Mit Shop-Widgets kann man Musik auf der eigenen Website vermarkten. Sascha Kösch zeigt wie es geht und was für den Musiker unterm Strich übrig bleibt.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 120

Der große Musik-Verkaufs-Widget-Rundschlag

Wer Musik macht, der kann auch Musik verkaufen, schließlich muss sich ja das ganze 2.0-Gerede irgendwann auch mal lohnen. Und hier kommen Widgets ins Spiel. Mittlerweile kann man sich nicht nur auf Web2.0-Webseiten kaum vor Widgets retten, sondern auch als Musikdownload-Shop taugen die kleinen Flashschnipsel perfekt, sind allerdings in Deutschland, da es kaum deutsche Anbieter gibt, noch halbwegs unentdeckt.

Ohne müßige Umwege über ein Label oder selbst als Label-Shop-Ersatz taugen die verschiedensten Widgets der Anbieter allerdings immer für spezielle Bedürfnisse, weshalb wir hier einen ausführlichen Überblick liefern, um jedem von euch zu seinem passenden Widget zu verhelfen.

Nimbit

Nimbit ist einer der umfangreichsten Widget-Anbieter, weil sie gleich noch ein Paket dazu anbieten, dass den Verkauf über andere Anbieter wie z.B. den iTunes Store, eMusic und andere ermöglicht, Merchandising, CD- oder Ticket-Verkäufe und Ähnliches mitanbietet (sich also gleich auch als Shop für richtige Label lohnen kann, falls man eins ist oder plant eins zu werden – 49$/Jahr) und zusätzlich auch noch Design-Features und Webhosting in einem zweiten Upgrade ermöglicht (239$/Jahr). Aber auch die Umsonst-Version macht durchaus Sinn. Mit 80% des Verkaufspreises (bei freier Preiswahl ab 49 Cent pro Download) als eigener Gewinn ist Nimbit auch hier weit vorn. Und auch in der Umsonst-Version kann man nicht nur eine Bio in das Widget integrieren, sondern auch Tourdaten und gleich auch Tickets verkaufen, eine Mailingliste für Fans aufsetzen und sogar Tracks verschenken. Selten genug, und deshalb erwähnenswert, ist auch die Möglichkeit, jedes Feature (z.B. das Sharen des Widgets) abzuschalten. Jeder Verkäufer-Account bekommt auch gleich noch eine einfach erreichbare Webseite (nimbit.com/artist) und auch hier sind die Vorhör-Snippets in Orginalqualität. Paypal geht leider mit Nimbit nicht, dafür aber die üblichen Kreditkarten: Visa, American Express, Mastercard und mehr. Das sehr dunkel gehaltene Standard-Widget ist neutral genug, um in die meisten Webdesigns zu passen, und funktional gleichzeitig am vielseitigsten.

Justaloud

Eigentlich mehr den Eindruck einer Musikcommunity machend, ist auch die Stuttgarter Firma Justaloud ein guter Startpunkt, speziell für deutsche Musiker, für ein Widget und mehr. Mit 85% des Gewinns für den Künstler ist sie auf jeden Fall ist Justaloud die lohnendste Variante. Allerdings mit einer Besonderheit. Denn alle Tracks beginnen erst mal mit 0 Euro, und mit fünf, später zehn und mehr Verkäufen steigt der Preis automatisch um 10 Cent (bei 99 Cent, erreicht bei 95 Verkäufen des Tracks, ist dann Schluss mit der inversiven Preisspirale). Die Idee hinter diesem zunächst merkwürdig erscheinenden Verfahren ist, die Künstler über rasant billige Einstiegspreise bekannt zu machen. Die direkte Integration der Zahlung von GEMA-Lizenzen ermöglicht auch Künstlern mit Wahrnehmungsvertrag, sich einen eigenen Shop legal zuzulegen. Das Widget ist nicht das hübscheste, aber ziemlich neutral und dezent konfigurierbar in Farbe, Breite und Höhe. Bezahlt werden kann via Kreditkarte und Paypal, man muss allerdings vor dem Kauf sein Konto aufladen. Bevor man auf einer Bezahlseite landet, muss man sich außerdem anmelden, was gelegentlich mal einen Spontankäufer abweisen dürfte.

Addyourmusic

Völlig ohne Networking-Schnickschnack und auf der Basis eines einfachen Shops ist die größte Besonderheit bei dem Münchner Anbieter AddYourMusic wohl, dass man keinerlei Anteil an den eigenen Downloadgewinnen abgibt. 100% Gewinn klingt erst mal perfekt. Tatsächlich gibt es dafür aber nur 12 MB Speicherplatz, ist also eher als Schnuppermodell zu verstehen. Die weiteren Preise sind auch komplett an den Speicherplatz gebunden. 5,80 € für 120 MB, 9,30 € für 240 MB usw. Gleichzeitig kann man mit Addyourmusicauch CDs verkaufen. Das Shipping übernimmt man dabei allerdings selber. Es unterscheidet sich also nicht davon, es gleich via Paypal zu machen. Der Player ist nicht konfigurierbar, die Preise frei wählbar und das Interface ziemlich basisch. Ein guter Service für Einsteiger und Leute, die auf sonstigen Schnickschnack verzichten können.

