Text: der Jim aus De:Bug 20

Technosaurus Microcon & Cyclodon der Jim Technosaurus ist hauptsächlich nur Insidern bekannt, denn bislang wird von den Schweizern “nur” ein Modularsystem der preislichen Oberklasse dargeboten. Jetzt aber wurden zwei Geräte gebastelt, die sich auch der Normalsterbliche leisten kann. In den niedlichen Dimensionen von 20 x 10 x 5 cm und schweizer Premiumqualität kommen nun ein Mono-Synth und ein 16-Step Analogsequenzer aus dem Lande der Bankschließfächer. Microcon Der monophone Synthie gliedert sich in sechs Sektionen auf. - CONTROL: zum Justieren von Tune Und Glide (Portamentozeit); außerdem gibt es einen Trigger-Knopf zum manuellen Starten der Hüllkurve, um einzelne Töne auszulösen. - LFO: hier muß man sich zwischen Rechteck und Dreieck entscheiden und kann natürlich auch die Geschwindigkeit variieren, steuerbar sind Tonhöhe und Cutoff. - VCO: Oktavlage 0/-2, Mischung zwischen Sub-Osc (Rechteck) und VCO (Rechteck oder Sägezahn) und LFO – Modulation stehen dem Anwender zur freien Verfügung. - ENV: Attack und Decay sind regulierbar, Release kann an- und ausgeschaltet werden. - VCF: das Kernstück ist selbstverständlich mit Cutoff und Resonanz ausgestattet und auch die Modulationstiefe von LFO und Hüllkurve ist regelbar; zusätzlich kann zwischen 12 und 24 db Flankensteilheit umgeschaltet werden (sehr wichtig) und die CV-Spannung vom Sequenzer Keyboard ist, für das sogenannte Key-Following, zuschaltbar (nicht unwichtig. -VCA: das obligate Level-Poti für den Ausgangspegel und ein Schalter für eine Gate-Hüllkurve, damit die Envelope ganz allein fürs Filter da ist. Anschlusstechnisch ist folgendes möglich: Stromversorgung 12 Volt DC, CV- & Gate-In (beide als Stereominiklinke ausgeführt, da per CV Tonhöhe und Filter steuerbar sind), Audio-Out und als Neuerung Audio-In, die mittels Stereoklinke aus einer Buchse abgegriffen werden. Mit einem Insertkabel hat man dann den Ausgang und den Eingang separat zur Verfügung und somit den Microcon zum Filter umfunktioniert. Wenn an der Gate-Buchse ein Monoklinkenstecker verwendet wird, ist die Tonerzeugung abgeschaltet. Allerdings gibt es keinen Hüllkurven-Folger wie zum Beispiel bei der Sherman Filterbank, so daß der VCA getriggert werden muß. Das ist jedoch bei fast allen Synthies mit Filtereingang (leider) so üblich. Schon was gemerkt? Kein Midi! Der Microcon ist “real analogue”. Ein zusätzliches Interface ist also von Nöten. Da aber mit der Roland-Norm Volt/Oktave gearbeitet wird, ist das kein Problem, denn Doepfer, Philip Rees und Kenton bieten Adäquates an. Und wie klingts? Satt! Ich war angenehm überrascht. Man soll halt nicht immer von der Größe auf den Rest schließen. Durchsetzungsfähig, rund und direkt, ohne aufdringlich oder gar nervend zu sein, das beschreibt den Sound wohl am besten. Erfreulicherweise wurde nicht krampfhaft versucht, den Klang einer anderen Maschine zu imitieren; stattdessen wurde auf eigene Identität Wert gelegt. Also kein Roland- oder Moog-Plagiat, obwohl es sich um Kaskadenfilter handelt. Bei 12db und Sägezahn ist der Klang ziemlich Acid, 24 db und Rechteck schön kräftig. In beiden Filterstellungen reicht die Resonanz bis zur Eigenschwingung und pfeift recht ordentlich. Die LFO-Frequenz reicht von ca. 20 Sekunden für einen Durchlauf bis in den unteren Audiobereich, womit das Klangspektrum der kleinen Kiste um einen weiteren Punkt bereichert ist. Mit der Hüllkurve lassen sich sehr zackige, perkussive Sounds realisieren, da auch hier ein feinfühliges Einstellen möglich ist. Die Ausstattung entspricht weitestgehend den Objekten dieser Zunft und ist äußerst funktionell und effektiv. Trotz, oder gerade wegen der begrenzten Parameterzahl macht das Gerät richtig Spaß. Und dieser Spaß kann verdoppelt werden. Cyclodon… … ist