Das Mobilfon als High Tech-Utensil im Fahndungsalltag: Der Krimi "Infernal Affairs" aus Hong Kong macht vor, wie das Handy salonfähig Dreh- und Angelpunkt in Cop-Filmen wird. Wer hätte gedacht, für welche Spannungsladungen so ein Knochen taugt. Ein auszureizender Höhepunkt kann eben auch sein, wenn im entscheidenden Moment ein sanfter Handyklingelton mit zuckersüßer Melodie die Cops zusammenzucken lässt.
Text: Verena Dauerer aus De:Bug 70

Hellomoto, Motohero und Motopower
Das Handy als Krimiheld in “Infernal Affairs”

“Infernal Affairs” ist ein Glanzlicht mit allzeitigen asiatischen Superstars wie dem alten Haudegen Andy Lau, Tony Leung, Anthony Wong und Eric Tsang. Nach klassischem Muster geht es in dem Good Guy/Bad Guy-Streifen um Freundschaft, Ehre und Verrat. Wichtige Nebenrolle: Das Handy.

Die mobile Option
Wie wichtig ist das Handy, was bedeutet es, so ein glänzend silbernes mit Farbdisplay zu besitzen? Ruhm und Ehre im Gangsterhimmel möglicherweise. So kommt zuerst der Trailer von Motorola als Vorspann zum Film rüber. Er führt in acht Sekunden mehrere Handys ein, die so tun, als würden sie ungefähr alles von willensstark bis triumphal verkörpern: Hellomoto, Motohero und Motopower heißen die neuen coolen Typen von der Motorola-Clique. Die stapfen majestätisch an, als wären sie die Hauptdarsteller. Dazu die Highlights aus dem Film zusammengeschnitten nebst malerischem High Noon auf dem Hochhaus.
Die Welt der Polizei beschränkt sich nun auf Flatscreens, aus der man via Handy kommuniziert. Draußen wechseln/tauschen die Gangster ständig ihre Handies, jedes bedeutet eine Art digitale ID für den einzelnen. Das jeweilige Handy über die Zelle zu finden, in der sich derjenige gerade bewegt, ist so auch eine der Aufgaben der Polizei. Schließlich ist ein Handy immer in der Hosentasche dabei. Es wird sogar zum eingeschmuggelten Unschuldsobjekt, das in der einen Umgebung die Verbindung zur anderen herstellt. Und auf einmal sind die Cops mit den Gangstern handy-vernetzt: Wenn der Cop neben seinem Chef steht und aus dem Überwachungsbüro mit dem Triadenboss telefoniert, um ihm als Nummerncode verschlüsselt den Lageplan für die Razzia durchzugeben, oder an alle GSM-Handys flächendeckend Warn-SMS verschickt. Ansonsten funktioniert die verdeckte Kommunikation tatsächlich ganz oldschoolig per Morseklopfen.

Was wird verhandelt
Verhandelt wird auch ein anderes Netz: Das gegenseitige Aneinander-geknüpft-Sein der Protagonisten, des Cops (Andy Lau) mit dem Triadengangster (Tony Leung). Gut und böse sind nur zwei Möglichkeiten: Beide hatten mal den gleichen Start. Während der eine die Polizeilaufbahn einschlägt und äußerlich ein ordnungsliebender Gutmensch wird, rabaukt der andere bei den Triaden als Assi des Oberbosses. Nur arbeitet der Polizist genauso als Maulwurf für den Triadenboss. Und der Gangster wiederum steckt die Drogenschmuggel-Action seines Bosses dem Kommissar. Und für den arbeitet eben der Polizist. Cop wie Gangster ahnen wenigstens voneinander. Als ein Drogendeal der Triaden platzt, wird klar, dass beide Seiten informiert waren. Die Suche nach den Undercovern beginnt.
Der Cop und der Gangster sind zwei, durch ihr ähnlich gelagertes Sein verbunden, die sich immer wieder begegnen müssen, ob schicksalsfett oder nicht. Erst im freundlichen Austausch, ohne alles voneinander zu ahnen, rollen sie später brenzlig nah aneinander vorbei wie Billardkugeln, die sich knapp verfehlen. Bis sie wuchtig aufeinander knallen, was beide in unvermeidliche Richtungen katapultiert. Fabelhaft ist die Besetzung, die das auf den Punkt bringt: Tony Leung als Gangster guckt mit seinen weichen Gesichtszügen wie ein angeschlagener Struppi, der weiß, dass er zu verwundbar ist für den Job. Andy Lau als Cop mit der weißen Weste, respektive Hemd, hat knallharte Züge und es ist klar: Er wird das oberkorrekte Sein nicht unbedingt aalglatt, aber doch straight und gemein durchziehen.

Zurückhaltende Eleganz
Wie viel stilistische Zurückhaltung verträgt ein Cop-Krimi bei der Action, wie viel Purismus die Kamera? Ziemlich viel. “Infernal Affairs” schaut, wie futuristische Fassaden (vor denen lässt sich entweder gut telefonieren oder oben auf ihnen Hochhausgolfen) und elegantes Design in modernen Settings in einen Film passen, ohne unter dem manirierten Wust blutleer zusammenzubrechen. Der Style will keine Aufmerksamkeit und lenkt alles auf die Schauspieler. Ähnlich ist das mit den Kamerapositionen. Die sind nachdenklich, dezent und trotzdem perfektionistisch durchkomponiert.

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Elektronische Lebensaspekte.