elektro-House. Tanzt doch lieber Ländler. Das geht mehr ab.“ So bleibt das Eingangsstück “Take Away“ ziemlich housig und oldschoolig, während das titelgebende “Screw the Coffemaker“ ziemlich hysterisch daherkommt.

Und gemeinsam ist allen Tracks eine Rohheit, die den Zuhörer dazu auffordert, selber an den geistigen Knöpfen zu drehen, zu einer Art Kopf-DJ zu werden. Ein großes Stück Club-Kultur gegen das “perfekt durchkomponierte Elektro-Pop-Stück, das so slick ist, dass du denkst, ok, mh, das gehört eigentlich in eine Glasvitrine und sollte ausgestellt werden“, wie Michal das beschreibt. Und dass selbst Ricardo Villalobos ins Schwärmen gerät, ist nur allzu verständlich.
http://www.myspace.com/michalho

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Elektronische Lebensaspekte.