Steven Vogel fasst zusammen
Text: Jan Joswig aus De:Bug 113


Wenn Jugend in den letzten 20 Jahren eine eigene Mode hatte, dann ist es das, was unter Streetwear zusammengefasst wird. Vom Turnschuh bis zum Hoodie entwickelten Teenager Kleider-Codes, bei denen ihnen die Erwachsenen nicht folgen konnten. Komisch, wie partiell diese Kultur nur dokumentiert wurde. Martha Coopers Fotobände oder die Sneaker-Bibel “Where’d you get those” von Bobbito Garcia sind die ruhmreichen Höhepunkte, ansonsten ist man auf die ephemere Berichterstattung in Zeitschriften und auf Websites angewiesen.

Mittlerweile ist Streetwear generationsübergreifende Alltagskultur. Differenz wird nur noch über Details, über eifersüchtig geheimgehaltene Marken erzeugt. Je jugendlicher die Alten sich kleiden, umso mehr greift die stylebewusste Jugend auf altertümliche Traditionen zurück und trägt Puffärmel und Anzugwesten. Das wird auf den unendlichen Modeblogs dokumentiert.

Genau an dieser Schwelle, diesem sich abzeichnenden Paradigmenwechsel, widmet sich ein Buch umfassend dem Kulturphänomen Streetwear. Steven Vogel stellt die wichtigsten Marken (und Medien) vor, nähert sich aber vor allem mit seinen Interviewpartnern dem Lebensgefühl, das an den Klamotten hängt. So ist das Buch viel mehr eine soziologische Studie als ein Produkt-Katalog. Eine Qualität, die auch schon Bobbito Garcias Arbeit auszeichnete. Eine Epoche erfasst man dann am besten, wenn sie ihren Höhepunkt überschritten hat. “Streetwear” kommt genau rechtzeitig.

Steven Vogel, Streetwear, ist bei Thames & Hudson erschienen.
http://www.thameshudson.co.uk/en/1/home.mxs

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Elektronische Lebensaspekte.