Debug ist so unkritisch Technik affirmativ, da fragen wir doch nicht lange, ob irgendeine Sau jemals diese Zusatzfunktionen brauchen wird, sondern testen schlankweg fünf MMS-Mobiltelefone auf ihre Features, vor allem natürlich die Kamera, Spielkinder, die wir sind. aus De:Bug 70

MMS-Handies im Vergleich
Debug lebt mit den Kleinen für euch

Sony Ericsson T68i

Das einzige mir bekannte MMS-Handy lebt bei meiner Mutter und hängt die ganze Zeit in ihrer Tasche ab, ohne Kamera, die hat sie gleich mal in den Schrank gelegt. Man ist ganz schön allein da draußen mit so einem modernen Teil und weiß auch nicht so recht, was man mit dieser neuen Technologie anfangen soll. Was wohl eine MMS nach Japan kostet? Zu den Menschen, die damit schon umgehen können? Egal, die Kamera sitzt ein bisschen wackelig auf dem Telefon, funktioniert aber immerhin sofort. Die Preview auf dem – eigentlich gar nicht üblen – Display gruselt einen gut und hat den Ruckelfaktor eines Videostreams per 33.6 Modem. Hell sollte es auch sein, weil sonst die Bilder eher wie eine Rauhfasertapete aus dem Gotthard-Tunnel aussehen. Einmal Bilder gemacht, fließen die Daten durch das kleine Teil. Und das dauert. Will man eine MMS versenden, rechnet das T68i erstmal eine Weile rum, bereitet die Daten auf, lässt einen dann Töne und Text hinzufügen, um schließlich alles in der Outbox zu parken. Das hatte ich mir komfortabler vorgestellt. Überhaupt muss man sich ans Warten gewöhnen. Die bunten Icons und die vielen Bilder drücken beim Tagesbetrieb ganz schön auf die Bremse, der fusslige Joystick als Hauptnavigationsinstrument tut sein Übriges. Wer das Jog-Dial von alten Sony-Telefonen gewöhnt ist, zieht hier einen Flunsch. Und sonst? Immerhin soll man mit dem Teil ja telefonieren. Das geht auch, auch wenn die Empfangsstärke im Berliner T-Mobile-Netz ganz schön schwach ist und man sich, wenn man lange nicht mehr angerufen wurde, davon überzeugen sollte, ob man überhaupt Empfang hat. Ich war während der Testphase ganz schön oft im Funkloch. Die Klingeltöne sind zu hochfrequent, dafür schüttelt der Vibrationsalarm ganz ordentlich.
Eigentlich ein schönes Telefon, doch doch, ich glaube einfach, ich brauch solch neumodischen Kram einfach nicht. Was? Ob ich dann eine MMS verschickt habe? Nee, ging nicht. Nach zehn GPRS-Fehlermeldungen hab ich es aufgegeben.

Thaddeus Herrmann

Servicepoint T68i
Preis ohne Vertrag 369 Euro (ohne Adapter)
Bluetooth™ Schnurlose Technologie
Integriertes Modem
E-Mail (POP3 und IMAP4)
MMS
Synchronisation mit dem PC (mind. Win 98, NT4.0, 2000 oder WinME)
GPRS

Sony Ericsson T300
MMS-Mobiltelefon mit externer Kamera und Infrarotschnittstelle

Style:
Das T300 ist mit vollster Absicht ein sachlich diskreter Rechteckklotz im Bantam-Gewicht ohne Jugendstil-verkrampfte Schwellungen oder Einschnürungen, ohne exzentrische Dynamiken und fitzelige Manierismen. In der “Termine”-Rubrik führt er das anrührend puritanischste Herz-Symbol. Ein Mobiltelefon ist ein Werkzeug, kein Schmuck, ruft es einem in bestem Arts & Crafts-Selbstbewusstsein zu. Ein Telefon zum Anpacken, das schon äußerlich in sich selbst ruht. Alle nüchternen Tatmenschen danken es.
Jetzt müssten nur noch die Kindergarten-Ikons im Eröffnungsdisplay darauf abgestimmt werden.