Snocap

Als Exklusiv-Anbieter für MySpace gehandelt, machte Snocap relativ früh Furore (die dürfen ihre Widgets auch MyStores nennen). Mittlerweile findet man aber auch anderes auf MySpace, und natürlich ist Snocap nicht auf Murdochs Portal begrenzt. Originell ist die RSS-Funktion der Widgets (damit User bei Leuten, die sie mögen, auf dem Laufenden bleiben können) und auch die eingebaute E-Mail-Weiterleitung könnte was bringen. Durch zusätzliche Windows-Formate ermöglicht Snocap auch paranoiden Verkäufern die Einbindung von DRM und AudioFingerprinting, allerdings funktioniert es dann nicht immer. Bislang sind die Widgets immer noch auf US-Bürger mit Social-Security-Nummer beschränkt, da muss man also unter Umständen Freunde finden. 39 Cents gehen von jedem Verkauf (Preise frei wählbar) an Snocap, die aber dafür auch Paypal-Kosten und ähnliches übernehmen, bei Pro-Accounts (z.B. für Labels, die dann minimum 100$ pro Jahr kosten) ändern sich die Beträge allerdings, scheinbar auf Verhandlungsbasis. Da es bislang nur einen Retailer (Weiterverkäufer) gibt, brauchen wir davon noch nicht zu reden. Da aber die Integration von P2P-Netzwerken – Napsters Shawn Fanning ist Mitgründer – geplant ist, könnte das eventuell wieder interessant werden. Bezahlt werden kann neben Paypal auch mit Visa und Mastercard.

Soundloud

Soundloud ist einer der einfachsten Services. Anmelden kann sich jeder, verkaufen kann man jedes MP3 und die Betreiber wollen nicht mal wissen, wo man wohnt. Alles, was man braucht, ist ein Paypal Account. Vorstellbar also, dass sogar jemand dort seine DJ-Mixe verkauft. Rechtliches wird über Copyright-Abuse-Meldungen geregelt. Und auch die Preisstruktur ist einfach: 99 Cent pro Track. Man selber bekommt davon 74. Bezahlt werden kann mit nahezu allem: Visa, Mastercard, Paypal, Google Checkout oder auch Amazon Payments. Freie Downloads lassen sich auch integrieren und die Bezahlung erfolgt angeblich täglich. Bislang ist Soundloud auf 35 “Singles” reduziert. Man kann aber auch Alben verkaufen (3, mit je bis zu 35 Tracks), die Previewlänge kann man sich dafür aussuchen (30-Sekunden-Schnipsel wie üblich oder komplett).

Hooka

Gekoppelt mit der Indie911.com-Webseite ist Hooka eins der einfacheren Widgets, das aber dennoch viele Möglichkeiten bietet. Wie bei Nimbit ist der Share hier 80%, sollte ein anderer über dein Widget Tracks verkaufen, gehen davon noch mal 10% ab. Das am meisten Besondere am Hooka-Widget dürfte wohl der integrierte Chat sein und die Möglichkeit, auch Filme oder Musikvideos zu verkaufen. Wie populär Indie911 ist, ob es also aus der Community direkte Verkäufe geben kann, können wir kaum abschätzen, gut aber ist die Möglichkeit, das Widget ziemlich weit dem eigenen Stil anzupassen. Der Preis der Tracks ist allerdings ebenso wenig verhandelbar (99 Cent) wie die Tatsache, dass DRM hier nicht erwünscht ist (Tracks über 10MB leider auch nicht). Embed-Funktionen beinhalten auch einen direkten Uplink zu MySpace. Die Vernetzung mit anderen Services (Radio, Podcasts, Filesharing) ist hier etwas zu komplex, als dass wir sie beschreiben könnten. Das Clearing der Tracks (falls es z.B. Coverversionen sind) kann unter Umständen etwas dauern.

Kazzong

Als einer der wenigen explizit deutschen Anbieter ist der IMEA-Gewinner Kazzong noch relativ neu. Die Vorteile eines deutschen Anbieters liegen auf der Hand: einfacheres Handling des Geldflusses und man weiß, wo man sich beschwert, wenn mal was nicht so funktioniert. Aber leider gibt es einen großen Nachteil. Käufer und Verkäufer müssen sich bei ClickandBuy registrieren, sonst geht gar nichts. Konzentriert man sich auf deutsche Käufer, mag das so eben noch gehen, aber weltweit ist das System einfach viel zu unbekannt. Ansonsten liegt Kazzong von den Leistungen her im Mittelfeld. Es gibt gestaffelte Ausschüttungen von knapp unter bis ein wenig über 50% des Verkaufspreises, Albenverkauf, reine MP3s (Minimum 192kbps), man kann spezielle Playlisten erstellen, es gibt Systeme für so genannte “Vertriebspartner” (Widgets anderer einbinden und mitverdienen) und “Aggregationspartner” (wenn man Menschen zu Kazzong-Nutzern macht, die darüber Musik verkaufen). Die Zahlung erfolgt monatlich ab Verdiensten von zehn Euro. Das Widget lässt sich natürlich von jedem embedden, ist jedoch nicht konfigurierbar und sieht – auch wenn grün nicht jedermanns Sache ist – einigermaßen ok aus. Die Prelistening-Funktion liefert 30-Sekunden-Snippets, allerdings in Orginal-Bitrate.

Musicane

Hübsches Widget mit einer Vielzahl von Funktionen. Man verdient zwar nur 60% in der Basisversion (80% bei monatlichen 19.99 Dollar). Dafür kann man Amerikanern aber auch Klingeltöne verkaufen und Videos sowieso. Bezahlt werden kann bei Musicane mit allem und, wirkliche Besonderheit, man kann sich aussuchen, wie viel diejenigen, die das eigene Widget mitbenutzen, mitverdienen können.

Mehr Shop-Widgets:

BlastMyMusic
AmieStreet
ProjectOpus
FanDoodle

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Elektronische Lebensaspekte.