Es ist sehr unmöglich, jeden der drei Clipregisseure Jonze, Cunningham und Gondry auf ein wieder kehrendes Motiv fest zu nageln. Egal, fangen wir bei Michel Gondry doch mal bei den Körpern an. Die spielen nämlich Konzept-getreu die jeweiligen Video-Ideen immer wieder durch, bis sie sich wie von selbst vervielfältigt.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 78

Logik und Geometrie mit tanzenden Körpern

Fangen wir doch mal bei den Körpern als Motiv an. Bei Michel Gondry agiert der Körper durch Tanzperformance, die die Instrumente austanzt. Oder er wird multipliziert wie die simultane Kylie Minogue in “Come into my world” oder ins Unendliche gespiegelt wie bei der 70er TV-Ästhetik von Chemical Brothers “Let forever be”.
“Wieso Körper? Ich kann doch keine Videos nur mit Autos oder Motorrädern machen. Aus purer Notwendigkeit drehen wir Clips mit Sängern”, sagt ein sehr müder Michel am Fon und gibt sich kokett. Bei “Elektrobank” von den Chemical Brothers konnte er aber auch auf dieselbigen verzichten und hat der Anordnung der Sounds folgend die vorbeiziehenden, unterschiedlichen Landschaftsformationen bei einer Zugfahrt repetitiv hintereinander geklebt. Sein Prinzip ist es, Soundformen, Rhythmus und Takt zu verbildlichen und die können dann ausschlagen wie die multiplizierten Schlagzeuge und Verstärker bei “The hardest button to button” von den White Stripes. Noch deutlicher sieht man das bei Daft Punks “Around the world”, wo er den Track zerlegt und jedes Instrument zu einer Tänzerformation macht. Da werden die Bassläufe von den Mumien getanzt, die Keyboards von den “Disco Girls” und die Gitarren von den Skellettmännern. Das funktioniert, weil: “Choreografie ist Architektur, es geht um geometrische Muster. Formen werden mit dem Körper ausgedrückt.”
Was er tut, ist gestreng Konzepten, eine Idee dabei hundertmal durch- und weiter ziehen. “Im Unterschied zu Chris Cunningham, der eher mit einem losen Aufeinanderfolgen von Gefühlen oder Ideen arbeitet, beginne ich mit einem einzigen Konzept und gehe damit bis zum Äußersten weiter”, erzählt Michel. Das Durchspielen hat er schon im Kopf erledigt, wenn er ans Set kommt. Mit einer vorsichtigen Straightness streitet er sich deshalb nicht mit den Musikern und ist auch kein Egomaniac, der seine so brillanten Visionen durchdrücken will. Michel: “Zuerst rede ich mit dem Musiker, bevor ich überhaupt über einen Clip nachdenke. Ich möchte einen Hinweis haben, was der so im Kopf hatte, als er den Song geschrieben hat.”
Bei seinen Ideen ist Michel ein Trickster, der sich die Tricks bei Zauberern ausborgt. Er ist erklärter Fan des Stopptricks. Einem anderen Trick kann man zugucken, wenn er in “Sugar Water” von Cibo Matto ein Palindrom durchspielt, ein von vorn und rückwärts lesbares Wort. Im Video gehen die beiden Cibo Mattos mit Split Screen jeder gleichzeitig einen Handlungsstrang durch, von der einen vorwärts, von der anderen rückwärts ausgeführt. Bis sich beide an einem Punkt überschneiden, einem Autounfall, und die Parts mit vorwärts und rückwärts vertauscht werden. Ein weiterer, lustiger Trick ist Michels Lego-Welt-Clip für “Fell in love with a girl” von den White Stripes. Das Video wurde komplett gepixelt, damit es so aussieht, als bestünde es aus Lego-Bausteinen. Sehr niedlich ist das, und deshalb mag Michel auch die Clip-Arbeiten von Quentin Dupieux alias Mr. Oizo sehr gern, weil der den Lässigteddy Flat Eric erfunden hat.

INFO:

Texte zu Chris Cunningham und Spike Jonze:

http://www.de-bug.de/cgi-bin/debug.pl?what=show&part=texte&ID=3120

http://www.de-bug.de/cgi-bin/debug.pl?what=show&part=texte&ID=3121

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Elektronische Lebensaspekte.