Mikkel Metal arbeitet im heimatlichen Hafen von Kopenhagen an seiner ganz eigenen Version von dubbig inspiriertem Technohouseelektronikamusik. Anders als andere, Indie sei Dank.
Text: Sven von thülen aus De:Bug 89

Shoegazer mit Bandecho
Mikkel Metal

Mikkel Metal macht Musik, wie sie My Bloody Valentine heute machen würden, wenn es sie denn noch gäbe. Zumindest wurde das in diesem Blatt schon frühzeitig, im Review zu Mikkels zweiter Maxi überhaupt, voll Entzücken über diese vier knisternden Dub-Tracks aus übereinander geschichteter Sehnsucht behauptet. Zu weit aus dem Fenster gelehnt? Nicht doch.

Mikkel “Metal” Meldgaard hat für jemanden, der Dubtechno, IDM und Elektronika gekonnt zu einer flüssigen Emulsion aus Pulsieren, Rauschen und Hall verschmilzt, eine fast schon klassische Musiksozialisation durchlaufen. Früher stand er mit der Gitarre in der Hand auf der Bühne, seine Sneaker und die Bühnenbretter fest im Blick und sich auftürmende Sound- und Noiseberge im Rücken. Shoegazer Style. England war damals einfach nicht weit. Der Weg vom introvertierten Shoegazer zum introvertierten Elektronika-Knisterer auch nicht.

Anfangs begeisterten ihn an elektronischer Musik jedoch erst mal Breakbeats im Allgemeinen und Drum and Bass im Besonderen. Bis vor vier Jahren Clicks, Cuts und das dubbige Knistern und Rauschen Berliner Prägung schnittig gecuttete Amen-Breaks und kellertiefe Basslines in ihrer Faszination ablösten. Vor allem wenn es darum ging, selber Musik zu machen.
Wie bei vielen, die sich Dub über elektronische Musik nähern, waren nicht Lee Perry oder King Tubby Stichwortgeber für die neue Leidenschaft an Delays und Hallräumen, sondern eher die gesammelten Werke aus den Häusern Rhythm & Sound, Mainstreet und Burial Mix. Dub als Handwerkszeug, als Methode. Nicht als Philosophie.

Mikkels dubbige Genregrenzgänger blieben nicht lange unbemerkt. Seine erste Platte war eine 7″ auf HAL9000, kurz darauf gründete Mikkels Freund Kenneth Christiansen “Echocord” und damit hatte Mikkel für seine schwebenden Tracks ein neues musikalisches Zuhause, das perfekt auf ihn zugeschnitten ist. Und spätestens mit seinen beiden Maxis auf Kompakt taucht Mikkels Name auch außerhalb Kopenhagens nicht nur in einem Atemzug mit den beiden anderen großen Knisterern der Stadt, Opiate und Dub Tractor, auf, sondern auch bei Freunden verrauschter Dancefloor-Epen. Und krankte die Kopenhagener Szene bis jetzt immer eher an mangelnder Vernetzung als an mangelndem Output, gibt es jetzt mit der “Culture Box” einen Club, in dem sich alle wie auf einem Spielplatz austoben und über die Schulter schauen können. Mikkel Metal wird natürlich mit von der Partie sein und die “Culture Box” in geschmeidiges Rauschen und Knistern tauchen.

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Elektronische Lebensaspekte.