Inzwischen gibt es fast alle Tonerzeuger digitalisiert, die Rechner sind längst schnell genug. Der Schwachpunkt jedweder Softwaretonerzeuger ist allein das Interface Keyboard / Mouse, und das nicht nur beim Livespielen, sondern auch beim Produzieren. Grund genug für einen kurzen Abriss / Vergleich dreier MIDI Controller Boxen, der aber nicht als ausführlicher Test, sondern eher als Übersicht zu verstehen ist.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 37

Haptik, bitte MIDI Controller Boxen 4Control 4Control ist der erste der drei Kandidaten und wurde in Kooperation von Native Instruments und IBK, die auch den 10Control herstellen, entwickelt. Auf dem soliden Stahlgehäuse in Dunkelblau befinden sich vier Endlosdrehregler und zwei Tasten im komfortablen und leicht zugängigen Abstand voneinander. Hinten gibt es MIDI In und MIDI, Strom kommt über das Netzteil oder Batterie. Die Verarbeitung und die Bauteile sind dermassen robust, dass man schnell das Gefühl bekommt, irgendeine Art von Survivalequipment in der Hand zu haben. Vier Drehregler sind natürlich nicht gerade viel, aber 4Control ist dafür extra an die Software von Native Instruments (Reaktor und Dynamo) angepasst. Dadurch, dass die Drehregler im Gegensatz zu herkömmlichen MIDI Controller Boxen Endlosregler sind, die relative Reglerpositionen senden, kann die Auflösung beliebig über die MIDI definierten 128 Schritte erhöht werden, was vor allem bei Softwaresynthesizern wie Reaktor ein Vorteil ist. Per Software kann die 4Control aber auch auf “normalen” MIDI-Betrieb umgestellt werden und so mit jedem MIDI-Gerät kommunizieren, wobei sich die Controller frei zuweisen lassen und extern einfliessende MIDI-Daten mit denen der 4Control gemergt werden können. Sehr praktisch für Reaktor und Dynamo (vor allem auch im Liveeinsatz unter erschwerten Bedingungen durch katastrophensichere Bauweise, vorrausgesetzt, das Combatbook ist dabei), haptisch durch grossen Abstand der Drehregler untereinander vorbildlich, aber mit 329,- DM auch nicht ganz billig und mit vier Drehreglern vielleicht etwas unterbestückt. PocketControl Ganz anders dagegen Doepfers PocketControl: hier sind 16 Drehregler am Start, dafür aber sehr dicht gedrängt und nicht ganz so solide verarbeitet. Auch hier gibt es MIDI In (ebenfalls mit Merge Funktion) und MIDI Out, dazu kommt noch eine Snapshot Taste und Dip Schalter an der Rückseite. Die sechzehn Drehregler lassen sich alle einzeln zuweisen. Damit es nicht zu anstrengend wird, hat Doepfer löblicherweise 128 Preset Einstellungen für Anpassungen an Geräte und Software, unter anderem alle möglichen XG/GM Presets, eine ReBirth Anpassung, eine für den K5000, für Waldorfs Pulse, den ASR X und sogar für das Digitalmischpult Promix von Yamaha integriert. Gewechselt werden können die Presets wahlweise über MIDI oder über Dipschalter hinten am Gehäuse, was ein wenig prokelig ist, denn die acht mikroskopisch kleinen Schalter müssen entsprechend der Presetnummern in die eine oder andere Richtung gedrückt werden. Die Taste an der Oberseite dient dagegen dem Snapshot Erzeugen (die Werte aller Regler werden auf dem eingestellten Kanal an den MIDI Ausgang geschickt) und auch dem Wechseln des Masterkanals. Pluspunkte kann PocketControl aber durch einen niedrigen Preis (248, – DM), viele Drehregler und die Presets sammeln, Abzüge gibt es nur im Bereich Haptik. IBK 10 Control Kommen wir nun zum Rolls Royce der MIDI Controller in diesem Vergleich, dem IBK 10Control. Wie auch 4Control ist der 10Control von IBK produziert worden, was man an der mehr als robusten Stahlbauweise und der guten Verarbeitung sowie den ergonomisch klug angeordneten Elementen merkt. Der IBK10Control bietet zehn frei belegbare Drehregler und zehn Tasten, die noch durch zwei LCD Displays mit Balkenanzeige der Werte und selbst definierbaren Bezeichnungen unterstützt werden, sondern auch zweimal MIDI In, einmal MIDI Thru und einmal MIDI Out als Anschlüsse. Auch hier gibt es natürlich eine Merge- und Reglerwert Abholfunktion. Auf den beiden Displays kann zwiswchen den Werten der Tasten- und der Drehreglerparameter hin- und hergeschaltet werden kann. Links daneben gibt es weitere zehn Tasten, die zur Navigation in den Hierarchien dienen. Ein komplettes Setup kann nun als Page gespeichert werden, von denen wiederum beliebig viele als Program abgespeichert werden können, so dass auch komplexe Geräte mit all ihren MIDI-Parametern komfortabel bedient werden können. Hinzu kommt die Channel-Ebene: sie dient dazu, alle Programs für ein Gerät zusammenzustellen, damit man auch gleichzeitig mehrere Geräte bedienen kann. Die Channels können verschiedenen MIDI Kanälen zugewiesen und über die Channeltasten angewählt werden. Vordefinierte Setups gibt es unter anderem für ReBirth, den Matrix 1000, Yamaha DX7, Roland D 50, Waldorf MicroWave 2, Native Instruments ProFive und Cubase VST. Der IBK 10Control ist im Vergleich zu den beiden anderen das universellste und umfangreichste Gerät, liegt aber auch preislich mit ca. 900 DM in einer ganz anderen Liga. Dafür können aber problemlos und schnell eigene Setups erzeugt und beliebig viele Funktionen mit ihm gesteuert werden. Für Live Sets das am besten geeignete Gerät, aber auch für die komplette Steuerung komplexer Softwaresynthesizer bestens geeignet.

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Elektronische Lebensaspekte.