Pixelfonts sind zum unentbehrlichen Standard für gute Websites und Flashprojekte geworden. Damit das auch weiterhin so bleibt, arbeitet der Designer Craig Kroeger seit zwei Jahren an immer wieder neuen Schriften. Warum Bauhaus und LCD zusammengehören, erzählt er im Interview.
Text: marcus hauer aus De:Bug 58

Das minimale Pixel

Wenn Retro auch eine positive Seite hat, dann sicherlich im Zusammenhang mit dem Pixelkult der letzten Jahre. Wurde doch auch immer zwischen all dem 80er Konsolen-, Amiga-, C64- und Spielhallen-Schick auch das gefunden, was man Zukunft nennen darf. Pixelfonts sind genau das. Etwas, dass zwischen Not und Mode geboren wurde. Diese Schriften werden entwickelt, um zu verhindern, dass sie unscharf auf dem Bildschirm wieder gegeben werden, und möglichst so klein sind, dass man große Menüs damit bestücken kann ohne den halben Bildschirm damit zu füllen. Teilweise steckte auch ein Retrofuturismus dahinter, indem Nerds versuchten all ihre alten Computerschriften in die neue Web- und Flashwelt zu retten. Ganz wichtig dabei, dass hier kein Imperium oder eine Technologie dahinter steckt, sondern viele Webdesigner einfach irgendwann meinten, sich eine eigene Screenschrift bauen zu müssen und ganz nebenbei immer mehr große Companies diese kostenlosen Gadgets benutzen. Auf der anderen Seite entwickelt die Industrie immer ausgefeiltere Antialiasing Techologien, um Schriften auf dem Bildschrim immer perfekter aussehen zu lassen. Neueste Entwicklung hier ist Microsofts “ClearType” Technologie für “Windows XP”, die allerdings nur auf Laptops funktioniert.
Eine der wichtigen Sites für Pixelschriften ist miniml.com. Dessen Betreiber, der 27-jährige Craig Kroeger aus Milwaukee, gibt Auskunft über Pixel und Schnitte.

DEBUG: Wann hast du damit begonnen Pixelfonts zu machen und warum?
CRAIG: Ich habe im Herbst 2000 damit begonnen, zur gleichen Zeit, in der ich mich mit den Untiefen von Flash beschäftigt habe. Ich kam nicht damit klar, Typo in Flash zu benutzen, weil mich das Antialiasing gestört hat. Eigentlich waren es also nur persönliche Gründe. Plötzlich merkte ich aber, dass viele Leute an derselben Sache arbeiteten. Das Merkwürdige daran ist, dass ich seitdem noch keine Zeit hatte, überhaupt mit Flash zu arbeiten, weil ich ständig damit beschäftigt war, neue Fonts zu bauen.

DEBUG: Hattest du eine Vision im Kopf, als du dich daran versucht hast, und hattest du Einflüsse?
CRAIG: Mein wichtigstes Anliegen war, zu einem besseren Design beizutragen, dabei war mir nicht klar, dass ich etwas so Einflussreiches mache, als ich damit begann. Das Beste daran ist, dass die Schriften das Nebenprodukt einer Idee von ästhetischem, funktionalem Design sind, wodurch sich Leute zusammen finden. Diese Ideen haben einen starken Bezug zur Idee des Bauhaus – von der Wahrheit zum Medium. In meinem Fall ist der Bildschirm das Medium und das Pixel die Wahrheit. Außerdem bin ich extrem beeinflusst von den Zielen der “De Stijl” Bewegung, speziell Mondrians Arbeit. Der Bildschirm gibt mir eine noch höhere Präzision, und viel wichtiger ist mir, damit eine weltweite Nutzerschaft anzusprechen.

DEBUG: Wie lang brauchst du ungefähr für das Realisieren deiner Schriften?
CRAIG: Meist zwischen zwei bis sechs Wochen, es kommt natürlich darauf an, wie ähnlich die Schrift einer vorherigen ist. Die eigentliche Arbeit ist ziemlich ermüdend, aber danach, wenn ich das Resultat sehe, bin ich wieder mit mir versöhnt.

DEBUG: Wird es noch mehr Pixelfonts in Zukunft von dir geben?
CRAIG: Ich arbeite eigentlich immer an neuen. Vielleicht bin ich ja Ende dieses Jahres ausgebrannt, aber zur Zeit fühle ich mich noch gut.

DEBUG: Würdest du auch eine Schrift für den Druck entwerfen?
CRAIG: Wer weiß, vielleicht wenn ich älter bin. Ich sehe aber zur Zeit keinen Grund für noch mehr Drucktypo. Print wirkt zur Zeit immer so unordentlich und ungenau auf mich. Der LCD Screen hat mich verdorben.

DEBUG: Was machst du eigentlich noch neben dem Produzieren von Pixelfonts?
CRAIG: Ich arbeite an einer “PocketPC” Flash Version des “Tao De Ching”, ein weiterer wichtiger Einfluss auf meine Philosophie. Außerdem mache ich Musik für Websites, im Moment gerade für Richie Hawtins neue Seite, was hoffentlich ein nettes Projekt wird.

DEBUG: Wann wird man sie online bewundern können?
CRAIG: Wenn alles gut geht ab 1. Mai.

DEBUG: Was ist dein Alltime Favourite Pixelfont bzw. Font?
CRAIG: Die “Helvetica”. Nichts ist so perfekt neutral. Wenn es nach mir ginge, wäre alles in “Helvetica” gesetzt. Es ist mir egal, wenn es langweilig aussieht.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.