Moves:
Ein Daumen und zwei Tasten reichen aus. Mit dem Joystick kurvt man durchs Menü und hüpft per Knopfdruck in die Unterabteilungen. Mit der “No”-Taste macht man den oder die letzten Hüpfer rückgängig. Die Sortierung in die Einzelrubriken wie Telefonbuch, Organizer oder Spaß & Spiele leuchtet auch dem bockigsten Antilogiker intuitiv ein. Schade nur, dass man nicht mehr mit so unschlagbarer Nonchalance mit einem Streich ein Gespräch annehmen und die Tastensperre lösen kann wie bei den Sony-Vorgängermodellen mit der Mikrofon-Klappe und dem Mikrofon-Bügel.

Kamera:
Unter Spaß & Spiele findet sich die CommuniCam. Mit der Platzierung der Kamera-Funktion unter Spaß & Spiele stellt Sony Ericsson den Stellenwert gegenüber den “seriösen” Kommunikationsformen wie Telefonieren oder SMSen von vornherein klar. Die CommuniCam als Funtool. Entsprechend lustig ruckelt der Bildausschnitt im Sucher. Ist das Motiv aber einmal fixiert, kann man es ohne Auslöseverzögerung knipsen: Schnappschuss-tauglich. Allerdings sollte man zur Sehschulung gezielt Kunstausstellungen zum Thema figurative Abstraktion besuchen. Im besten Fall sieht die Pixelsuppe nach nachkolorierten Gerhard Richters aus. Da nützt auch alles Nachkontrastieren nichts. Im größten Format 640 x 480 Pixel lassen sich zehn Bilder speichern.
Toller Zusatz: Man kann die Bilder einzelnen Telefonnummern zuordnen, so dass sie beim entsprechenden Anrufer auf dem Display erscheinen. Bulldogge knipsen und zur Vermieter-Nummer addieren, beispielsweise.

Ein Rat für Genießer:
Man stelle den Vibrationsalarm aus, wenn man das Telefon beim Baden auf den Wannenrand legt. Und schwupps, da war es ein Testgerät weniger …

jan joswig

Servicepoint T300
Extras: Preis ohne Vertrag 279 Euro
Display: Vollgrafisch, Farbdisplay, 256 Farben
MMS
GPRS

Ein Wochenende mit Siemens S 55
MMS-fähiges Handy mit Kameraadapter

Der erste Kontakt mit dem recht konventionell dreinblickenden Siemens S 55 löst zwar keine Begeisterungsstürme aus, angenehm funktional besteht es aber die harten Praxistests, denn eine problemlos einsetzbare und umso schwieriger wieder auszubauende SIM-Karte verlangt kein seitenweises Studium der Bedienungsanleitung. Als nach einigem Zögern der On-Schalter gefunden und das SIM-Kartentelefonbuch übertragen ist, aber die erste Enttäuschung: Die lieben Freunde bleiben auf dem Telefonbuch meines guten alten Nokia-Knochens. Schock, und das am Wochenende, keine Nummern, keine Freunde, kein Weggehen? In der Gewissheit, ein einsames Wochenende am Schreibtisch mit meinem Testkamerahandy zu verbringen, starte ich mit gemischten Gefühlen samt Handy und Fahrrad in den Freitagabend. Dann die erste Stresssituation und wirkliche Bewährungsprobe: Handy vibriert in der Tasche. Einhändig radelnd und in der Jeanstasche kramend, kostet es einige Fingerübungen und Ausweichmanöver, dieses surrende Kleinod ans Ohr zu befördern. Problemlos den Annahmeknopf gefunden dank guter Eindaumenbedienbarkeit ist der Abend gerettet. Juchu. Aber testen wollen wir ja diesen Kameraadapter. Die zunächst sinnvolle Idee, Kamera (im mitgelieferten Case) und handlich kleines Handy zu trennen, lässt den Kameraadapter leider etwas stiefmütterlich zum bloßen Gelegenheitsanstecktool verkommen. Optisch einer konventionellen Kamera in Miniatur nachempfunden, gibt’s fürs klobige Design Abzüge. Hat man sich durchs Menü geklickt (Verständlichkeitsgrad in Ordnung, auch wenn es nicht ganz ohne Blick in die Bedienungsanleitung geht), bleibt die Frage nach dem Auslöser, der nach einigen Fehlversuchen für 8 grobgepixelte Fotos sorgt. Je nach Auflösung (160×120 bis 640×480 Pixel) sind die Bilder als .jpg abspeicherbar. Mit Fingerfertigkeit ist der Auslösemechanismus zu bedienen, weshalb man für Schnappschüsse das S 55 nur seitlich und mittig anfassen sollte. Die mehreren Auslöseknöpfchen sind schnell versehentlich gedrückt. Will ich spontan Bilder machen und war vorher so spontan, den Kameraadapter angesteckt mitzunehmen, kann das einen zu spontanen User eventuell überfordern. Ansonsten verfügt das S 55 über viel Nützliches (Datenverbindung zum Computer: Bluetooth, sehr gut), Standardmäßiges (Telefonbuch, Organizer etc.) und unnötigen Schnickschnack (Surf & Fun mit Wap). Die Verschickung per MMS scheitere aber leider an meinem Netzanbieter. Schade. Nach einem semispaßigen Wochenende mit grundsolider Handyexperience gab’s zum Abschied allerdings noch einen Tritt vors ästhetische Schienbein: Schaltet man das Handy aus, sieht man esoterische Delphine, die unter der Überschrift ”mysiemens.com” dem Sonnenuntergang nachjagen. Huh.

