Text: Sascha Kösch aus De:Bug 06

Besser Einkaufen Mit Microsoft Sascha Kösch bleed@de-bug.de Microsoft, unser aller Lieblingsfirma, mit, weil am reichsten, Lieblingsmilliardär Bill Gates hat den Börsenkrach überstanden. Warum auch nicht. Ein paar Milliarden Verluste an einem Tag, ein paar, aber mehr, Milliarden Gewinne am nächsten. Wenn Microsoft clever war, dann haben sie, als der Tiefpunkt erreicht war im größten Börsencrash-Witz aller Zeiten neulich, selber alle Microsoft Aktien gekauft, die erhältlich waren. Mit Sicherheit die beste Investition, weil damit kauft man alles. Andererseits, Microsoft kann eh kaufen was es will, die Aktien der jeweils aquirierten Firma schnellen sowieso meist so in die Höhe, daß sich jede Investition nach ein paar Tagen auf ein erträgliches, wenn auch virtuelles Minimum schrumpft. Diese kleine, möglichst regelmäßige, Kolumne versteht sich als eine Art Frontberichterstattung vom größten Kriegsschauplatz dieses Jahrhunderts: den Geldbewegungen rings um Microsoft. Was kaufen sie, was wir auch gerne gekauft hätten, und wozu? Daß wir keine Finanzexperten sind, versteht sich dabei von selbst, aber jedes halbwegs zur Paranoia bereite Geschöpf erfreut sich nun mal daran, daß die Beweislast scheinbar immer erdrückend ist. Nun denn. Wir glauben, wie Bill Gates selber auch in einem Interview ein paar Wochen vor der Anschuldigung des Department of Justice, daß aus dem Monopolistenvorwurf wegen erzwungenem Bundlen von Internet Explorer mit Microsoft Windows und der täglichen Geldstrafe von einer Millionen Dollar erst mal nichts wird. Selbst wenn, die paar Millionen möglicher Verluste werden sich schon irgendwo wieder als Plus zeigen. Und wenn auch Microsoft und das Internet eine der zentralen Wirtschaftsfragen der USA sein mögen, Browser sind es nur bedingt, die das ausmachen. Die richtig deepen Deals gingen diesen Monat in der Kabelindustrie vor sich. Und schließlich, wer wird sich nicht IE runterladen, wenn irgendwann ein Server nach dem anderen sagt: “Sorry, you must have Internet Explorer to view our site”, wie schon jetzt und aus weiter unten ersichtlichen Gründen bei diversen Time Warner und Disney Seiten. Außerdem hat wahrscheinlich in naher Zukunft ein Pushclient längst mit dem Download von IE auf deinen Computer begonnen. US West Die riesigste Investition der kommenden Monate für Microsoft ist mit Sicherheit ein Milliardendeal mit US West, einem der Kabelgiganten in den Staaten. Ziel dabei klar, die letztlich angekauften WebTV Boxen (Internet via Fernseher und Kabelanschluß durch kleine Zusatzkiste die auf Windows CE läuft) mit einer möglichst rasanten Bandbreite weiter und rasant schnell durchzusetzten. Denn schließlich sind 2 Prozent der browsenden Bevölkerung Amerikas nicht genug. Gates spekuliert weiter auf die Mehrheit der Bevölkerung, die bislang noch kein Internet hatte und mit ein bißchen E-Mail auch schon ganz gut bedient ist. Oder D-Mail, wie die Disney Version für Kinder im extra für Disney modifizierten Internet Explorer heißt. CNN meldete, etwas betroffen und nahezu verschämt, auf jeden Fall allerdings nebenbei, daß US West ja einer der Hauptshareholder von Time Warner sind, denen CNN gehört. Man hat schon das Gefühl, daß sich die eh etwas monopolhörigen CNN Journalisten jetzt erst recht nicht mehr im Ton vergreifen wollen. Jedenfalls eins der vielen Investments im Kabelbusiness in Folge für Microsoft und ein weiteres sicheres Anzeichen dafür, daß in ein paar Jahren wohl kein Fernseher ohne Windows mehr im Netz bummeln geht. Infoseek Warum Microsoft Interactive Media (dem das Microsoft Network, alles Interaktive und die Spieleabteilung angehört) einen Deal mit der Search Engine “Infoseek” gemacht hat, ist uns, nachdem Bill Gates neulich erst betont hat, daß in einem Wirtschaftszweig für Microsoft eigentlich nur der erste oder der zweite Marktführer gilt, eigentlich nur dadurch erklärbar, daß es kein exclusiver Deal ist. Infoseek hinkt gnadenlos hinter Excite und Yahoo hinterher. Vielleicht verbindet Microsoft seine Auto-, Reisen-, Finanz- und MSNBC-Sites (der hauseigene Nachrichtenkanal) einfach