Unbekümmerte Mit-uns-die-Sintflut-Haltung
Text: Jan Joswig aus De:Bug 128


Mirko Hecktor (Hrsg.)
Mjunik Disco, München bei Nacht von 1949 bis heute
Blumenbar

Was für ein Geschenk. Da dachte ich, ich hole mir ein schönes Fotobuch auf meinen Sofatisch. Gestylte Menschen in verschiedenen Graden der Auflösung. Ein historischer Bilderreigen aus einem halben Jahrhundert Die-Sau-Rauslassen in Münchens Nachtleben. Das löst ”Mjunik Disco“ auch perfekt ein. Aber das Buch ist noch viel mehr.

Die Foto-begleitenden Texte sind ein literarischer Spaß sondergleichen. Herausgeber Hecktor bat die Münchner Nacht-Notoriker, saftige Erinnerungen und absurde Anekdoten, Klatsch und Skandalöses aufzuschreiben.

Ob Harry Fürst lakonisch von acht Mark pro Bier im “Why Not“ erzählt: “Das kostete es halt. Das Leben war teuer“, oder Esther Marbach zur “Wunderbar“ konstatiert: “War ja auch egal, aus welchem Grund man sich wegschmiss“, oder Theo Crash stolz von seinen DJ-Sets berichtet: “Ich hab ’Cream live’ gespielt. Das echte Live-Konzert war nicht lauter als der Sound bei mir da drin“, immer baut sich aus Text und Bild ein wunderbar plastischer Insider-Film aus Münchens Nacht vor einem auf. Und Klaus Lemke kommt nur in jedem dritten Bericht vor.

Das Wichtigste hinter all diesen Stories und Fotos ist die Attitude: amüsiert hinein in die Untiefen. Genau wegen dieser unbekümmerten Mit-uns-die-Sintflut-Haltung zieht man die Nacht dem Tag vor. Und wenn man dieses Buch durchblättert, könnte man fast glauben, man hätte München allen anderen Städten vorziehen sollen.

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Elektronische Lebensaspekte.