Robert Henke atmet auf. Pünktlich zum zehnjährigen Projekt-Jubiläum hat er alle selbstverordneten Avantgarde-Verpflichtungen hinter sich gelassen und mit Torsten Pröfrock einen neuen verlässlichen Partner gefunden, wenn es um die Beats geht.
Text: Christoph Jacke aus De:Bug 95

Manifest der dunklen Entspannung
Monolake

Robert Henke, das Herz des gerade zehn Jahre alt gewordenen Berliner Minimal-Techno-Denkmals Monolake, ist frisch zurück vom MUTEK-Festival aus Montreal, bei dem er gleich zweimal aufgetreten ist: zum einen alleine, als abstrakte Achtkanal-Version umrahmt von 300 Gästen, zum anderen mit seinem neuen Projektpartner Torsten Pröfrock als Monolake. Und um Letzteren soll es hier vorrangig gehen, denn über die Geschichte von Monolake als Robert Henke ist (zu Recht) schon vieles gesagt worden.
Die Kooperation mit Torsten Pröfrock hat Monolake zum Zehnjährigen nun also wieder in das ursprünglich praktizierende Duo (damals Henke und Gerhard Behles) verwandelt, nachdem Henke einige Jahre alleine als Monolake arbeitete. Dabei musste er durch musikalische und persönliche Aufs und Abs. Es entstanden Alben wie “Cinemascope“ (2001), mit dem Henke eigentlich erst jetzt, 2005, immer mehr Frieden schließt.
Auf dem neuen Album “Polygon Cities“ wirken die Tracks hingegen sehr befreit. Robert: “Wir haben beide das Gefühl, wir können nach zehn Jahren Monolake und fünfzehn Jahren Techno endlich wieder einfach machen, was wir immer schon machen wollten. Der Druck, dauernd innovativ sein zu müssen, herrscht jetzt nicht mehr.“ Dabei fühlt Henke ein losgelöstes Comeback von Techno sowohl in den Berliner Szenen als auch in seinen eigenen Monolake-Tracks: “Ein Stück wie Plumbicon ist ein Schritt zurück und einer nach vorne, ein Manifest großer Entspannung. Ganz bewusst kann ich jetzt wieder etwas Schönes machen, ganz egal, ob es 1995 oder heute rausgekommen ist. Das Stück muss nichts beweisen.“ Der Baukasten Monolake wird also weiter angereichert, das neue Album “Polygon Cities“ ist voller dunkler Dinger, die schon ganz klar auf den Tanzboden zielen, aber auch mikropolitische Kritiken wie in “CCTV“ zulassen. Das hat einen sehr düsteren Grundtext, wirkt bedrohlich, beklemmend, erweckt den Eindruck von omnipräsenter Staatsbeobachtung durch Kameras überall.

Vier Ohren hören mehr
Torsten Pröfrock hat unter Pseudonymen wie Various Artists oder Dynamo und Traktor vor und zu Chain-Reaction-Zeiten spröde und schöne Technotracks veröffentlicht. Robert Henke hat Remixe für ihn gemacht. So haben sie sich immer wieder über Musik unterhalten und schließlich darüber nachgedacht, zusammen Musik zu produzieren. Es stellte sich raus, dass das ausgesprochen fruchtbar ist und der Idee von Monolake als immer offenem, prozessualem Projekt entspricht. Wie reagiert Monolake auf Torsten, wie verändert dieser Monolake? “Ich beschäftige mich mit Klängen und mit der Struktur im Groben, aber ich bin nicht der begnadete Club-Track-Bauer. Torsten ist jemand, der ein gutes Händchen dafür hat, schöne Rhythmen zu bauen. Das befreit mich wiederum davon, so dass ich mich wieder mehr mit Klang und dem Studio als Instrument beschäftigen kann. Wichtiger als eine konkrete Arbeitsteilung ist, dass es jemand Zweiten gibt, der einen anderen Blick auf das Material hat.“ Zwischen Henke und Pröfrock funktioniert die latente Korrektur produktiv und inspirierend. Henke: “Wir arbeiten gar nicht so viel zusammen, sondern wir treffen uns, um die Sachen geradezubiegen und gehen dann wieder auseinander.“ Auf der mikroskopischen Ebene von Klang und auf der abstrakteren Ebene der Gesamtstrukturen fühlt sich der Technik- und Software-Spezialist Henke zu Hause, für den mittleren Bereich leistet Pröfrock laut Henke die notwendige Vorarbeit. “’Digitalis’ etwa ist ein sehr schönes Beispiel. Die Klänge sind alle von mir, das Stück ist im Grund genommen von Torsten. Es würde ohne uns beide nicht existieren. Es würde auch nicht existieren, wenn es nur mich gäbe, weil ich es nie so zusammengebaut hätte. Typischerweise bin ich derjenige, der zum Schluss noch mal drübergeht und als Freund des großen Überblicks Stellen kürzt oder verlängert.“
Demnächst spielen Monolake in Alaska, eine bessere Umgebung für die Musik kann es wohl nicht geben.

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Elektronische Lebensaspekte.

Das neue Album von Monolake ist die Soloarbeit von Robert Henke. Ohne Partner Behles verabschiedet er sich von strategischen Ortskonstruktionen zu Gunsten von strategischen Ortsauflösungen. Denn selbst Off-Kultur ist auf dem Rummel gelandet.
