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MP3 Reviews DJ Nova: Starshipoetry (www.skylined.org/nova/) Ein Track, der mit Beats und Bass schon fast ein wenig in Richtung Nu Skool Electronica geht. Doch bevor es allzu ruff wird, schüttet Nova lieber ein paar Melodie-Flocken über die Sägezähne und bändigt die Breaks, die sich das knarzend gefallen lassen. Am Ende siegt die Melodie, und das ist gut so. Sehr aktiver Mann übrigens, dieser DJ Nova, mit einer schicken, aber auch ziemlich unübersichtlichen Site. Janko oooo Liquid Hifi: GBS (www.mp3.com) Liquid Hifi schenken uns einen angedubbten Lofi-Track mit nettem Laidback-Feeling. Das eigentlich irritierende und zugleich wirklich einnehmende an diesem Track ist das Vocal-Sample, das zwischen schlichter Schönheit, purem Kitsch und heftiger Distortion pendelt. Das hört sich an wie ein Sonnenuntergang, der einem in den Augen brennt, aber doch immer wieder zum hingucken zwingt. Liquid Hifi haben begriffen, wo Kitsch am größten ist: an der Schmerzgrenze. Janko oooo Scientific 003 (www.d-zign.com/bmp/scientific) Das Online-Label Scientific serviert uns eine Art virtuelle Drum and Bass Compilation. Wobei der Name hier nicht täuschen darf: Alle Tracks sind dem Bukem-Camp weit näher als Photeks Beatschmiede. Clear Blue von Deepflow läuft leider in die Jazzrock-Falle und hört sich ein bisschen so an, als hätte Bassface Sascha zu viel Kirschlikör getrunken. Twisters Track Sick dagegen weiss, wie man Kitsch und wabernde Basslines druckvoll genug zusammenbringt. Mavericks Synthetic Movement ist eines der Highlights dieser Compilation und beeindruckt durch seine technoide Tiefe. Le Matin Fait de Revellier von Centrik ist mit seiner verspielten Synthie-Melodie ganz nett, aber auch nicht mehr. Dagegen hat Dreamers Disease von Nightwatch schon das Zeug zum trancigen Ohrwurm. Tyrees Solitude schliesslich wirkt ein bisschen unausgegoren und fällt damit etwas aus dem Rahmen der sonst sehr ordentlich produzierten Compilation. Drei Tracks sind übrigens Modules, gehören also streng genommen gar nicht hierher. Aber keine Angst: Eure Player schaffen das schon. Janko oooo Lichen: Marsaskala (www.mp3.com) Unterwasser-Blubbern, ein wabernder Bass, Zischen, und ehe man sich’s versieht, steigt daraus plötzlich eine einfache, bezaubernde Synthie-Melodie auf. Verspielt schöner Experimental-Pop, über den man sich erst wundert, dann freut, und schon geht’s nicht mehr ohne. Beziehungsweise ist viel zu früh zu Ende. In seiner zauberhaften Eigenartigkeit erinnert das schon ein wenig an die Boards of Canada. Und das, obwohl der Track eher mit den Küsten Maltas verwandt sein soll, wenn wir Lichen glauben dürfen. Sehr schön auf jeden Fall. Janko ooooo Kjwise: JPEG in SOUND.GIF (www.kjwise.com) Preisfrage: Wie hört sich ein JPEG-File an? Die Brute Force-Antwort wäre natürlich, das Ding einfach mal als Sample zu laden. Kjwise versucht sich hier eher an einer konzeptionellen Herangehensweise, was das Ganze gleich viel wohlklingender werden lässt. Ein bisschen Offbeat-Quietschen, ein paar nette Harmonien, ein verhaltener Beat, und nach drei Minuten ist schon wieder alles vorbei. Tja, JPEGs sind halt schon sehr komprimiert. Nicht wirklich überzeugend, aber die Site sei allen Freunden experimemntellerer Klänge trotzdem empfohlen. Janko ooo

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Elektronische Lebensaspekte.