deshalb stärker mit Infoseek, weil die Sites nahzu (aber eben nur nahezu) zu den Marktführern des Genres gehören und mit so einer Verbindung sind alle für wenig Geld schnell mal auf Platz 1 zu bringen, denn Infoseek badet gerade in Durchhalteparolen. Und letztendlich steigert dieser Deal ihren Marktwert definitiv mehr als alles andere, denn Informationsleader zu sein, hat sich schon immer ausgezahlt. Schließlich glaubt die Mehrheit immer was die Mehrheit glaubt, wenn sie erst mal nichts mehr von der Existenz des Rests weiß. Ähnliche Deals mit Yahoo sind dann auch noch in Vorbereitung und irgendwann bald wird man in den Staaten bei “Auto” vermutlich an “Microsoft” denken, bislang ist der Softwaremarkt für Autos ja noch in den Startlöchern. Na, es dämmert. Immerhin, für Infoseek gab es 6 Prozentpunkte plus. Liquid Audio Die merkwürdigsten Deals mit Microsoft laufen mittlerweile ohne Geld ab. Nachdem sie vor kurzem noch Millionenbeträge in Streaming Audio- und Videotechnologien investiert haben (35 Mil. bei RealNetworks für 10% der Firma und 75 Mil. für ganz Vxtreme), brauchten sie Liquid Audio nicht mal mehr Geld zu geben, was das Department of Justice vermutlich richtig wurmt. Liquid Audio, das Lieblingskind der Musikindustrie unter den Audioservern im Netz, weil es sich zentral darum kümmert, daß man für Downloads von Musik auch wirklich Geld bezahlt, ist bislang noch im Vergleich mit RealAudio im Netz eher selten, aber das soll (und wird) sich schnell ändern, denn sie verpflichten sich jetzt, Liquid Audio auf Microsoft Servern laufen zu lassen und deren Advanced Streaming Format zu benutzen. Dafür macht Microsoft den nötigen Werberummel, um Liquid Audio zum Standard zu etablieren. Und bald schon dürfte man 800-RU-LEGIT, Microsofts Anti-Piracy Hotline für Software auch dafür benutzen können, wenn irgendwer Musik im Netz hört, die nicht bezahlt wurde. Schließlich ist Musik ja auch nichts anderes als Software. Mit dabei natürlich AT&T. Und die Musikindustrie jubelt, daß sich auf dem Feld, auf dem sie sich alle bislang nicht richtig vorgewagt haben, weil der Stress mit den Verkaufsketten eigentlich auch zu groß wäre, endlich jemand die Vorarbeit übernimmt. Daß die Profite dann auch wo anders gemacht werden, sehen sie vermutlich erst in ein paar Jahren. E-Stamp Corporation Die putzige Investition und vielleicht die merkwürdigste, aber sicherlich von allen Microsoft Büroangestellten begrüßte, ist definitiv der Ankauf von 10% der vermutlich nicht mal teuren E-Stamp Corporation. E-Stamp ist eine kleine Minifirma in Kalifornien, die sich auf die Herstellung von kleiner sicherer Hardware spezialisiert hat (Minikasten zwischen Druckerkabel), die es einem ermöglicht, mit einem regulären Drucker vom NT Rechner aus, veritable und gültige Briefmarken samt Barcode zu drucken. Es funktioniert ungefähr so: Vom Postserver läd man sich ein paar Marken IDs runter, das Geld wird abgebucht, man schreibt einen Brief in Word und druckt die Briefmarke gleich dazu. Der indische Geschäftsführer erwartet segenvoll eine Reduktion der Postpreise, durch Verlagerung der immerhin zwei Drittel des Wertes von Briefmarken ausmachenden Druck- und Distributionskosten. Gates eine Lösung der Probleme des immensen Postaufkommens des zu erwartenden immensen Internet Mailordergeschäfts (25 Millionen bis zum Jahr 2000, stetig steigend). Das Internet rettet uns noch alle. AT&T sind mit der gleichen Menge eingestiegen und sitzen Microsoft jetzt im Geschäftsrat gegenüber. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die beiden das Geschäft übernehmen. Nun, wer mehr wissen will, sollte die neuesten lustigen Taschenbücher einer paranoiden Querlektüre unterziehen. Wasserzeichen, Farbcodierung, Übersetzungsfehler, neue Strategien von Dagobert Duck, Bildschirmhintergründe der surfenden Tic Tac Toes, alles könnte ein wichtiger Hinweis sein auf kommende Strategien. Und bis zum nächsten Monat http://biz.yahoo.com/news/msft.html zur Startupseite eures Browsers machen. Und alle Infos hierher.

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Elektronische Lebensaspekte.