Text: alexis waltz aus De:Bug 45

techno

Die Wüste fällt ins Wasser
Monolake

“A Monolake evening is a monolake evening, if you need some additional sound for your chill out lounge please buy a CD.” So erläutern Monolake ihr Live-Konzept auf http://www.monolake.de. Für Monolake ist der Club als akustischer Raum tendenziell eine Beschneidung elektronischer Potentiale; von ihrer Position aus wirkt die Fixierung auf Tanzen/Lounging als Konfigurationen des Physischen fast bieder. Es gibt keine Hindernisse, sich in die kompromisslosen Immanenzen von Technikdiskursen, akademischen Sound-Komplexitäten und strategischen Ortskonstruktionen hineinzubegeben. Monolake bauen keine eigene Geschichte zu vergangenen Dubwelten oder in die 80iger Jahre. Statt Referenzsysteme zu linken, werden Produktionsmodelle ausgetauscht, in denen Natur und elektronische Musik schon mal als generische Produktionsformen nebeneinander stehen können. Dem in Techno oft wiederkehrenden punkigen Gestus des Wegrockens von Architektur stellen Monolake viele Architekturen entgegen wie Ginza, Maccau, Gobi.
Robert Henke beschreibt Monolakes prozessualen Approach anhand der “Gobi EP”: “Das Material von Gobi ist eigentlich hochgradig rhythmisches Zeug. Wir haben das versuchsweise unendlich zeitlich gedehnt, und plötzlich entstand dieser Klangteppich, der den Bodensatz von Gobi bildet. Als wir das gehört haben, war sofort diese Assoziation von Wüste und Sand da. Wobei Gobi nicht als realer Raum gedacht ist, weil Gobi ziemlich unwirtlich und kalt ist. Was in diesem braun getönten Digipack ertönt, ist nicht kalt. Es ist mehr eine Sahara, aber Sahara sieht doof aus. Gobi sieht einfach besser aus, da es ja eh nur ein Synonym für Wüste ist. Dann gibt’s auf Gobi eine [geographische] Längenangabe. Längen- und Breitengrad sind aber exakt vertauscht, wenn man die also auf dem Globus nachguckt, dann landet man nicht auf Gobi, sondern exakt auf der anderen Seite mitten im Wasser. Das relativiert den Namen Gobi.”
Die direkte und lockere Flächigkeit der ersten beiden CDs “Hongkong” und “Interstate”, die trotz Monolakes klar ausgesprochenem, akademischen Komplexitätsanspruch sehr funky sein konnte, ist auf der neuen CD “Gravity” verschwunden. Ebenso das Modell der strategischen Ortskonstruktion. Die Räume von Tracks wie “Static”, “Nucleus”, “Zero Gravity” wirken abstrakter und eher psychisch als architektonisch. “Auflösung interessiert mich, räumliche Auflösung”, sagt Henke. Das Ziel, Techno komplexer werden zu lassen, hat sich relativiert: “Wenn wir jetzt vom Anfang der Neunziger reden, war Techno etwas, was eine unglaubliche Energie hatte, aber unglaublich primitiv war. Zur selben Zeit hatten Gerhard [Behles] und ich eine Faszination für akademische Computermusik. Wie kann man die Klangfülle der akademischen Musik mit dem Raveelement verbinden? Mittlerweile sind die Tools für jeden verfügbar. Der Klang der akademischen Musik kann als Wertmaßstab nicht mehr herhalten, da kann jeder sagen: das kann mein Plugin auch. Man kann jetzt beliebig komplexe Tanzmusik machen. Insofern hat die Zeit das selber erledigt, was uns so Mitte der Neunziger vorgeschwebt hat. Die erste Monolake Maxi, ‘Cyan’, war eine unglaubliche Schnipselarbeit. Das war damals nur im elektronischem Studio der TU-Berlin möglich. Das kann ich heute auf einer Bahnfahrt nach Düsseldorf meinen Rechner machen lassen.”
Der Impuls einer soundmäßig reichen elektronischen Musik mit gewissen Floor-Credits hat in Zeiten von Clicktechno sein polemisches Potential verloren. Dieses avantgardistische Modell löste sich aber nicht nur technisch auf, auch sozial und bezüglich der Distribution, Berlin wurde Reichshauptstadt, elektronische Musik Mittelstandsmodell: “Vor fünf Jahren hatte man noch das Gefühl, Off-Kultur zu machen. Trotzdem wusste man, dass es in der Stadt Leute gibt, die die Musik hören. Den ganzen Gedanken um Vermarktbarkeit gab es noch nicht, es war Musik von Verrückten für Verrückte. Jetzt ist die ganze Musik Marktfaktor geworden, die Zeit des unschuldigen Herumexperimentierens ist mehr oder weniger vorbei. Es kostet viel Kraft, sich dem Rummel zu entziehen. Man findet sich in anderen Strukturen wieder, als man das jemals gedacht hat. Man darf den ganzen Globus umreisen und weltweit auftreten. Ich finde es schade, dass es diese ganze angenehme Offkultur nicht mehr gibt. Ich vermisse Läden wie das Panasonic, in dem man vom DJ 20 cm entfernt saß, der DJ nach dem Stück die Platte hochgehalten hat und man sagte: aha, interessant. Diese Austauschsituationen sind nicht mehr gegeben.”
