Die Zukunft der Musik ist online - jedenfalls was Verkäufe betrifft. Im Überblick: iTunes, Beatport, Whatpeopleplay, Kompakt & Bleep.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 120


Mittlerweile haben wir uns alle daran gewöhnt. Musik kaufen, das heißt nicht mehr nur Vinyl oder CD im Laden oder online holen und voller Vorfreude auspacken, sondern immer öfter eben auch One-Click-Shop und runterladen von MP3s. Die Zukunft der Musik – jedenfalls was Verkäufe betrifft – ist online. Und es tut sich was. Die MP3-Shops werden nach und nach immer intelligenter.

Aber nicht nur immer mehr Online-Shops suchen nach Käufern für ihre MP3s (von dem kurzen DRM-Wahn sind wir mit elektronischer Musik ja zum Glück weitestgehend verschont geblieben), sondern auch immer mehr Musiker suchen – statt nach einem Label – nach Wegen, ihre Musik selbst online zu verkaufen. Schließlich macht es ja unter Umständen wenig Sinn, eine Karriere als MySpace-Star anzustreben und dann hinterher doch den gewohnten Umweg über ein Label zu gehen, das nicht mal mehr das nicht vorhandene Geld für die Pressung vorschießen kann.

Widgets dürften – neben dem gelegentlich nicht immer leichten Versuch, in eins der großen Downloadportale ohne Label zu kommen – die beste Lösung sein, denn so verkauft man seine Musik auf der eigenen Webseite und braucht sich dennoch um das Backend und die Zahlprobleme nicht zu kümmern. Unser Überblick in einer der folgenden Geschichten gibt euch etwas mehr Durchblick in der wuselnden Zahl der extrem unterschiedlichen Musik-Verkaufs-Widget-Anbieter. Und da nichts so schön ist wie ein echter Plattenladen um die Ecke, haben wir auch noch eine Menge PlugIns geschrieben, die jeden Online-Shop zu einem Erlebnis machen wie ein Besuch bei Hardwax 1992.

Es gibt endlose MP3-Shops, aber wohl die wenigsten dürften in unserem Umfeld überhaupt Sinn machen, sei es wegen der Musikauswahl der Qualität oder einfach der Vollständigkeit und Lage. Deshalb hier nur ein kurzer Überblick über die wichtigsten Shops in der Nachbarschaft. Zwei der neusten Shops, Zero” und Myx2u, stellen wir in folgenden Geschichten noch ausführlich vor.

iTunes

Nach wie vor der Klassiker unter den MP3-Shops, findet man bei iTunes wohl vor allem Alben aus den angrenzenden Feldern elektronischer Musik, davon allerdings eine Auswahl, die kaum ein anderer übertrifft, und für all die, die eh nur in iTunes oder auf den angrenzenden Pods Musik hören, das auch ziemlich vorbildlich komfortabel. Nach wie vor allerdings sind viel zu viele davon mit DRM bestückt, und die Qualität der Files – in allen übrigen Shops sind 320kbps Standard – sowie deren Kompatibilität sind schlichtweg begrenzt. Für Heimhörer und Jogger.

Beatport

Der größte MP3-Vertrieb für elektronische Musik, was sowohl das Repertoire als auch die Mengen betrifft, hat nicht nur durch seinen cleveren Anschluss an DJ-Software wie Traktor (oder den neuen eigenen Player, mit dem man auch Mixen und Radiostationen hören kann) einen guten Ruf. Die Integration – speziell in den Fällen, in denen man auf kompatible DJ-Software baut – ist einfach vorbildlich. Als Einziger der Shops, mit denen wir hier zu tun haben, gibt es auch Widgets, so dass sich der Verkauf eigener Tracks nicht nur auf die – manchmal etwas umständliche – Webseite von Beatport beschränkt. Es gibt eine nicht unerhebliche Menge an Promotiontracks und Mixen umsonst, die größte Menge an Charts, gegen Aufpreis auch WAV-Files von jedem Release sowie ein ausgekoppeltes Musikinformationsportal. Preislich liegen sie allerdings oft mit 1,99 Cent über den anderen.

Whatpeopleplay

Der neue Shop des Vertriebs Word and Sound wartet mit einem erfrischend inhaltsreichen Design auf. Und auch die vielen Texte zu den Releases und Musikern lassen das Ganze stellenweise fast mehr wie eine Musik-Info-Seite aussehen als wie einen klassischen Shop. Das Repertoire beinhaltet den gesamten – und verflixt großen – Pool der Exklusivlabel von Word And Sound und einiges mehr, manche sind sogar nur hier zu haben. Die Vorhörfunktionen von Whatpeopleplay liefern einen extrem guten Sound, bei dem einem die Entscheidung leicht fällt, und als Bonus gibt es auch noch diverse Tracks als “Live Ready Files”, für die direkte und völlig unproblematische Einbindung in ein Ableton-Live-DJ-Set, und das auch noch umsonst. Die Einbindung von Kommentaren, Ratings, DJ-Feedback, Umfeldkäufen und DJ-Charts runden das Ganze sehr frisch ab. Als Label gibt es einfache Kontaktmöglichkeiten und Artists sollen demnächst auch eigene Seiten bekommen.

Kompakt

Minimal wie auch die sonstigen Webseiten von Kompakt, featured auch der MP3-Shop des Kölner Traditionsvertriebes einiges mehr als nur die Exklusivlabel des Vertriebs. Alles ist hier auf schnellen Einkauf bedacht, und die Navigation und sonstige Infos sind eher spartanisch, weshalb man sich lieber gleich auf die Suche verlassen sollte. Die Charts sind deshalb nicht nur den Käufern umso wichtiger. Aufgrund der Einfachheit allerdings gibt es den Kompakt-Shop in gleich fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch und Portugiesisch, und mit RSS-Feed behält man auch leicht den Überblick über neue Releases.

Bleep

Lange Zeit einer der ersten auf der Bühne, hinken sie mittlerweile, außer bei ihren Exklusivlabels, etwas dem Releasetempo hinterher, auch wenn der Bleep-Shop von Designers Republic immer noch einfach der hübscheste ist. Vor allem wohl zu empfehlen für Releases aus dem Warp-Umfeld.

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Elektronische Lebensaspekte.

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