Ein monophoner, halbmodularer Analogsynth klingt erst mal nicht übermäßig spannend. Das Ding ist aber von Future Retro, die schon mit der 777 und dem Mobius Sequenzer überzeugen konnten.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 103

Übersicht
Der Future Retro XS, den ich in den Händen hatte, war ein Prototyp, der sich aber vom Serienmodell nur darin unterscheidet, dass dieses jetzt (weil auf der Musikmesse massiv nachgefragt) Midi haben wird. Obwohl ich ja sonst durchaus auf Midi stehe, braucht man es für den XS eigentlich gar nicht, denn Ansteuermöglichkeiten stehen reichlich zur Verfügung. Aber eins nach dem anderen: In einem Gehäuse von drei Höheneinheiten ist der XS so untergebracht, dass man ihn entweder bequem ins Rack schrauben oder aber auch als Desktopgerät nutzen kann. Er besitzt sage und schreibe 12 Inputs, die auf die verschiedenen Sektionen als Steuerdaten wirken können und damit die vorgegebene Verschaltung abändern.
Der XS reagiert auf normale CV-Steuerdaten (1V/Oktave) und positive Gatesignale, wodurch man ihn sowohl mit diversen analogen Synths, Modularsystemen und Sequenzern verschalten, aber auch einfach mit einer (Audio)Spur aus dem Drumcomputer ansteuern kann. Das macht zum Beispiel mit der Machinedrum viel Spaß, wenn man eine Retrigger-fähige Drumspur zum Steuern benutzt. Der VCO des XS deckt das gesamte Audiofrequenzspektrum ab, kann aber auch als LFO genutzt werden. Er kann wahlweise frei laufen oder zu anderen Oszillatoren oder Gatesignalen synchronisiert werden und besitzt die Wellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck/Pulsweite. Der Oszillator lässt sich zusätzlich durch externe oder interne Signale frequenzmodulieren. Darüberhinaus stellt er noch einen Suboszillator bereit, dessen Frequenz in graden Teilen (1/2, …) des Hauptoszillators einstellbar ist. Beide Oszillatoren haben natürlich auch ihren eigenen Ausgang. Danach geht das Signal in die Mixersektion, wo das Verhältnis zwischen Oszillator und Suboszillator/externem Audioeingang eingestellt werden kann. Nun geht’s in die Filtersektion, die wahlweise einen Hochpass oder Tiefpass mit Cutoff und Resonanz anbietet, die auch extern angesteuert werden können. Der Filter hat natürlich auch seinen dezidierten Ausgang. Jetzt geht’s in die Hüllkurvensektion mit dem traditionellen ADSR-Set. Neben der “klassischen” Steuerung der Hüllkurve über ein externes Gatesignal gibt es hier eine Besonderheit: die zusätzlichen Attack- und Decay-Regler für den Accent, der auch über einen seperaten Gate-Eingang zusätzlich moduliert werden kann. Schließlich ist da noch die VCA Sektion: Sie ist normalerweise der Filtersektion nachgeordnet, kann aber auch ein weiteres Audiosignal bearbeiten und bietet neben der Steuerung über ein Gate auch die Möglichkeit, den VCA-Ausgang mit Sättigung zu versehen.

Bedienung & Sound
Vom ersten Sound an beweist der Future Retro XS, was er drauf hat: wummernde Bassequenzen, schmatzend-fiepsiges Oszillatorquietschen und irisierende Frequenzmodulationen.
Die Bedienung ist recht übersichtlich gehalten und dürfte auch Neulingen schnell einleuchten. Wer alle Steckverbindungen auf einmal nutzt, hätte sich vielleicht die Steckleiste an der Oberseite gewünscht, das ist bedienungstechnisch aber auch der einzige Kritikpunkt.
Durch die wirklich sehr vielfältigen Routingmöglichkeiten bleibt der XS aber nicht auf klassisches Acid-Gefiepse oder Nachahmung diverser anderer Synths beschränkt, sondern bietet ein breites Spektrum an möglichen Einsatzgebieten. Auch für die Live-Situation ist der XS prädestiniert: nicht allzu schwer, nicht allzu groß, praktisch und einfach zu bedienen und, hatte ich glaube ich schon erwähnt, mit einem sehr, sehr fetten Sound. Der Preis geht für die gebotene Leistung auf jeden Fall in Ordnung, bleibt zu hoffen, dass auch die Seriengeräte bald fertig sind.

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Elektronische Lebensaspekte.