Text: Fee Magdanz aus De:Bug 19

Mode 2000-1 Mit Fellchen und Miu Miu-Schuhen zum großen Millenium-Ball Fee Magdanz kalkfee@netcologne.de Der Glamour der Traditionen Lange Zeit war er verpönt, doch jetzt findet man ihn überall. Der Pelz ist wieder da. Vor allem traditionsschwangere Labels wie Dior oder Chanel treiben seine Renovation zum “must” 1999 voran. Zuletzt begegneten uns Tierfelle in Gestalt großangelegter Kampagnen gegen das Tragen echter Pelze und demonstratives Ausweichen der Designer (und der Models) auf seine politisch korrekteren Pendants wie den Webpelz. Es war der Pelz schick, der bewußt nicht echt aussah (und war). Nun ist er umso schicker, wenn er echt ist; und lediglich ein falsches Fell, das auf den ersten Blick nicht zu entlarven ist, ist ein guter Fake-Fur. Mit der Rückkehr zum Statussymbol Pelz betritt die Besinnung auf traditionelle Werte, gepaart mit einem wieder erstarkten Wohlstandsdenken weiträumig das Parkett der Mode. Phänomene, die man sonst nur aus der Münchner Vogue für die Neureich-Schickeria kannte, sind wieder in. Klassische Sozialkonstrukte wie Familie und Abstammung werden hochgehalten und von den Hochglanzmagazinen jeglicher Fa?on in Gestalt von Lifestyleberichten mit entsprechendem ideologischem Überbau versehen. Auch die Möbelindustrie besinnt sich dieser Tage auf das konservative Ambiente, schafft wohligen Raum für das sich Einrichten und Zurückziehen im Kreise der Familie. Ist das die Angst vor der Jahrtausendwende? Autsch, 2000 Ist dieser Wandel nichts anderes als die Angst vor Veränderung, angesichts eines ach-so-signifikanten historischen Ereignisses: das Jahr 2000? Wir stehen genau 11 Monate vor dem Termin, der nicht nur die Nationen schon seit Jahren mit Planungen gefangen hält, wie und vor allem mit welchem Kostüm man das Fest begehen will. Die Vorstellung davon, wie das Morgen auszusehen hat, variiert natürlich: auch unter den Modemarken. Wenn die traditionellen Häuser alte Wertvorstellungen, die sie mitgestalteten und mit denen sie jahrelang ihr Brot verdienten, wiederauferstehen lassen, ist das auch Ausdruck von Angst vor dem Machtverlust angesichts des Generationswechsels innerhalb der Modewelt. Die Rückkehr zu einem Traditionalismus ist nichts anderes als der Versuch, noch einmal Einfluß zu nehmen, noch einmal die eigene Machtposition zu manifestieren. Technik vs. Glamour Sicherlich werden Firmen wie Dior oder Chanel noch lange ein Gros der zahlungskräftigen Modekundschaft bedienen, doch klopft die Ablösung schon längst an der Tür. Und zwar in Gestalt zahlreicher “Junglabels”, wie Prada, Calvin Klein oder Helmut Lang, deren Kollektionen zum Wechsel durch zurückhaltende Farbgebung, klassische, aber nicht altbackene Schnitte und vor allem durch die Verwendung von Outdoor-Fashion orientierten Stoffen charakterisiert sind. Nicht, daß die Wertvorstellungen hier unbedingt weniger luxuriös sind und in ihnen nicht genauso der Wille zur Macht steckt. Nur betreiben sie mit ihren Entwürfen eher eine Art Understatement-Politik: Ebenso teuer, aber der Inhalt ist nicht ganz so plakativ. Mit den schlichten, scheinbar funktionalistischen Modellen für den auch werbeagenturkompatiblen Alltag, sprechen sie vermehrt die jüngere Generation eines Modecitoyens an, dessen ebenso traditionsverhaftete Vorstellung von Familie beispielsweise eher in einem großen Bund von Bekannten seinen Ausdruck findet. Der Status wird schon ewig nicht mehr durch die Geburt oder Geld allein mitgeliefert, sondern durch den Hippness-Stellenwert, den man in der Gesellschaft bezieht. Und auch wenn sie hierzulande nicht als solche respektiert und gefördert wird, ist Mode schon immer Teil unserer Kultur. Daß sich ihre Macher als Produzenten einer solchen verstehen, belegen zahlreiche, schon ausgearbeitete Bezüge zur Kunst. Namen wie der gute alte Martin Margiela oder Alexander McQueen stehen für ein Selbstverständnis des Designers als Künstler. All diese Tendenzen ebnen den Weg für Neuerungen, die bei anderen Konsumgütern schon eingetreten sind: Zukunft. Zukunftstechnologisch orientiert wird Mode auch die Angst vor diesem Neuland abbauen. Das Label Prada mit seiner Tochter Miu Miu, die ja auch für Normalsterbliche erschwinglich ist, greift bei uns schon jetzt mit seinen innovativen Kollektionen viel vorweg. Gerade Produkte wie die “Mousepadähnlichen” Miu Miu-Turnschuhadaptionen verraten uns schon heute, was wir 2000 tragen werden: Kapuzenpullis mit integrierter Heizung, die einem im Winter das leidige Einmummen ersparen; Uhren, die einem das Wetter von morgen vorraussagen; Rucksäcke mit Minidiscplayern oder aber auch Schuhe, die einem den Weg verraten. In der nächsten De:Bug folgt ein Roundtable mit Journalistinnen, Modemacher(in)n(en) und Stylistinnen zu der Frage, wie die Mode morgen aussehen könnte. Mit dabei: Wearables, Historismus in Deutschland, marktwirtschaftliche Veränderungen, Trendpolitik und vieles andere mehr. Bis dahin. ZITAT: Produkte wie die “Mousepadähnlichen” Miu Miu-Turnschuhadaptionen verraten uns schon heute, was wir 2000 tragen werden

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Elektronische Lebensaspekte.