Nach Auflösungstendenzen in Berliner Szenen produziert sich die notwendige minimale Öffentlichkeit nicht mehr lokal, sondern durch Live-Spielen auf Festivals und durch Kontakte zu Gleichgesinnten an ganz anderen Orten, etwa zu Kit Clayton, mit dem Henke zusammenarbeitet. Auflösung zieht sich auch hinein bis in das eigene Projekt: Gerhard Behles verließ Monolake, um sich auf die Arbeit bei der eigenen Softwarefirma zu konzentrieren: “Seit den letzten eineinhalb Jahren bin ich Monolake zu 95% alleine, was erst mal eine gravierende Umstellung war. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis das Album draußen war. Ich musste eine Phase der kompletten Irritation und Unsicherheit überwinden, bevor ich sagen konnte: jetzt geht es weiter. Bei der ‘Interstate’ hat mir eine Kritikerin vorgeworfen, dass die Platte zu hell ist, ‘Gravity’ ist das Gegenteil. ‘Gravity’ ist für mich schon eine düsterere Platte. Die ist in einer Zeit entstanden, die ich schwierig fand. Man kann die Platte hören und sagen, dass ist aber ganz schön dark hier. Da kann ich nur sagen, das ging mir auch so.”

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Sascha Kösch aus De:Bug 21

Ihre Anfragen werden bearbeitet Monolake und das lebende Digital Sascha Kösch bleed@de-bug.de Monolake sind Giganten. Gerhard Behles, merkwürdiger Software und Instrumentenspezialist, der in zehn Jahren in jedem guten Klappentext über die Revolution musikalischer Software stehen wird, und Robert Henke, Imbalance Computer Music-Labelmacher und Exschneider bei Dubplates & Mastering, obendrein eine der charismatischsten Personen der Berliner Musikszene, dem man gerne die Verantwortung über die Masse übertragen würde, auch im Nachhinein, die nach neuen Herrschern auf der Siegessäule schreit, schrie, vielleicht mal wieder schreien wird. Nicht einfach nur, weil er so groß ist, daß man eh immer zu ihm aufsehen muß, sondern weil, tja, weil Monolake eben Giganten sind. Aus dem Basic Channel- und Hardwax- Umfeld langsam herausgewachsen, entwickelt ML/I, wie das neue Label für Monolake-Produkte nun heißt, ein Profil der Weite, das man gerne mit Labeln wie Wüste, Schneesturm, digitale Präzision, informeller Überlastung oder ähnlichem beschreibt, das aber vor allem Monolake mitten in die Szene um Chain Reaction, Din, Arovane, Traktor, und wie die neuen großen Namen alle lauten setzen kann, ohne daß man sie untereinander noch groß verwechseln würde. Die Notwendigkeit eines Berliner Sounds, ähnlich wie das Köln Stratagem, nach wie vor strikt leugnend, zeigt sich aber doch, grade aus diesem, schnell ins Uferlose wachsenden Umfeld, daß mitten aus einem Zentrum heraus wiedereinmal sehr viel von genau der Musik entsteht, die einen immer wieder bewegt, und vor allem an eine notwendige Entwicklung elektronischer Musik glauben läßt, die sich an einer festen Größe entlang in viele Richtungen hin entwickelt. Eine davon Monolake, fest verankert zwischen Ausflügen in sandigere Gebiete, prozessuraler Unendlichkeit, der gepflegten Liebe zum gut geschriebenen Programm und einer ständig in den Tracks gebrochenen Liebe zur gepflegt gebrochenen Büroästhetik, wie man auf ihrer neuen LP “Interstate” mehr als deutlich hören kann. Die Vorstellung, daß Monolake mit zwei Laptops demnächst akustische Unternehmensberatung machen, ist dabei ebenso wenig abwegig, wie ihre Verwendung als Feldforscher für die Rekonstruktion elektrochemischakustischer Prozesse in den Sümpfen des Amazonas oder als Glamrockavatare des weißen Rauschens. Wie man aus solch einer Vielseitigkeit das Gegenteil von Beliebigkeit destilliert, erklären die beiden in dem nun folgenden kurzen E-Mail Interview. DEBUG: Das überraschendste an Interstate ist für mich wie funky auf einmal alles geworden ist. Wie hält man die Waage zwischen Funkyness und Dichte? G: Das ist das Ergebnis sehr komplexer musikalischer Zusammenarbeit. Ich interessiere mich eigentlich nur für filigrane Klangtexturen, muß aber trotzdem zusätzlich Roberts Gitarren-Funk integrieren. Naja, über die Jahre haben wir uns arrangiert. Nur das mit dem Slap-Bass… R: …. der Slap Bass war gut und absolut notwendig an dieser Stelle . Aber wo ist denn der Wiederspruch zwischen funky und Dichte? Produktionstechnisch ergab sich das einfach, ohne das es intendiert gewesen wäre. Wir haben es aber durchaus bemerkt. Daher auch etwa der Titel “Abundance”,…. ansonsten hat Dichte den Vorteil, daß, analog zum großem Kino, auch nach dem dritten Hören noch was zu finden ist, irgend ein Detail… wenn es trotzdem funky ist und nicht nur Brei, ist es doch wunderbar! DEBUG: Ist ein gewisses Maß an zuviel wichtig fuer Monolake? G: Eine Maß zuviel? Das kommt schon vor. R: Naja, das ist besser als zu wenig, weil es halt auch nicht primär DJ- Tools sind, wo man froh ist über die Löcher zwischen den Beats oder fehlende