Wir überbrücken die Jahrzehnte. Christopher Just vs. Bryan Ferry, morbides Wien vs. morbiden Global-Jetset.
Text: Christopher Just aus De:Bug 93

Cover Lover
Morbidität und Mascara

Was ist verführerischer als der morbide Glamour von Mascara-geschminkten Hochglanzopfern? Nirgends sind arrogante Glanzoberfläche des Lebens und brodelnder Madensack des Todes näher beisammen als beim leblosen Körper eines Luxus-Pin-Up’s. Das ist das Memento-Mori-Motiv von müden Champagner-Trinkern – so wie Roxy Musics Bryan Ferry und Christopher Just.

Christopher Just über Roxy Musics ”Stranded“-Cover:
Dreh die Lichter runter und die Musik auf, es ist eine verrückte Szene, du kennst jeden hier – die ganze Bande – doch sie schaun dir nur über die Schulter, bei deinem Spaziergang auf dem Drahtseil. Was ist deine Nummer? Nimm noch ein Pulver, wart noch eine Minute, …
Doch rauh ist das Leben auf hoher See, die goldenen Armreifen längst ein Raub der Wellen, die Robe von Yves von den Klippen zerfetzt, liegt, ihrer Glaswelt entrissen, die gestrandete Amazone.
Ihr üppiges Haar ließ sie weich fallen, ihre Mascara kaum verrutscht (weil wasserfest) ist sie auch hier auf hartem Fels ein vollkommenes Lidschattengewächs zwischen all den Farnen. Pass auf sie auf, ihr Spiegel bist jetzt du, der, als sie noch am Tisch des Captains eine tolle Figur zu machen verstand, bereits wusste: Wenn die Party vorbei ist, wird sie mit zu mir nach Hause kommen.

Wir soufflierten Bryan Ferry zu Christopher Justs ”Roland Flick“-Cover:
Du bist nur ein kleiner Pianist, über den sich jeder bepisst. Guck nur die Krawatte, ich schmeiß’ mich auf die Matte. Und dann ist da diese Frau, kommt direkt ausm Luxusbau, kann Bukowski zitieren, alle Männer pikieren. Mit ihrem Dekolleté wie Schnee, tut sie ihnen mannig weh. Doch wie die alle zittern und fleh’n: Willst du mit mir geh’n, ist es doch nur Komödie. Keiner zittert und fleht wie du, nur du erkennst ihr Mascara als Schmuh. Haust in die Tasten in brunftigem Moll, gibst dich ihr musizierend hin voll. Doch auch nach deinem letzten Akkord, will ihr Lachen in Dur nicht fort. Sie hört deine Musik und bleibt heiter? So geht es nicht weiter. Die Krawatte ziehst du um ihren Hals fester und fester, sie hält, denn sie ist aus Polyester. Da hat in dieser Welt aus Mascara und Schmuh, ein kleiner Pianist mal Glück, dass Seide für ihn immer war ein zu teures Stück.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.