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Text: janko röttgers aus De:Bug 30

MP3-Reviews janko röttgers roettgers@devcon.net G Flow: Operator (http://www.loopnet.de) Unglaublich, aber wahr: Myer macht House. Und zwar nicht etwa Kreuzworträtselhouse, sondern sonnenstrahlengerade. Ein wirklich schöner Track, der einen an der Hand fasst und mit kokettem Augenaufschlag zum Dancefloor zieht. Das Vocal-Sample ist wirklich zum Verlieben. Dazu gibt’s freundliche Synthie-Flächen und einen dieser Flatbeat-Bässe, der hier aber gar nicht prollig daherkommt, sondern die ganze Geschichte nur mit genügend Druck nach vorn treibt. Toller Track, eigentlich viel zu kurz. Auch die anderen jetzt auf Loopnet veröffentlichten Sachen sind auf jeden Fall hörenswert. Insbesondere die eher melodramatisch ausgefallenen Nummern Ordinary und Dissected, die beide ein bißchen an Herbert erinnern. ¥¥¥¥¥ Gus Gus: Polyesterday (Thievery Corporation Remix) (http://www.epitonic.com) Die Gentlemen bitten zum Remix. Vom ursprünglichen Gus Gus-Track bleibt hier tatsächlich wenig übrig, nur kommt leider auch wenig neues dazu. Ein eher uninspirierter Beat, der pflichtschuldig durch den Track stapft, ein paar klebengebliebene Soundschnipsel streifend. Dazu verlieren sich einige Vocalfetzen irgendwo im Hintergrund, und das war’s dann eigentlich schon. Selbst bei größter Sympathie für die beiden Herren kann dem einfach nur Mittelmauigkeit bescheinigt werden. Ob das so eine gute Idee ist, ausgerechnet mit MP3-Tracks zu werben, die auf Vinyl niemand wirklich hätte haben wollen? ¥¥ maybeBop: Commando (http://www.maybebop.de) Kaum ist die Sid-Station erschienen, jagen plötzlich alle wieder den Klängen der Brotkiste hinterher. Dabei hat der C64-Sound eigentlich schon vor gut einem Jahr seine nicht zu übertreffende Homage bekommen: Die Acapella-Gruppe maybeBop hat damals anläßlich einer Demo-Party alte Chip-Tunes neu interpretiert, darunter auch diesen hier. Trotz allem Da-Dam-Dam-sieht man förmlich den Typen vor sich, der das in den tiefen Achtziger mal an einem flickerigen Fernseher programmiert hat, wohlmöglich mit Commodore-Basic. Nicht, daß man deshalb mit solcher Musik geweckt werden möchte – zumal Acapella ja doch immer einen seltsamen Selbstverwirklichungskleinkunst-Beigeschmack hat. Aber das hier ist einfach zu verrückt. ¥¥¥¥ HPC: Phreaky Phunk (http://www.dopedesign.com) Wenn es nach diesem Drum & Bass Track geht, kommt Phunk eindeutig von Phun, also Party, Spaß und großer Sause. HPC schöpft hier richtig ravelastig aus dem Vollen, soll heißen: schnelle Beats, eine Bassline mit Jump Up-Geschmack, heftiges Scratchen und die guten alten Spielchen mit den Vocal-Loops. Überhaupt: Unheimlich viele Vocal-Samples. Wobei als Sahnehäubchen obendrauf selbstverständlich das Jazz-Sample nicht fehlen darf. Das unverschämt gut ist, nebenbei bemerkt. Überhaupt klingt das hier eben nicht nach aufdringlicher Stimmungsmache mit abgeschmackten Witzchen, sondern kommt ziemlich locker und ungezwungen rüber. Als wär es frisch aus dem Ärmel gerollt. Macht Spaß. ¥¥¥¥ M.Altemark: MP3 is Killing Business (and it’s about time) (http://www.noisemusic.org) Das wär eigentlich auch ein schöner Titel für den ersten Atari Teenage Riot Track auf MP3.COM gewesen – obwohl, der hieße vermutlich Sony’s gotta die. Auf jeden Fall wird uns hier eine finstere und ziemlich noisige Klangcollage mit BigBeat-Anleihen serviert. Besonders schlüssig oder gar unterhaltsam ist das aber nicht. Da hilft auch der beste gesampelte Verbalradikalismus nicht weiter: So etwas kratzt die Industrie nicht im