Elektrobooty mit Neon-Arsch vom Kratzbürsten-Flygirl
Text: Jan Kage aus De:Bug 119


Die Französin Missill steht in den Startlöchern, um in ihren knatschbunten Sneakern Uffie vom Thron des Kratzbürsten-Flygirls zu stoßen. Auf ihrem Album sprayt sie dem Elektrobooty einen neonfarbenen Arsch.

Missill hat ihr Debütalbum “Targets“ im Alleingang gemacht: Die Musik und die Grafik, kleine Piktogramme für sich und ihre Featuregäste folgen alle einem Gesamtkonzept. Missill steht ständig unter Strom. Und weil sie immer hyperaktiv unterwegs ist, nannte sie einer ihrer Freunde irgendwann Missill. Nur logisch, dass sie ihr Album “Targets“ nennt: Die Rakete braucht ein Ziel.

“Man muss eklektisch sein, um es zu mögen“, erzählt sie mir im Interview. Der Spannungsbogen des Albums ist so aufgebaut wie der ihres DJ-Sets im Berliner Tresor: Es fängt mit elektronischem HipHop an und wandert dann über Elektrotunes zu Baillefunk und Bootybass. Ihre Gäste kommen wie ihre musikalischen Einflüsse auch aus der ganzen Welt: Blu Rum aus den USA, Junior Red aus Jamaika und Edu K aus Brasilien, Jahcoozi ist aus Deutschland:

Missill: Durch meine Reisen habe ich viele Leute kennen gelernt. Die anderen habe ich über Myspace kontaktiert. Ein Jahr ohne Pause habe ich an der Platte gearbeitet. Ich bin sehr zufrieden. Denn eigentlich bin ich ja DJ und nicht Produzentin. Es war so toll, dieses Album zu machen, weil ich da alles auf einmal tun konnte. So habe ich fünfzehn Stunden an einem Track gearbeitet und dann das Grafikdesign gemacht oder übers Konzept nachgedacht und dabei nie geschlafen. Die Idee ist es, alles zusammenzupacken: Die T-Shirt-Missill, Sneaker-Missill, die Characters für die ganzen Features. Wir werden ein Videospiel machen, dann mit Japanern einen Filmclip. Es ist eine ganze Welt, meine Welt. Ich brauche einfach jede Möglichkeit, um mich auszudrücken. Darum denke ich mir auch den ganzen Tag über neue Sachen aus. Beim DJing vor allem neue Styles. Ich denke immer an neue Techniken. Ich brauche das, sonst werde ich traurig.

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Missill scheint ständig unter Strom zu stehen. Sie redet schnell und wenn sie auflegt, dann unter vollem Körpereinsatz. Sie tanzt und hüpft hinter dem Pult, rappt und singt für sich selbst mit, gestikuliert und reißt die Regler runter, um das Publikum aufzufordern, endlich aus dem Arsch zu kommen. Sehr hiphop, die Attitüde, und sehr natürlich dabei.

De:Bug: Wie bleibt man bei so viel Tatendrang auf dem Boden?

Missill: Ich muss kiffen! Wenn ich morgens nicht rauche, komme ich nicht klar. Das ist beim Musikmachen wie beim Grafikdesign: Wenn du nicht rauchst, wirst du bei diesen Tätigkeiten dumm.

De:Bug: Was kommt jetzt, nachdem du dein Album fertig hast? Was sind die Ziele für die Missill/Rakete?

Missill: Ich will beim Liveset die Visuals am Start haben und alle Elemente zusammenbringen: Cartoon, der animierte Film, die T-Shirts, die Sneaker, das Programm, damit sich jeder die Character bauen kann, die USB-Toys, die Toys selber, die Slipmats usw. Und das ist noch nichts! Ich habe noch unendlich viele Ideen. Ich glaube, die Leute mögen diese Welt. Es ist nicht nur die Musik, sondern auch das Artwork. Ich glaube, es ist gut, alles zu geben, was man hat. Hast du die Picturedisc auf meiner Myspaceseite gesehen? Die war nach drei Tagen ausverkauft!

Das kann man ihr für das durchaus gelungene Debutalbum auch nur wünschen. Bis dahin wird Missill weiter durch ihren Kosmos düsen und alle Leute, die sie trifft, mit einbauen. Als kleines Piktogramm mit dem Titel: “Don’t f..k with …“.

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Elektronische Lebensaspekte.