sami khatib

Servicepoint S 55:
Max. Auflösung: 640 x 480 Pixel
Preis ohne Vertrag: 429 Euro
Bildformat: JPEG
Datentransfer zum Computer: Bluetooth, Infrarot-, USB- und RS232-Schnittstelle
Gewicht: 85g ohne Adapter
MMS, Fax , Email
Unterstützung von GPRS

MOTOROLA T720i

Wer hat sich das eigentlich ausgedacht, Mobiles Autonamen zu geben? T720i heißt es also, mein kleines handliches Test-Klappmodell mit aufsteckbarer Drehkamera. Das Design oszilliert zwischen Miami Vice und Raumschiff Orion, je nachdem was gerade aufsteckt oder zuklappt. Aufgeklappt und eingeschaltet muss man ein wenig warten und weiß direkt, was als nächstes zu tun ist: Unbedingt das animierte Raster mit Frau, das beim Systemstart herumflackert, ausschalten – bloß wie? Bei dem Blick in die Einstellungsoptionen wird einem schnell vor Augen geführt, dass sich da ein OS hinterm Display verbirgt, das auch nicht mehr so weit von Computer-O.-Systemen entfernt ist. Die Icons auf dem weißen Hintergrund sehen schon viel mehr nach Desktop aus, unter Personalisieren kann man Hintergrundbilder und Screensaver einstellen, Displayfarben ändern und seinen eigenen Begrüßungstext eintippen. Hey, super.
Die Kamera findet sich einleuchtend unter Spiele in der Java-Rubrik. Huch, und da sagt das Display schon wieder: Bitte Sim-Karte einlegen. Ob das wohl der Text meines Screensavers ist? Oder ist mein Testgerät schon alt und vergesslich? Ausschalten und wieder Anschalten hilft jedenfalls. Das Kamera-Preview in Sepia-Farbtönung mit Bewegungsunschärfe und funky Pixel-Verzögerung lässt jedenfalls jedes Lomo-Lofi-Herz hüpfen. Sehr sinnvoll auch das simulierte Klickgeräusch, damit man weiß, wie lang man stillhalten muss. Für wenig Licht gibt es eine eigene Einstellung, die alles etwas aufhellt, und die weiße Tastenbeleuchtung, die sich im Dunkeln automatisch einstellt, lässt auch noch mal höher hüpfen. Photo geklickt, dann speichern oder löschen. Speichern kann man in den Größen Normal (320*240 Pixel) und in Klein (160*120 Pixel) bis zu 48 Photos. Verschicken geht auch ganz leicht, aber wie das Bild auf meinem iBook aussieht, kann ich leider nicht sagen: Es ist nie angekommen. Fängt man an herumzuexperimentieren, entdeckt man noch einige nette Sonderfeatures wie den automatischen Weißabgleich und das drehbare Kameramodul, mit dem man sich komfortabel selbst photographieren kann, dank 180 Grad Winkel.
Eigentlich sieht man sich aber ohnehin dauernd selbst, wenn man in Richtung Display guckt. Wofür dieser Spiegelrahmen ums Display gut ist, leuchtet mir auch nach drei Tagen noch nicht ein. Eine Möglichkeit, unauffällig jemand zu beobachten? Nein: Es fällt auf. Gut aussehen? Mmh, nein, tut es nicht. Zum Lidstrich, Lippenstift, irgendwas nachziehen? Nein, nein, nein. Aber gut, man muss ja nicht alles verstehen – einfach wieder zusammenklappen, einpacken und hoffen, dass es Menschen und Sim-Karten findet, die sich damit anfreunden.

