Missy Elliott hat sich mit Adidas für eine neue Bekleidungslinie zusammengeschlossen. Unter dem Namen "Respect ME" können Frauen ab November auch in Europa Sneaker, Hosen, Jacken, Hoodies, Tops und Accessoires mit Missy-Verzierungen erstehen. Urban, sportlich, vom Block inspiriert und für alle da, so das Motto von Respect M(issy)E(lliott).
Text: Clara Völker aus De:Bug 86

REEEEEEMIX

Waren die Dunks, die Missy auf dem Cover von “Under Construction” trug, ausschlaggebend? Zwar war der Swoosh geschickt retuschiert, deutlich war es aber trotzdem auf den ersten Blick: Nike. Und das, obwohl das Album so sehr auf Oldschool getrimmt war. Oldschool? Hätten da nicht eher Adidas an Missy Elliotts Füßen stecken sollen? Oder Pumas? Was ist da schief gelaufen? Nicht viel. (Immerhin waren es keine Reeboks). Im Inneren des Booklets war Missy wieder wie gewohnt in klassischer Adidas-Gear zu sehen. Klassisch nicht erst seit Run DMC die erste Rapgruppe mit Kleidungs-Sponsor war, sondern bereits vor 1986. Style war ja schon immer das fünfte und übergreifende Element im HipHop, egal ob visuell oder akustisch. Und Adidas gehörte, ebenso wie Pumas, Chucks, enge Röhren-Jeans, Trainingsanzüge, Cazal-Brillen, dicke Ketten und bedruckte, schmal geschnittene T-Shirts, einfach dazu. Was die Boombox, der “Ghettoblaster“, für Rap ist, sind Adidas und Konsorten für den modischen Style.

Und jetzt hat Adidas Missy gewonnen. Wohl eher per Scheck als per Los, aber gewonnen ist gewonnen. Und das haben sie definitiv. Schließlich ist Missy eine Stil-Königin und damit die würdigste Nachfolgerin, die sich Adidas für Run DMC hätten aussuchen können. Denn es ist Adidas erster Deal mit einem Nicht-Sportler seit damals, mal abgesehen von den vereinzelten Customized Kicks, die über die Jahre in Geringstauflage die Runde gemacht haben. “Respect ME“ ist groß angelegt und durchdacht. Während Rapper wie Jay-Z oder Puff Daddy ihren Einstieg in die Mode-Industrie gleich mit der Gründung einer eigenen Fashion-Firma feiern, trägt Missy durch ihren Einstieg bei Adidas deren Oldschool-Image profitabel ins nächste Jahrtausend. Die Aura der güldenen HipHop-Zeit schimmert durch und Missys feminine Klasse gibt dem Ganzen den letzten Schliff.

Dass von kommerziell erfolgreichen HipHop-Künstlern inzwischen fast erwartet wird, Mode, Filme oder Talkshows zu machen, ist ja ein alt bekannter Hut. Sängerinnen kreieren Parfum, Eve von Ruff Ryders hat neben einer Talkshow eine Kleidungslinie namens “Fetish” am Laufen, Foxy Brown betreibt eine Pelz-Kollektion. Damit fällt sie allerdings etwas aus dem Rahmen, denn bei den anderen HipHop-Brands geht es eigentlich mehr oder weniger um dasselbe in leichten Abwandlungen: sportliche Eleganz mit Street-Faktor zu einigermaßen erschwinglichen Preisen zu verkaufen und damit gleichzeitig in der Modewelt Fuß zu fassen. Während Ghetto-Kids und Amifans aus unterschiedlichen Gründen schwarze Rap-Designer tragen, schwören Rap-Stars häufig auf renommierte weiße Edel-Designer. Da beißt sich ein ganzer Kreis voller Hunde gegenseitig in den Schwanz. HipHop ist Lifestyle geworden, und was Lifestyle ist, das kann gekauft werden und verkauft sich mit Rappern als Werbeträgern viel besser.

Aber will man Respect ME überhaupt kaufen? Tendenziell: Ja. Denn es sind so unspektakuläre wie coole Sachen dabei, u.a. stylische aber simple Hoodies, basic Basketball-Styles und natürlich schicke Kicks. Respect ME ist in drei Teile unterteilt: “Bass Line” ist die klassischste Linie und vor allem in Sachen Klamotten cool, “Rhythm” hat die besten Sneaker und “Remix” ist die etwas glamourösere Sparte inklusive goldener Jacke. Aber eigentlich unterscheiden sie sich nicht groß, wahrscheinlich dient die Einteilung nur der Bewältigung des immensen Umfangs der Kollektion, von der ein paar Teile, wie die Schnitten-Täschchen und die kniehohen Stiefel, vielleicht eher fragwürdig sind, die aber größtenteils gelungen ist. Natürlich ist Respect ME nur für Frauen da und in den Größen XS bis XXL erhältlich, schließlich weiß Missy aus eigener Erfahrung, wie blöd es ist, nicht in die gängigen Kleidungsgrößen zu passen und trotzdem stylisch gekleidet sein zu wollen. Ein Teil des Erlöses geht übrigens an eine Non-Profit-Organisation für Opfer häuslicher Gewalt. Das Camouflage-Muster basiert anscheinend auf Missy Elliotts Lippen und Augen, auf den Fotos kann man allerdings irgendwie nur Kronen erkennen. Die Missy-Sneaker werden wahrscheinlich am häufigsten zu sehen sein. Es soll ja Menschen geben, die für Turnschuhe töten würden.

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Elektronische Lebensaspekte.