der passende 16-Step Analog Sequenzer zum Microcon. Dorekt per CV/Gate kann er sein klingendes Ebenbild ansteuern und dabei mittels DIN-Sync zu oder mit anderen Sequenzern synchronisiert werden, und zwar als Master und Slave. Wieder was gemerk? Auch hier kein Midi! Aber zur Kommunikation siehe oben… Ein Wort an die Neulinge: ein Analogsequenzer hat keinen Bildschirm und hat auch nicht dieses widerliche Windows 95 Geräusch. Songmodus und Speicherplätze sind (meistens) Fremdworte. Im Vordergrund steht der direkte Zugriff (im wahrsten Sinne des Wortes) auf die Sequenz. Funktionsvielfalt ist hier der Spontanität und Kreativität untergeordnet. Die Verwandschaft zum Arpeggiator ist wesentlich enger als zum Softwaresequenzer. Das Maschinchen selbst hat 16 Potis für die Tonhöhe, eine Start/Stop und Step Taste die zum Starten, Stoppen und Durchsteppen der Sequenz einlädt und vier Schalter, die die Sequenzlänge begrenzen können, auch während der Fahrt. Da es, als einziger Wermutstropfen, nicht möglich ist, einzelne Noten stummzuschalten, kann man über den Weg der Längenvariation recht interessante, abwechslungsreiche, arpeggioähnliche Sequenzen kreieren. Wem das immernoch zu einförmig ist, der sollte folgendes probieren: ein einfaches Tremolo (z.B. ein Gitarrenpedal) hinter dem Synth anschließen und die Modulationstiefe auf Maximum drehen. Die Geschwindigkeit sollte dann dem Sequenzer ungefähr angeglichen werden. Da aber keine Synchronisation möglich ist, verschiebt sich die zerhackte Sequenz immer weiter, was selbst bei gleichbleibender Tonhöhe interessant klingt. Idealerweise sollte das Tremolo über eine trapezförmige oder rechteckähnliche Kurve verfügen. Dem Fortgeschrittenen sei diese Schaltung empfohlen: die CV-Spannung des Cyclodon durch ein Logikmodul eines Modularsystems (z. B. Doepfer A 150/151) schicken und somit Pausen in der Sequenz erzeugen, die sich bei entsprechender Steuerung, z. B. Sample & Hold, variieren lassen. Die Kombination aus Cyclodon und Microcon ist schon recht genial. Und wenn man das dann noch mit einer X-Base 09 (DIN-Sync Out) verkuppelt, ist es wie ein guter alter “Streetsounds Elektro” – Sampler: Aural Sex! Und eine witzige Alternative zu 909 & 303 stellt es obendrein dar. Natürlich darf man die Geräte auch einzeln betreiben. Hinzu kommt die gute Verarbeitung. Die Schalter und die gummierten Potis lassen sich angenehm und nicht zu leichtgängig bedienen, das Gehäuse ist aus Metall und der violett bzw. blauschwarze Tarnstich sieht richtig schmuck aus. Minuspunkte? Kaum. Daß der Cyclodon keine Note-Offs kennt ist zwar schade, aber man kann damit leben. Ansonsten nimmt man einen anderen Sequenzer, der aber auf jeden Fall um einiges teurer ist. Die Miniklinkenanschlüsse sind in meinen Augen unproblematisch, da es bei CV / Gate nicht auf den Kabelquerschnitt ankommt. Außerdem sind auch einige andere Sequenzer so bestückt, z. B. Rolands System 100 und SH-101, Doepfers A-100 und MAQ 16/3, Analogue Systems RS-Integrator. Einer Interaktion steht also nichts mehr im Wege. Das externe Netzteil ist mittlerweile leider gängige Praxis, da so der Export für die Firmen einfacher ist. Jedoch hätte Batteriebetrieb dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Aber die Welt wäre zu langweilig, wenn keine Wünsche offen blieben. Wie unschwer zu erlesen ist, bin ich ziemlich begeistert, obwohl es sich eigentlich um recht simple Maschinen handelt. Der satte Sound des Microcon und das easy Handling des Cyclodon sind wirkliche Pluspunkte, auch in einem schon recht gut ausgestatteten Setup. **** Info: http://www.poplife.ch/hutter_music/saurus/technosaurus2.htm oder bei Sound & Sync : Tel: 030 53638433 Preis: je 555,- DM

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Elektronische Lebensaspekte.