Chords, damit es sich nicht zu sehr reibt beim Übergang, sondern halt so Vollkorn-Wohnzimmer-Futter für Highend- und Kopfhörerfetischisten. Aber ich glaube, das mit der Dichte reicht jetzt, und als nächstes kommt wieder mehr Luft… DEBUG: Gibt es so etwas wie eine Ablösung von Basic Channel? Ist das notwendig, wenn man lange in ihrem Umkreis gearbeitet hat, und wenn ja, wie versteht man das selber ohne auf deren Referenzen zurückzugreifen? R : Basic Channel ist cool. Aber es ist ein ganz normaler Prozeß, daß die Kinder, wenn sie erwachsen werden eigene Wege gehen. Und ich denke, der Monolakesound ist einfach nicht mehr das, was CR für die Leute ist. Wir passen da eben nicht mehr rein, und wenn die Leute eine CR-Platte kaufen, sollen sie auch Musik hören, die da hingehört. Und an die Stelle der Labelidentität von Chain Reaction tritt jetzt die Projektidentität Monolake. Also mit dem eigenen Label eigentlich die gleiche Konstruktion wie Basic Channel zu Beginn, als Mark & Moritz nur sich selbst veröffentlicht haben. Und da schließt sich dann der Kreis schon fast wieder. DEBUG: Viele Stücke scheinen sich damit zu beschäftigen, wie man trotz linearer Basics die verschiedenste Tempi, ineinander verschachtelte aber sehr direkte Grooves in den Track bringen kann und es dabei trotzdem überraschend tanzbar zu halten. Wie stellt ihr euch den Gebrauch solcher Tracks vor? R: Ich wußte gar nicht, daß die Leute dazu tanzen können. Nehmen die alle Drogen? Wenn ja, welche, und wieso hat mir nie einer was davon abgegeben??? Nein, ich habe keinen Plan, wie unsere Musik zu nutzen ist. Vielleicht zum Bügeln, ja, ich glaube, zum Bügeln ist das gut. Oder für Architektenbüros nachts um 12 wenn die Koffeeintabletten ihr Eigenleben entwickeln und der Blick aus der Glasfront auf den spärlich beleuchteten Innenhof sich nicht mehr deckt mit einer Vision von demokratischer Offenheit und Weite auf 35 qm. Also quasi als akustisches Weitwinkel. DEBUG: Die Platte funktioniert mit sehr vielen sehr klaren, gerne mal natürlich wirkenden, Sounds/Samples. Jedenfalls klingt es für mich so. Dadurch wirkt es sehr weit und wie unter freiem Himmel produziert. Monolake der ideale Stadionrockersatz… G: Die Platte IST unter freiem Himmel produziert worden. Wir haben unser Studio jetzt sehr kompakt bekommen und reisen viel herum damit. Zum Musizieren gehen wir prinzipiell raus. Ensteht alles “on location”. Ideen brauchen Platz. DEBUG: …bereit fuer Ufokonzerte, und die Beschallung der Greenpeace 2000 Party? Nein, ernsthaft, hat die Platte, neben den vielen klaren mathematischen und südamerikanischen Titeln wirklich etwas mit dem Zusammenspiel von Elektronik und Lebensformen zu tun? G: Wo ist der Unterschied? Das ganze Wochenende hatte mein Computer Verstopfung. Ein dicker Emailklumpen blockierte den Rest. Dabei kamen dauernd neue Mails oben drauf, so daß es noch mehr gedrückt hat. Sehr unangenehm. DEBUG: Wie macht man das…lebendige Musik ? G: Die Erfahrung zeigt: Man muß sich schon sehr anstrengen, damit die Maschinen NICHT lebendig klingen. Das Studio ist ein Zoo, und alles lebt. Von wegen digitale Präzision. DEBUG: Angenommen, man müßte ein Quadrat aus musikalischern Beziehungen bauen und man hätte an einer Ecke Mark und Moritz und an der anderen Atom Heart, an der dritten euch, was wäre dann an der vierten? G: Prof. Grzimek. R: (nachmach:) “Heute habe ich ihnen ein putziges kleines Projekt aus Berlin mitgebracht … ” .Ich sehe mehr so ein Dreieck : Punkt A : guter pop : weil da immer alles stimmt und sehr abgewogen ist, halt klassische Produzentenmusik (Grace Jones, FgtH, Roxy Music,…) Punkt DEBUG: Computer Music, akademische: weil die Jungs schon vor 20 Jahren Sounds hatten, die einem heute noch Gänsehaut machen und ohne die gäbe es all die geile Software gar nicht. Punkt C: Techno, weil der Beat die Computermusic von der “ernsten Musik” befreit hat, ohne dabei Pathos ˆ la Tangerine Dream zu erzeugen DEBUG: Macht es nach all diesen Jahren überhaupt noch Spaß sich in irgendeiner Tradition (Erfindertum, Innovation, elektronische Musik, blabla) verorten lassen zu müssen? G: Nein. Danke für dein Verständnis. DEBUG: Wie umgeht man solche Probleme? G: Unser Vorteil ist: Wir müssen gar nicht darüber nachdenken. Solange es geht, ist man froh und tut was zu tun ist, so gut man kann. R: Alles fließt, und irgendwann fängt es an zähflüssig zu werden und in einer Form zu erstarren. Wie Lava. Warum? Keine Ahnung. DEBUG: Was bleibt immer wieder an ganz neuem? R: Man muß die Lava umleiten solange sie blubbert. Egal ob auf Sizilien oder auf dem Mars. Wir werden auch in Zukunft rote Blümchen sprießen lassen auf dampfendem Gestein, und es wird immer ein laues Lüftchen wehen in tiefen Schluchten. DEBUG: Wo findet man es? R: Überall! Im botanischen Garten, in Tokyo, am Wannsee, unter der