Wearables müssen nicht immer aufwendige Brillen gefüttert mit unbezahlbarer Hochtechnologie sein, die einen aussehen lassen, als wäre man der neueste japanische Roboter. Die Designerin Despina Papadopoulos hat einfache, aber präzise Technologie zu einem kommunikativen Schmuckstück umgesetzt. Sabine Seymour stellt sie vor.
Text: Sabine Seymour aus De:Bug 70

Diffus durch die Dunkelheit leuchten
Ein Wearable als Schmuckstück

“The only new work you can do in fashion is via technology. It lets you create something you couldn’t have done in the past.” Hussein Chalayan

Despina Papadopoulos spezialisiert auf die Entwicklung von Konzepten und Erfindungen rund um so was wie “Emerging Technologies”. Die gebürtige Griechin gründete 1997 dafür die Technologieschmiede 5050ltd (www.5050ltd.com). Ich kenne sie schon, seit wir beide am Interactive Telecommunications Program (www.itp.nyu.edu) an der New York University waren; das war Mitte der 90er. Man begann, Mode und Technologie miteinander zu verbinden. Despina Papadopoulos’ Arbeit ist von diesen Erfahrungen beeinflusst – dort arbeitete sie mit “NCR’s The Knowledge”-Lab am so genannten “mbracelet”. Das ist ein Armreifen, der zuerst für finanzielle Transaktionen am Bankomat gedacht war und dann mit zusätzlichen Kommunikationsfunktionen für Teenager ausgestattet wurde, nachdem der “User Research” dies vorschlug.
Herausstechend aus den Ergebnissen dieser Arbeit war das Kollaborationsprojekt von 5050ltd mit As Four, einem Designerlabel in New York, das zu den “Courtly Bags” führte. Die Bags verwenden einen Infrarot-Transmitter, einen Receiver, einen Minilautsprecher und einen Micro-Controller für die Kommunikationselemente, außerdem gibt es Super-Flux-LEDs für das Display. Wenn sich zwei Taschen treffen, leuchten beide Taschen auf – ein wunderbarer Effekt in der Nacht oder in der dunklen Bar.
MOI ist Papadopoulos’ neuestes Projekt, das seit letztem Jahr auch “gekauft” werden kann und von 5050ltd produziert wurde. Mit MOI geht sie gleichzeitig einen Schritt zurück bezüglich der technologischen Integration, aber auch einen Schritt vorwärts, indem sie ein “Wearable Jewelry” zum Verkauf anbietet. Die Verwendung eines LED und einer Batterie für ein Modestück scheint bizarr, aber es funktioniert. LEDs sind billig, brauchen wenig Energie und halten sehr lange. Somit sind sie die ideale Zutat für ein Juwel, das man auch lange verwenden will. Und die Batterie kann nachgekauft werden.
Laut Despina war trotz der “Einfachheit” von MOI der Produktionsprozess langwierig und oft frustrierend. Denn die neuartige Verwendung muss mit Zulieferern, Technikern und Ingenieuren diskutiert werden. Doch das viele Hin und Her hat sich gelohnt.

DEBUG: Ist MOI wirklich ein Wearable?
DESPINA PAPADOPOULOS: Der Begriff Wearables wurde von Leuten wie Steve Mann in den 80er-Jahren populär gemacht, als er damals am MIT (www.mit.edu) seine ersten Projekte startete. Die Verwendung der “Desktop Metaphors” in Verbindung mit Wearables war ein typisches Charakteristikum der ersten Experimente und führte dazu, dass Wearables ästhetisch unattraktiv und wenig ergonomisch waren.
Die neue Generation von Designern und Forschern sind bedacht, den Fokus hier sowohl auf die Technologie als auch auf die eigentliche Verwendung und das Design zu legen. Wearables werden getragen und sind damit automatisch ein Teil unseres Erscheinungsbildes.

DEBUG: Was ist die Idee hinter Moi? Erklär doch mal euren Design-Prozess.
DESPINA PAPADOPOULOS:
Wir arbeiten seit 8 Jahren im Bereich des Wearable Computing und wollten immer ein Produkt entwickeln, dass unsere Beziehung zur Technologie, Kommunikation und zu Leuten einfasst und zeigt, wie flexibel Technologie sein kann. Außerdem wollten wir etwas entwickeln, dass einfach genug ist, dass wir es selbst finanzieren können, ohne Fremdkapital.

DEBUG: Wie würdest du das Zusammenspiel von Mode und Technologie bei Moi beschreiben?
DESPINA PAPADOPOULOS: Moi ist das erste Produkt, das ich kenne, das Technologie als Teil von Mode benutzt, aber wenn Leute es sehen oder darüber sprechen, denken sie nicht über Technologie nach. Sie sehen es eher als ein spezielles Accessoire, das ein unerwartetes Moment ins eigene Outfit hinein trägt. Diese lose Beziehung gibt den Trägern mehr Spielraum im Gegensatz zu einer Technologie, die ihren Träger definieren will und zu einer Last wird.

DEBUG: Welches sind die technischen Komponenten von Moi?
DESPINA PAPADOPOULOS: Moi ist die einfachste Instanz von Technologie, die uns möglich scheint: ein extrem helles LED, zwei Kabel, eine Schaltkarte und eine Batterie. Allerdings ist die Art, wie die Batterie und das LED ohne elektrischen Widerstand arbeiten, in sich ziemlich komplex.

DEBUG: Habt ihr konkrete Vorstellungen, wie man Moi trägt? Seid ihr mal Leuten begegnet, die Moi anders, als ihr es erwartet hättet, benutzt haben?
DESPINA PAPADOPOULOS: Ja, wir haben einige Beispiele auf unserer Website. Naheliegende Arten, es zu tragen, sind, es sich um den Hals zu legen, es aus einer Tasche lugen zu lassen oder durch ein Knopfloch zu stecken. Ich sah mal ein Mädchen, die es an ihren Kopf geklemmt hat, das Licht zwischen ihre Augen, so dass es aussah wie ein erleuchtetes Bindi. Ein anderes Mädchen hatte es im Club an der Tasche ihrer Jeans befestigt, aus der es heraus hing, während sie tanzte. Jemand schrieb uns, dass seine Katzen immer dem Licht folgen, wenn es sich bewegt. Aber wir haben keine Ahnung, was die meisten Leute eigentlich mit Moi tun.

DEBUG: Was habt ihr als nächstes vor?
DESPINA PAPADOPOULOS: Moi hat eine gute Nachfrage erzielt. Wir werden ähnliche Einheiten entwickeln und weitere Wege erforschen, wie Technologie beidseitig funktionieren kann: als passiver und als aktiver Kommunikationskanal.

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Elektronische Lebensaspekte.