karen khurana

Servicepoint T720i

Preis ohne Vertrag: 399 Euro
Extras:
Farbdisplay (außen, 96×32 Pixel)
Java-Technologie (Java2MicroEdition)
MMS
GPRS
Farbdisplay mit 4096 Farben

Nokia 7650

MMS-Mobiltelefon mit integrierter Kamera, Infrarot und Bluetooth.

Es ist groß, es ist schwer, es ist robust. Ich mag solides Arbeitswerkzeug.

Die SIM-Karte ist flink eingesetzt, obere und untere Handyhälfte gegneinander verschieben und einschalten – auf dem großen beleuchteten Vollgrafik-Farb-Display darf man die obligatorische Nokia Händeschüttel-Animation bestaunen. Die komplette Navigation läuft fast ausschließlich über einen Miniatur-Joystick ab, der alle 4 Himmelsrichtungen bedient. Das funktioniert erstaunlich exakt, liegt aber vielleicht auch an meinen zarten Pianistenhänden. Die im unteren Bedienteil versteckte Tastatur hat an sich ein gutes Abstandsverhältnis der Tasten zueinander, ist aber nicht griffig genug. Die Tasten ragen millimeterfein über die Grundfläche hinaus. Dafür kann man locker mit 2 Fingern darauf rumfummeln. Gespräche können sowohl via Joystick, den beiden Menütasten oder der Gesprächsannahmetaste vom Tastaturblock angenommen werden. Ärgerlich ist, dass die beiden wichtigsten Tasten Annahme und Auflegen ebenfalls so klein und ungriffig sind – auch wenn sie eher eine sekundäre Rolle spielen. Die Foto-Funktion ist schnell und leicht zu finden, eigentlich kann man sofort loslegen, wenn das Nokia im Stand-by-modus ist. Drei verschiedene Bildauflösungen (max. 640×480 Pixel) sind wählbar, das Display funktioniert als Kamera-Sucher, der Joystick als Auslösebutton mit Kameraauslösegeräusch-Sample.
Die Bildhelligkeit kann man mit dem Standard- oder Nacht-Modus beeinflussen.
Die weitwinklige Optik ist auf der Telefonrückseite zu finden, bei eingeschobener Tastatur ist sie verdeckt. Selbstportraitierbarkeit ist durch einen focus-mindestabstand von 30 cm ganz ordentlich.
Im normalen Telefonbetrieb grabbelt man mit seinen Fettfingern gerne mal über das Objektivfenster, ein Garant für kreative Bildmanipulation.
Zum Versand von Fotos als MMS-Nachricht benötigt man eine SIM-Karte von T-Mobile oder Vodafone-D2, da die anderen Netzanbieter den Versand von Multimedia-Mitteilungen noch nicht unterstützen. Nach erfolgreicher Einstellung des Nokia 7650 mittels Konfigurations-SMS über Vodafone-Online, war der Versand von Foto-MMS an ein Sony-Ericsson T68 und an einen ordinären Email-Account kein Problem. Genauso reibungslos funktioniert der Datenaustausch über die integrierte Bluetooth Schnittstelle mit einem Apple Computer unter OS X.

fred kornfogel

Service point Nokia 7650

Preis ohne Vertrag: 599 Euro
Extras: Beleuchtetes, hochauflösendes Vollgrafik-Display mit 4.096 Farben
Grafische Benutzeroberfläche
Joystick mit 5-Wege-Navigation
MMS, E-Mailintegrierte digitalkamera, VGA-Auflösung (max. 640 x 480 Pixel)
Infrarot
Bluetooth
Symbian OS
Unterstützung von MIDP Java™-Technik, GPRS, HSCSD

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Elektronische Lebensaspekte.