Dusche… DEBUG: Und woher kommt der fast schon absurde Spaß, den Interstate macht? R: Wir hatten Spaß und wir haben ihn aufgenommen. Es könnte damit zu tun haben, daß wir so ein gewisses bayerisches, also alpenländisch südliches Flair sublimal mit eingebaut haben. Im Prinzip gibt es da immer pralle Dirnen, massive Alphörner und natürlich den Föhn und Bier. DEBUG: Hat sich an eurer Art der Zusammenarbeit etwas geändert für Interstate? R: Je länger so eine Beziehung dauert, so eine musikalische Ehe, umso mehr destilieren sich Eigenheiten heraus. Und da Musik eben Kommunikation ist, versucht man, sich nicht zu streiten, wenn es nicht sein muß, und irgendwann stellt sich raus, wer besser abspülen kann und wer mehr für das auswechseln von Glühbirnen oder das Reparieren vom Rasenmäher zuständig ist. Und natürlich geht das nur, wenn man regelmäßig die Simpsons guckt. DEBUG: Wann hat sich Imbalance Computer Music eigentlich umbenannt in Monolake / Imbalance Computer Music? Und, warum? R: Nix umbenannt ! Imbalance ist und bleibt Imbalance : http://www.imbalance.de und [ml/i] (gespr.: emmmelllleiiiiiii ) ist eben das Monolake Sublabel http://www.monolake.de. Imblance wird ganz normal weiterlaufen und zwar im Sommer mit einer neuer Platte eines Engländers… DEBUG: Ist es wirklich so, daß, wie ein findiger Schreiber geäußert hat, Monolake nichts mit Fricklertum zu tun hat, und wie macht man das klar? G: Eno sagt: Es gibt Research Art und Result Art. Wir interessieren uns eher für Result Art. Es gibt doch schon so viele musikalisch/technische Erfindungen. Der Pool steht allen offen. Da heißt es: beherzt zugreifen. Daß wir ab und zu in entwürdigender Position unter dem Mischpult liegen oder mit beiden Händen im Code wühlen geht niemanden was an. DEBUG: Warum ist zu recht auf dieser Lp nie etwas gleich? R: Schon mal zwei gleiche Schmetterlinge gesehen? Es kann auch daran liegen, daß ich mir Melodien nicht merken kann. Also weiß ich einen Takt später nicht mehr wo die Eins war und welcher Sound jetzt wohin soll. Dann verschiebt sich das alles und je mehr ich versuche, wieder Ordnung reinzubrigen, umso mehr Chaos entsteht. Neulich haben wir vier Stunden lang Sounds runtergetragen, weil wir nicht mehr ans Pult kamen. Jetzt ist wieder Platz und der Wahnsinn kann von neuem beginnen. Was sind die Pläne für das Label? R: Die Sehnsucht nach Weite treibt uns gerade in die Wüste. Wir arbeiten an staubigen heißen Tracks… und da wird sicher ein neues Vinyl abfallen, und evtl. noch ein paar Sachen von der CD auch auf Vinyl. Was Imbalance angeht, siehe oben. Und wir planen ein neues, evtl. audiovisuelles Liveset für den Nichtdanceclub Rahmen, mal sehen. Monolake, Interstate, ist auf ml/i (EFA) erschienen. _______________________ZITATE Heute habe ich ihnen einen putziges kleines Project aus Berlin mitgebracht. Irgendwann stellt sich raus, wer besser abspülen kann. Weil die Jungs schon vor 20 Jahren Sounds hatten, die einem heute noch Gänsehaut machen. Das Studio ist ein Zoo, und alles lebt. Von wegen digitale Präzision.

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: rashad becker aus De:Bug 06

MONOLAKE et al Rashad Becker default content provider buffer{behles;henke}.load; list{behles, helical scan, henke, imbalance_computer_mucic, monolake}.choose; allocate(beat, knisterzeug, flaeche, asia, color).thisFunc; instr1.PX 18.compile; fx; out(chain_reaction, din, imbalance, degem).sched; overlap=getItemValue; Der Monolake. Ein Natur-Impressario im Herzen Amerikas. Und – auf Grund einer Urlaubs-Traumatisierung unserer beiden Protagonisten – Inbegriff der Verfehlung, Monument der verpaßten Chance. Ein wunderschöner Ort, der – unheimlich abstrahiert – in ihrer Phantasie weiterlebt. Wie die Musik ja auch. Wie passend. Henke-Studios Berlin. Es werden Konfekt und R1-Minima Zigaretten gereicht. Auf allen häufig frequentierten Oberflächen sind in unaufdringlicher Weise DE:BUG-Fragmente drapiert. Robert schminkt sich noch kurz. Das Mikrophon ruht zurückhaltend im Blumentopf. Man ist auf Bloßstellungen gefaßt, einigt sich auf das Recht der Öffentlichkeit auf Information. Monolake. Der Umstand. Monolake wurden als Live-act schon durch die halbe Republik & 2/3 der Schweiz gereicht, in jedem Falle gehört ihr zu den wenigen Techno-Kapellen, die die Kausalkette Musik erzeugen<->Konzerte geben fest auf sich abonniert haben, obwohl ihr nicht gerade das klassische 4tothefloor Tanzveranstaltungs-Bedürfnis bedient und eure Veröffentlichungen eher nach Frickelarbeit klingen. Woher kommt eure Affinität zum Konzertanten? Robert: Live spielt man eigentlich hauptsächlich weils einem selber Spaß macht. Das Publikum bekommt das ja erfahrungsgemäß kaum mit. Will meinen man kann da rumstehen und an 30 Geräten rumschrauben mit unendlich vielen Leuchtdioden und dann kommen während des Konzertes