Tische, die du nie haben wirst
Text: Rikus Hillmann aus De:Bug 111


Ich nehme an, die Story geht so: Sören Kjaer von Milk und Ross McBride von Normaldesign mussten in ihren Designagenturen jahrelang an Egon Eiermanns Tisch-Klassiker Eiermann 2 arbeiten und waren es irgendwann leid, sich ständig die Schienbeine am mittig unter den Tischbeinen angebrachten Stabilisierungs-Kreuz zu stoßen. Da ihre Firmen eine Clean-Desk-Policy verfolgten, suchten beide in ihrer Eigenschaft als Designer nach Möglichkeiten, ihre Skizzen-Moleskins und Briefingpapiere unterzubringen und diese lästigen Kabel ihrer Macs zu verstecken, solange Funkstrom auf seine Erfindung wartet. Da Ross McBride eh stets und alles in seiner Cargo-Hose mit sich herumtrug, lag es nahe, sich eher als vernunftbesessener Friedensstifter in Zentraleuropa zu engagieren und erst mal einen Schweizer Armee-Tisch weiterzuentwickeln, damit die Eidgenossen sich mit diesem zur Not auch in Luxemburg Freunde machen können.

Verirrt sich Eidgenosse Leutnant samt Mannschaft also einmal wieder des Nachts auf einer Abenteuertour ins Steuerparadies, hat man alles dabei: Im Löchlein in der Mitte rotiert ein praktischer Aschenbecher, eine Fruchtschale, eine Vistenkartenablage, ein Spiegel, eine ausklappbare Lampe und eine Taschentuch-Box. Also alles das, was man beim Nachbarn braucht, um sich vorzustellen, Verbrüderung zu feiern, den versprengten Soldaten zu heucheln und dabei viel Milde Sorte zu rauchen. Denn das Leben ist schon hart genug, was die Situation ja nahe legt. In Dänemark dagegen raucht man nicht, deswegen hat Sören Kjaer keinen Ascher im Tisch, sondern nur Klappen und Kabelkanäle (in die man zur Not natürlich reinaschen kann).

Da Dänen meist Hünen sind, der Tisch aber auch im kleinwünchsigen Resteuropa genutzt werden soll, ist das Möbel automatisch per Knopdruck höhenverstellbar. Ich gebe zu, die farbigen Ablage-Abdeckungen für iPod, Papier und Stifte erinnern an Nanu-Nana und die “Fisch-Box” ist natürlich totaler Quatsch, doch sonst ist der Tisch allemal clever. Wenn auch mit 2.550,- EUR Netto etwas preisintensiv. Alternativ zu Menschen, die das Motto “Wi hebb dat jo, dat kost ja nix!” skandieren, bleiben wir anderen wohl erst mal am Eiermann sitzen und montieren das Mittelkreuz nach hinten.
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Elektronische Lebensaspekte.