Geringsten. Dafür ist die Site wirklich hübsch und flashig. ¥¥ DDR Rhythm: Death of a Cosmonaut (http://surf.to/ddr) Beim Hören dieses Tracks sieht man förmlich Spacenight-Bilder vorm fernsehverwöhnten inneren Auge auftauchen: Die Erde, Wolken, Wasser, Landfetzen. Funksprüche, ein verhalten dahinschrabbelndes Gitarren-Sample, und dazu eingeblendet der Schriftzug DDR (da, wo sonst immer Indien oder Peru steht). Dazu eine ganz zarte und reduzierte Melodie, die sich sofort in deinen Gehörgang kuschelt, begleitet von einem langsam daherswingenden und Ðschlickernden Beat. Wirklich netter LoFi-Pop. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Finnen Ostalgiker werden, aber scheinbar muss man dort oben wohl exzentrisch sein. Erfreulich, wenn so was dabei rauskommt. ¥¥¥¥ Current Value: Untitled Document (http://www.loopnet.de) Drum and Bass vom Exorzisten unseres Vertrauens auf dem Server unseres Vertrauens. Untitled Document ist ein vergleichsweise straighter Track, der ohne große Umwege zur Sache kommt sich dabei seiner eigenen Konsequenz bewußt ist. Komplexität durch Reduziertheit, dort anschließend, wo andere Teufelsaustreiber aufhören. Von Current Value wird an dieser Stelle demnächst sicher noch häufiger die Rede sein, da bei Loopnet noch ganze 30 (in Worten: dreißig) seiner Tracks ihrer Veröffentlichung harren sollen. Man darf also gespannt sein. ¥¥¥¥¥ Kökö & The Köks: The secret Album (http://www.tpolm.com) Vier MP3s auf Popsonglänge, konzeptionell zusammengefasst zu einem virtuellen Album mit größtmöglicher Ö-Dichte – ganz ernst kann das nicht gemeint sein. So wunderts dann auch kaum, daß Kökökökk einer dieser typischen ãich bau mal eben den Synthie im Wohnzimmer auf”-Tracks ist, Achtziger-Anleihen und Dilettantismus inklusive. Nicht besonders spannend. Still A Friend Of Mine liebäugelt dann mit gerader Bassdrum und oldschooligen Sounds eher mit dem Dancefloor, besinnt sich angesichts knapper 3:22 aber doch eines besseren und geht alles ganz gelassen an. Cook the Kök ist wohl der spannendste Track, mit wirren Lofi-Voicesamples und drohenden Streichern. Durch diese Szenerie schlurft ein Fünfviertelbeat, dem man die ganze Paranoia gar nicht so recht abnehmen möchte. Kökö chills versucht schließlich, mit Siebziger-Jahre-Ambientsounds am Trommelfell zu kratzen, was zwar tendenziell funktioniert, aber andere haben das echt schon besser hingekriegt. ¥¥-¥¥¥¥ Mista Tapas: Bossabeat 1 (http://mini.gt.owl.de/~floh/) Wenn jemand seinen Heizlüfter Jamaica tauft, dann muß einfach Musik wie diese dabei rauskommen: Ein sehr verspielt-dubbiger Track mit fluffigen Midtempo-Breakbeats, nicht zu sehr in den Vordergrund gespielt. So bleibt genug Raum für eine Melodie, die sich ihren Platz zwischen Dub und Kinderzimmerfunk sucht. Für einen Bass, der sich dir erst in den Magen drückt, um dir im nächsten Moment wieder freundlich auf die Schulter zu klopfen. Und für Harmonien, die einem das Herz wärmer werden lassen. Auch ohne Jamaica. ¥¥¥¥¥ Vinyl Matt: From the Education (http://www.mono211.com/rel12.html) Es wird Winter. Zeit für sentimentale Rückblicke und wohlige Schauer der Melancholie. Diese Nummer will klassischer TripHop sein – allen Unwortunkern zum Trotz. Und zwar mit allem, was dazugehört: Vinylknistern, einem schleppenden HipHop-Beat und einem Streicher-Sample, dessen Dramatik auch Portishead mit 70-köpfigem Orchester nicht besser hätten auf den Punkt bringen können. From The Education ist ein sehr einnehmender Track, zumal das Produktionsniveau für die ehemaligen LoFi-Fetischisten des Mono211-Labels erstaunlich hoch ist. ¥¥¥¥¥