Leute auf dich zu und fragen: tschuldigung, welche Platte läuft denn da grade? Gerhard: nee, besser: tschuldigung, kann ich mal ‘n Bier haben, wie geschehen im Friseur. Aber was du merkst, auch wenn die Leute nicht wirklich zuhören in dem Sinn, das sich eine Wertschätzung vermittelt wenn es gut ist, und entsprechend halt keine , wenn es nicht gut ist. Und das ist natürlich ein viel direkterer Rückweg als über eine Platte, bei der du das erst mit großem Delay mitkriegst. Eure Platten sind ja auch überwiegend aus Live-Mitschnitten entstanden… Gerhard: Aus dem Grund. Arbeitet ihr dann überhaupt parallel im Studio mit Zielrichtung Tonträger? Robert: Wir bereiten Konzerte vor, indem wir Strukturen, Sequenzen und Klänge gestalten, und im Prinzip ist Live dann eine wunderbare Möglichkeit, sich vor dem Mix-Down zu drücken. Irgendwann hat man genügend Material und denkt sich, jetzt müßte man eigentlich anfangen zu komponieren, und das Komponieren ist ja immer das Dilemma, weil man da Entscheidungen treffen muß und Formen festlegt und über den bloßen Moment: es ist schön und klingt geil hinaus was tut. Live macht man es halt dann zwangsläufig, und erstaunlicherweise klappt es da auch immer ganz gut. Eure Live-Sets beeindrucken immer durch einen sehr schlanken und eleganten Technik-Aufbau. Was bedeutet für euch (ergriffen, bedeutlerisch)das Spannungsfeld, nein, die Begegnung Mensch-Maschine, nein anders…was ist das Herzstück eurer Technik? Robert(souverän) :Wir haben viel ausprobiert, aber seitdem wir den PX 18 haben stellt sich für uns die Frage ob Soft- oder Hardware eigentlich nicht mehr. Gerhard(eifrig) : Wie Robert bereits erwähnte: der PX 18. Audioelektronik ist damit einfach beantwortet. Komplett. Sonst, Oberflächen? Erwähnenswert scheint mir die Beobachtung, daß bei wenigstens einem eurer Konzerte jegliches Ansteuern musikalischer Geräte (unschwer ersichtlich an die Wand genagelt) via central-doc-on-unit 505 bewältigt wurde. Das war natürlich vor dem PX 18. Gerhard: Die 505 hat als Musikinstrument den einen wesentlichen Vorteil, daß man sie mit Batterien betreiben kann. Und daß man – auf Grund eines genialen Löttricks von Robert – nur ein Kabel braucht, um sowohl MIDI rein, raus, als auch optional Strom reinzukriegen. Robert: Wir wollen aber hervorheben, daß wir nie den Audio-Ausgang von der Drum-Machine angeschlossen haben. Gerhard: Außerdem bietet sie den Vorteil: sie hat 16 Knöpfe, die kannst du im Delirium unterscheiden, und du kannst diesen Knöpfen rhythmische Muster zuordnen – und durch einfaches Drücken der Knöpfe diese Muster hervorbringen. Robert: Zum Beispiel kann man wenn man auf 1, 5, 9 und 13 drückt auf die 1, die 2, die 3 und die 4 eines hypothetischen 4/4 Taktes eine Bass Drum montieren. Gerhard: Das aber nur als Beispiel. Das ist nur ein Ausschnitt aus den vielfältigen Programmiermöglichkeiten dieses kleinen Gerätes. Ansonsten, wir haben halt keine Keyboards auf der Bühne, weil man die nicht braucht, und wir bevorzugen Schiebe- und Drehwerkzeuge und versuchen alles dementsprechend einzurichten. Ich wundere mich ja ehrlich gesagt immer ein bißchen , daß ihr überhaupt Tanzmusik macht, euer “Hintergrund” ist ja eigentlich ein anderer, eher von der elektroakustischen Musik her, und auch wenn das Rohmaterial auf Live-Mitschnitten beruht ist es doch wohl immer noch ein langer Weg zum Produkt. Eure Produktionen sind doch sehr detailverliebt, weit über das bloße funktionieren im Club hinaus, trotzdem ist das der klare Kontext. Was sind für euch die Referenzen, die zum fertigen Produkt weisen? Robert(sehr radikal) : Alle Musik muß für irgendeinen Bereich funktionieren, und sei es zum Abspülen. Musik ohne Funktion ist für mich schlichtweg überflüssig. Die Maßstäbe sind sehr unterschiedlich. Wenn ich eine CD für Imbalance mache, verfolge ich dabei eine ganz andere Philosophie, als wenn ich einen Track für eine Maxi mache oder mir eine Theatermusik aus den Rippen schneide. Eine CD muß auch nach 30 mal hören noch etwas zum entdecken bieten, eine Clubnummer hingegen soll in erster Linie die Leute zum Tanzen bringen. Gerhard: Im Gegensatz zu klassischen Tanznummern wirst du bei unseren Stücken kaum etwas von einem Arrangement finden, sprich unser Zugang zur Musik besteht nicht im Zusammenfügen von Elementen. Interessant ist für uns der Vorgang, wenn wir aus einer Stunde Material das zum Beispiel Live entstanden ist ein Stück machen wollen von maximal 10 Minuten. Da mußt du eine Menge rausschmeißen und Form reinbekommen. Was passiert ist, daß wir alle diese Kriterien anwenden, die uns per Musikgeschichte und Muttermilch mitgegeben worden sind, daß man aber nicht über die Möglichkeiten verfügt, wie wenn man alles als getrennte Sequenzen im Rechner zugreifbar hat und es A-B-A-mäßig organisieren kann. Du mußt dann andere, vor allem