Wenn Trance anfängt zu langweilen, ist Minimal die Lösung. Zumindest für Sebastian Mullaert und Marcus Henriksson. Als Son Kite, ihr Trance-Baby haben sie ordentlich Snare-Wirbel in die Welt gesetzt, als Minilogue lassen sie jetzt Fabelwesen für ihren minimalen Sound sprechen. Made in Sweden.
Text: Mats Almegard aus De:Bug 104

Tierisch produktiv – Minilogue

Sebastian spricht gerne von Tieren. Nach einer Weile glaubt man fast, sich in einer Vorlesung zum Thema ”Fabeltiere” zu befinden. Seit ungefähr zwei Jahren finden sich diese Tiere auf Minilogue-Covern, damals fühlten die beiden, dass sie ein neues graphisches Profil brauchten. Die übercoole Werbeagentur Syrup Helsinki (u.a. durch die Graphik vom Koneisto-Festival und Arbeiten für Nokia bekannt) hat das Konzept entwickelt: Aus Teilen von unterschiedlichen Tieren wurden bisher unbekannte Fabeltiere neu zusammengebastelt. ”Als wir die Entwürfe zum ersten Mal gesehen haben, fanden wir sie schön, wussten aber nicht, inwieweit wir sie verwenden konnten. Jetzt wissen wir, dass die Tiere sehr einsetzbar sind. Marcus und ich machen die Musik im Studio und unsere süßen Tiere stellen sie der Öffentlichkeit vor. Sie sind Minilogue geworden, was wir recht angenehm finden.”
In der letzten Zeit tauchten die Minilogue-Tiere auf Sprout Music, Traum, Audiobahn und Wir auf. Auf dem letztgenannten Label ist ”The Girl From Botany Bay” erschienen. Eine Maxi, die bis heute nicht weniger als 3500 Exemplar verkauft hat, die von DJs auf der ganzen Erde gefeiert wird und die durch ihre Mischung von Minimal Techno und Trance einfach rockt. Demnächst folgt auf Traum ein Open-Air-Monster, das langsam und sanft beginnt, sich dann Stufe für Stufe Richtung Prime Time bewegt: ”The Leopard” ist kurzum ein Tier, das diesen Sommer viele Leute aus purer Angstfreude auf die Tanzfläche jagen wird. Auf dem Cover ist natürlich ein getüpfeltes Wesen zu sehen, aber kein richtiger Leopard. ”Wir wollten eigentlich ein katzenartiges Raubtier. Das hatten wir aber nicht. Dann haben wir einfach ein kleines dämliches Tier mit einem Leopardenkostüm versehen. Es sieht verdammt cool und hässlich aus!” Das tut es gewiss. Hauptsache ist aber, dass die Musik so verdammt cool und schön ist. ”Seconds” auf der Rückseite ist ein Lied für die schönsten Momente auf dem Weg nach Hause morgens um sechs. Minilogue hat mit dieser Traum-Maxi einen Soundtrack für den Sommer 2006 geschaffen. Aber bald kommt mehr.
Es folgen in diesem Jahr Releases auf Crosstown Rebels, Silver Planet und wahrscheinlich auch auf Mathew Jonsons Wagon Repair. Und das sind nur die Maxis. Dazu kommt eine Doppel-CD und eine DVD, die die Tiere zu Charakteren ausbauen wird. ”Wir haben momentan viel Spaß im Studio. Die Arbeit ist wieder spielerisch geworden. Als Son Kite sind wir so routiniert und wissen, was wir tun sollen. Als Minilogue bewegen wir uns viel mehr, sitzen nicht auf dem Stuhl herum, sondern verwenden viel mehr analoge Geräte und lassen uns auch was Blödes einfallen.”
Seit anderthalb Jahren ist die frühere Hauptangelegenheit Son Kite nur noch ein Liveact. Im Studio werden ausschließlich Minilogue-Tracks gemacht. Der Grund dafür ist, dass die zwei Jungs sich von der Tranceszene zu eingeschränkt fühlten und sie endlich ihre Liebe zum minimalen Sound richtig erforschen wollten. Schon der Name verrät es: Minilogue setzt sich zusammen aus den Wörtern ”Minimal” und ”Dialogue”. ”Wir lieben minimale Sachen und alles, was wir machen, entsteht in einem Dialog zwischen uns. Wenn wir live spielen, machen wir so viel wie möglich live, um auch mit der Clubcrowd in Dialog zu treten. Wir möchten vom Publikum emotional bewegt werden, damit wir sie bewegen können – sowohl physisch als auch psychisch!”
Genügend Erfahrungen haben sie mit Son Kite gesammelt und jetzt profitieren Minilogue davon und können unheimlich viel Material releasen.

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Elektronische Lebensaspekte.