Wenn man seine Inspiration aus klassischen Zirkus-Figuren bezieht, kann das der Minimal-Ästhetik nur gut tun. Ziggy Kinder macht es vor.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 102

Gute Platten, sogar herausragende, gibt es viele. Überraschungen aber, grade im Feld der so genannten Minimallabel, sind doch eher selten. Die ersten EPs von Ziggy Kinder auf Ware waren so eine Überraschung, denn so viel Spielfreude in einem so eleganten und gleichzeitig kickenden Sound hatte man schon lange nicht mehr gehört. Kein Wunder, dass Ware-Chef Mathias Schaffhäuser direkt zugeschlagen hat, als er das Demo von “Chop
Ziggy” hörte. Jetzt kommt Ziggys Debutalbum “Akrobatik” und tatsächlich schafft er es auch hier, seinen Sound in alle Winde zu verstreuen, ohne dabei Humor oder den Dancefloor aus den Augen zu verlieren.

Was machst du neben Musik noch?

Freunde von mir besitzen eine Schmuckgalerie (foolsgold-jewels.de), in der ich Jüngchen für alles bin und ab und zu auch auflege. Seit ca. 1 Jahr arbeite ich aber auch noch für Ware Records, wo ich für organisatorische, buchhalterische bis hin zu A&R-Tätigkeiten eingebunden werde. Beide Jobs machen mir sehr viel Spaß, da man mit den unterschiedlichsten Menschen und Tätigkeiten in Kontakt kommt und da es auch einen guten Ausgleich zum Basteln bietet.

Dem Album merkt man viel mehr noch als den 12″s etwas sehr Verspieltes an, was macht für dich den Spaß an Musik aus?

Deswegen habe ich mein Album auch “Akrobatik” genannt! Jedes Stück besitzt seine eigene Stimmungsfigur und sein besonderes Thema. Ähnlich wie bei vielen Figuren beim Sport, Tanz oder im Zirkusbereich. Mal lustig, mal melancholisch oder mal total verrückt. Ich freu mich persönlich über Melodiefiguren, die das Arrangement etwas auffrischen und zu denen ich auf der Tanzfläche meinen Hintern bewegen kann. Humor spielt dabei immer eine wichtige Rolle. Die Titelbezeichnung bezieht sich dabei immer auf eine Figur in meinem eigenen Klangsport.

Was verleitet dich zu den Titeln?

In den meisten Fällen entsteht erst mal der Track und danach der Titelname. Bei dem Stück “Salti Tutti” allerdings war es umgekehrt, der Name bedeutet “Lustiges Durcheinander” und ist eine bekannte Clowns-Figur beim Zirkus. Auf dem Album gibt’s tatsächlich drei Figurennamen, die allgemein bekannt sind. Alle anderen sind meine Erfindungen. Ansonsten überlege ich meistens, welches Element mich persönlich an einem Stück am meisten packt, und versuche daraufhin, daraus ein Thema bzw. den Titel zu kreieren. Bei dem Stück “Glücksbotenstoff” war es z.B. die fröhliche Melodie, die Glückshormone in mir auslöste.

Was würdest du sagen, wenn man deine Musik als Minimal bezeichnet?

Aufgrund der Vielschichtigkeit von “Akrobatik” kann man sicherlich nicht von einem im klassischen Sinne typischen “Minimal Techno Album” sprechen. Jedoch würde ich es trotzdem gerne in diese Schublade katalogisieren, da ganz klar die “Minimal”-Ästhetik zu hören ist. Natürlich liebe ich auch Stücke, die nur aus einer Subbassline und einem fetten Beat bestehen und nix mehr. So wird vielleicht das nächste Album klingen. Zum Zeitpunkt der Arbeit an “Akrobatik” war jedoch die Eleganz der Verspieltheit meine Haubtdirektive.

Was war bisher der Moment, an dem du sagen würdest, das ist mein größter Erfolg mit Musik?

Als ich mit 14 Jahren meinen ersten Song mit 3 Akkorden auf der Gitarre komponiert hab und dafür ein Lächeln eines hübschen Mädchens geschenkt bekam.

Hast du so etwas wie ein musikalisches Credo?

Als mein generelles musikalisches Credo gilt es, jedes Stück mit einer gewisse Soundeleganz und Funkyness zu verzaubern. Egal ob es für die Tanzfläche oder als Warm up gedacht ist.

Hast du sehr viele Skizzen rumliegen, die nie zu wirklichen Tracks werden?

Oh ja, viel zu viele. Im Moment versuche ich mich eher davon zu trennen, da man ja immer wieder dazu neigt, an den alten Sachen herumzubasteln und die Idee dahinter noch mal aufzugreifen. Diese Arbeitsweise ist aber sehr müßig, da man nie wieder richtig den Augenblick und den Geist, an dem die Idee entstanden ist, aufgreifen kann. Die beste Arbeitsmethode ist die, bei der ein Stück sehr schnell in einem Flow entsteht, ohne dass man noch einen Monat danach daran herumbastelt. So kann man seine augenblickliche Stimmung am besten ausdrücken.

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Elektronische Lebensaspekte.