klangliche Kriterien heranziehen, die dir irgendwie eine Form geben, mußt klangliche Veränderungen und subtile Verschiebungen im Rhythmus suchen, die dir eine Variation anbieten, und kannst dann Brüche schaffen in dem du es gegenschneidest. Das ist zwangsläufig anders, als wenn du Fragmente gegenseitig ein- und ausblendest oder mutest. Das ist auch die Verbindung, die ich zu Nicht-Beat-Musik sehe, weil ich da auch immer genau so herangehen würde: Ein Kontinuum schaffen, um dieses dann mit Brüchen zu versehen. Chain Reaction vermittelt sich ja als (vorsichtig) ziemlich programmatische Angelegenheit. Was bedeutet dieser Kontext für euch? Robert: Daß wir im Kontext Chain Reaction stehen beruht auf der banalen Tatsache, das der Großteil unserer Platten dort erschienen ist. Das Selbstverständnis von Chain Reaction ergibt sich eigentlich daraus, daß es Leute sind, die aus dem Bekanntenkreis von Basic Channel stammen und den Konsens teilen: Wir finden Basic Channel cool und wir mögen uns. Gerhard: Ich stelle schon fest, das in den Sachen, die die anderen machen, z.B. in der CD von Vainqueur immer Dinge stecken, die mich musikalisch auch interessieren und die ich auch verfolge. Kann natürlich Zufall sein, aber ist es wahrscheinlich nicht. Imbalance Computer Music: 4 Veröffentlichungen in 5 Jahren, das weist auch auf ein ziemlich striktes Labelprofil hin. Kannst du dieses umreissen? Robert: Imbalance ist der Versuch, elektronische Musik für Zuhause zu veröffentlichen, die keine Tanzmusik ist, aber in einer Wechselwirkung mit Techno steht. Ich sehe Imbalance als Forum für elektronische Klangformung, die einerseits Einfluß hat auf die Klangentwicklung im Techno, und andererseits aber auch rückwirkend beeinflußt wird von dem, was an rhythmischer Musik gemacht wird. Ausschlaggebend ist dabei auch das Medium CD, das formal ganz andere Vorgaben macht als Vinyl. Alleine schon durch die Zeiteinheit, aber auch durch die Art und den Ort der Reproduktion. Die Veröffentlichungen sollen mit dem Zustand CD auch bewußt umgehen, und 60 Minuten Musik nicht beliebig kompilieren, sondern als eine Einheit, ein Werk betrachten. Das haben auch alle Imbalance CD’s gemeinsam: Steady State Music beruht auf fünf Versuchen, quasi-stationäre Klangzustände zu erzeugen, Async Sense sind fünf Studien zum Thema auseinanderdriftende Rhythmen, Piercing Music ist von vornherein schon mal ein Stück, und Floating Point hat im Prinzip auch ein Thema und läuft von Anfang bis Ende durch, wobei die Struktur und der Aufbau bindend sind, es ist keine CD die im Random Play laufen kann. Wir alle kennen Helical Scan, I Bass You, und andere Henke-assoziierte Werke und Erscheinungen -wie steht es eigentlich um Solo-Projekte von Gerhard Behles? Gerhard: Ich habe Tonband – Kompositionen vorzuweisen, die absolut nicht Club-kompatibel sind… Robert(ins Wort fallend): Es gibt von Gerhard ein Stück namens Silicea, das geradeweg phantastisch ist, das ich auch zu gerne auf Imbalance veröffentlicht sähe, aber es ist leider nur 12 Minuten lang, und davon muß man die ersten 5 Minuten skippen, aber dann wird es ganz wunderbar. Aber sowas kann man halt schlecht für 30 Mark verkaufen heutzutage. Gerhard: Sonst habe ich vornehmlich “interaktive” Klanginstallationen gemacht, gemeinsam mit Penko Stoitschev, als da wären “Wonga” sowie “Balla Balla”. Ersteres war so eine Art Videospiel ohne Video, also (kokett) ein Audiospiel. Die Idee war, das es nicht so etwas solitaires sein und sich in öffentlichen Räumen ausbreiten sollte, in diesem Falle vor allem in verschiedenen Clubs in Berlin. Die Benutzeroberfläche war ziemlich beschränkt, du hattest als Spieler eine Säule vor dir mit 8 Fadern ohne Beschriftung, und alles andere mußtest du selber rausfinden. Das System war so organisiert, das du relativ intuitiv musikalischen Zugang bekommen konntest und auf alle möglichen musikalischen Parameter inklusive Form über diese 8 Fader zugreifen konntest. Wenn man aufgehört hat, sich daran zu betätigen ist es sozusagen in den Chill-Mode zurückgefallen. Die Konstellationen, die sich damit ergeben haben lagen zwischen tatsächlich spielerischer Beschäftigung mehrerer Leute gleichzeitig bis hin zu eher konzertanten Situationen. Die andere Geschichte, “Balla Balla”, war eine ebenfalls 4-kanalige Audio-Umgebung, in deren Mitte sich der Spieler anhand einer Kugel durch einen virtuellen akustischen Raum navigieren konnte um dabei letztlich über alle möglichen Geräusche zu stolpern. Wenn du angefangen hast, dich mit der Kugel zu beschäftigen sind völlig unterschiedliche Dinge geschehen, je nach dem in welchem Zustand du das System vorgefunden hast. Auch die Art, wie du dich im System fortbewegt hast hatte auf das Verhalten der Umgebung Einfluß. Das Ganze war ebenfalls für den öffentlichen Raum bestimmt, allerdings eher im musealen Kontext, genauer gesagt war es eine Auftragsarbeit mit pädagogischer Zielrichtung. Darüber hinaus wäre vielleicht noch mein projektiertes James Last-Unterfangen zu erwähnen, vielleicht aber lieber erst in einem der zukünftigen Hefte. Monolake Erzeugnisse bieten sich ja jetzt auch CD-formatiert dem geneigten Hörer feil, namentlich “Hong Kong” auf Chain Reaction. Was steht für den Konsumenten mit dieser jüngsten Veröffentlichung zu erwarten? Robert: Hong Kong ist eine Compilation-CD mit neuen Edits und … Gerhard: … sinnstifftendem Zusammenhang! Robert: … sinnstifftendem Zusammenhang und ganz vielen zusätzlichen Geräuschen und kommt in einer dieser bewährten Metallboxen, die jetzt auch neuerdings Scharniere haben, was ein deutlicher Schritt nach Vorne ist. Warum heißt die CD denn Hong Kong und was sind das denn eigentlich für zusätzliche Geräusche? Gerhard: Die CD heißt Hong Kong, weil die Geräusche die darauf zu finden sind in Hong Kong aufgenommen wurden. Dort waren wir nämlich, und weil Robert immer eine Aufgabe braucht haben wir stetig einen DAT-Recorder mitgeschleppt und Robert hat Geräusche gesammelt. Und es waren phantastische dabei, zum Beispiel die überzeugendsten Grillen die man je gehört hat. Die Compilation hatten wir eh schon in Arbeit, und das hat uns bewogen, mit viel Schnipselarbeit die Klänge so an die Musik anzulegen, daß sie eine Verschmelzung eingehen, wo es sinnvoll ist. Robert: So daß sich die Grillen zum Beispiel jetzt an den Rhythmus anschmiegen, wie auch die Stimme der Fernsehansagerin, während der Regen von Lantau hingegen sich an den Anfang von Cyan anschmiegt. Man weiß ja noch nichts Genaues und hat es auch noch nicht gehört, schnappt aber umtriebiges Gemunkel auf bezüglich eines Barocktrompeten Intermezzos auf einem der neuen Stücke – erwirkt von Wieland Samolak. Wie konnte es soweit kommen? Gerhard: Wieland ist ja bekannt von der ersten Imbalance-CD her, und dieser hat sich neben der fanatischen Untersuchung statischer Klangzustände über Jahre hinweg fast genau so emsig mit Blasdruck-Controller Einsatz zur Bespielung elektronischer Musikinstrumente befaßt. Das fanden wir immer interessant und wir hatten auch stetig persönlich mit ihm eine Menge zu tun, und somit war es nahegelegen, daß er mal für oder zusammen mit uns was macht. So haben wir ihm dann ein Stück dieser CD geschickt, mit der Bitte, er solle da mal seinen Kommentar zu geben, und das was er gemacht hat im Nachhinein eingebaut. Ausgangsmaterial ist in diesem Falle tatsächlich eine Barocktrompete, und wir sind völlig glücklich damit. Es ist einfach ein instrumentales Element, das an dieser Stelle zwingend nötig war. Und warum eine CD-Compilation vornehmlich von Stücken, die für Maxis gemacht und gedacht waren? Gerhard: Damit haben wir das jetzt auch einmal in eine zusammenhängende Form gebracht, so wie es sonst dem DJ im Clubmix zugedacht ist. Außerdem ist es ja evtl. auch ein Anliegen, die Musik einfach mal Zuhause in einem längeren Zusammenhang hören zu können, in einer Qualität, die man sich wünscht und in einem anderen Zustand. Die Stücke sind ja auch nicht explicit und ausschließlich für Clubanwendungen gemacht, sondern sollen auch bei genauem Zuhören standhalten. Robert: Außerdem hatten wir dadurch die Möglichkeit, das Material mit kleinen Dingen anzureichern, die unter Clubabhörbedingungen überhaupt nicht zur Geltung kommen würden. Wenn man was für Kopfhörer und CD nachbearbeitet kann man einfach viel bewußter mit kleinen Veränderungen hantieren, in dem Bewußtsein, daß Leute, die intensiv zuhören sie auch wahrnehmen werden. Kaum aktuell bezogen zwar, aber dennoch wäre gerne noch einmal nachgefragt wegen der sprichwörtlichen vielen Gesichter nach dem Symmetrischen Konzert und dem Gedanken dahinter? Robert: Das Symmetrische Konzert war in erster Linie eine Huldigung an ein weiteres Lieblingsinstrument von uns beiden, namentlich den Yamaha SY77, ohne das ich nämlich wirklich nicht mehr leben wollen würde und das Ehrung und Lobpreisung zu Hauf verdient. Es ist komplett digital, ohne irgendwelche resonierenden Filter, schon ziemlich alt und man wird trotzdem auch in 20 Jahren noch unendlich geile und wirklich neue Klänge damit gestalten können. Die Idee bei besagtem Konzert war, das beide gemeinsam mit demselben Klang anfangen, und sich dann jeder für sich in einer Zeithüllkurve Parameter für Parameter von diesem Ausgangsklang wegeditiert, um am Ende dann durch Abgleich der Werte zu einem gemeinsamen Schlußpunkt zu kommen. Die Symmetrie hat sich darüber hinaus in den räumlichen Aufbau und die An- und Zuordnung der 8 vorhandenen Lautsprecher hineinerstreckt. Dazu gab es noch eine symmetrisch aufgebaute Video-Illustration der beiden Signale durch Visomat Laboratorik.

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Elektronische Lebensaspekte.